Über das Gewitter im Kopf: Depressionen als Mittel zum maximalen Geltungsdrang?

Depressionen und Social Media – das Gewitter im Kopf und die sozialen Netzwerke

Depressionen und Social Media – kann das zusammenpassen?

“Ich habe Depressionen.” Schulterzucken und ein leicht abwertendes “Jeder hat doch sein Päckchen zu tragen…” – das ist üblicherweise die Reaktion, die man im realen Leben erfährt, wenn man es endlich geschafft hat, über seine Krankheit zu sprechen. Und das obwohl immer mehr Menschen daran erkranken und die Weltgesundheitsorganisation prognostiziert, dass Depressionen 2020 die zweitmeist verbreitete Krankheit der Welt sein wird (Quelle).

Und jetzt stell dir vor, du hast Depressionen in einer Welt, in der alles nur noch online passiert. In einer Welt, in der du überwiegend über Whatsapp, Facebook und Snapchat mit deinen Freunden kommunizierst. Wie vereinst du diese mitteilungsbedürftige Gesellschaft, in der jeder am optimalen Selbstbild arbeitet, mit deiner Diagnose?

Online oder offline, das ist hier die Frage!

Diese Frage war Bestandteil der von den Organisatoren zusammengeworfenen Vorträge von Kati Krause (@katikrause; Autorin, Magazinmacherin und Medienberaterin) und Uwe Hauck (@bicyclist; Autor und Initiator des Twitter-Hashtags #AusDerKlapse) auf der Media Convention Berlin 2016, die unter dem Titel “Ziemlich schlechte Freunde? Social Media und Depression” liefen. Und die Ansichten der beiden Vortragenden zu dieser Fragestellung hätten unterschiedlicher nicht sein können. Während sich Kati im Zuge ihrer Depression komplett von den sozialen Kanälen losgelöst hat, hat Uwe eine gewisse Form der Therapie für seine Krankheit in der Nutzung von Facebook, Twitter und Co. gefunden – und zwar, indem er auf Twitter den Hashtag #AusDerKlapse ins Leben gerufen und seine Eindrücke aus der Psychiatrie auf dem Kurzmitteilungsdienst veröffentlicht hat.

Die sozialen Netzwerke als “Kommunikations-Einbahnstraße”

Kati hat es geholfen, nicht mehr die ganzen pseudo-glücklichen und “HEY, HALLO, HIER BIN ICH!”-Beiträge ihrer “Freunde” zu sehen. Ihr Leben hatte zuvor nur noch daraus bestanden, auf der Couch zu liegen, während sie die immergleichen Apps in einem Kreislauf geöffnet, aktualisiert und wieder geschlossen hat. Es hat sie angestrengt, dass Gespräche, die man über die sozialen Netzwerke führt, keine richtigen Gespräche sind, sondern auch immer eine Form der Selbstdarstellung. Bezeichnet hat sie das Ganze als “Kommunikations-Einbahnstraße”. Sie hatte keine Energie, keinen Elan, keinen Appetit, aber vor allen Dingen entwickelte sie eine Social Media-Unverträglichkeit. Ihre Therapeutin sagte ihr, das sei bei depressiven Menschen normal, aber nur eine Nichtigkeit in Anbetracht der sonstigen Symptome. Außerdem sei Stress nicht gut bei Depressionen und Social Media IST Stress. Also Benachrichtigungen aus, Apps deinstalliert, offline gegangen. Sie konsumiert Social Media mittlerweile sehr bewusst. Auf Facebook werden ihr nur Beiträge von einer Handvoll Leuten angezeigt, die sie gerne verfolgt. Gespräche werden nicht mehr via WhatsApp geführt, sondern im realen Leben. Und ihr geht es gut damit.

Und was ist, wenn man online bleiben will?

Uwe wiederum sah es gar nicht ein, sich von den sozialen Kanälen abzuwenden. Depressionen sind sowieso stigmatisiert genug, wieso also nicht das Netz nutzen, um darüber zu reden, Aufmerksamkeit zu schaffen? Also rief er direkt einen eigenen Hashtag ins Leben, unter dem er aus der Psychiatrie berichtet, in die er sich freiwillig hat einweisen lassen, nachdem er versucht hatte, sich umzubringen.

Die Reaktion aus den Sitzreihen bei der Media Convention war ein immer lauter werdendes “Krass, sehr mutig…”. Er konnte wertvolle Tipps geben, denn Social Media muss nicht unbedingt schlecht sein, wenn man Depressionen hat. Zum Beispiel betonte er, dass man, wenn man “online bleiben will”, unbedingt darauf achten sollte, sich und sein Leben nicht permanent mit dem der anderen zu vergleichen. Auch gab er wichtige Denkanstöße, die einen darüber grübeln ließen, ob ein Umdenken bei der psychologischen und psychiatrischen Behandlung stattfinden muss, denn Notebooks und Smartphones sind in einer solchen Einrichtung vollkommen normal – das muss aber nicht für jeden passen. Für ihn passte es und er fand eine ganz eigene Therapieform, um mit seinem Problem umzugehen – die Bestätigung tat ihm gut. Also entschied er sich dafür, online zu bleiben. Und ihm geht es gut damit.

Der schmale Grat zwischen Selbstdarstellung und Geltungsdrang

Ich kann mich leider immer noch nicht ganz festlegen, wie ich die Depression als Mittel zur Selbstdarstellung in den sozialen Kanälen bewerten will – und das, obwohl ich persönlich auch sehr offen mit meiner Krankheit umgehe. Es ist ein heikles Thema, das jedes Gespräch beendet, sobald unterschiedliche Ansichten vorherrschen. Ab einem gewissen Punkt kann diese Form der Selbstdarstellung sehr schnell in einen gewissen abhängigkeitsgetriebenen Geltungsdrang übergehen bzw. dass es von Außenstehenden so wahrgenommen wird. Uwe musste sich schon längst die Vorwürfe anhören, dass er alles nur noch auf die Depression schieben würde oder das nur tut, um Geld zu verdienen – nicht zuletzt, weil er auf Twitter gerne von seinem “Erfolg” spricht, den er durch die Depression hat. Vielleicht steckt aber auch nur der ganz naive und unschuldige Gedanke dahinter, Aufklärungsarbeit zu betreiben und vielleicht einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, das Stigma dieser Krankheit zu zerstören. Der Grat ist trotzdem schmal.

Und jetzt?

Auch wenn die beiden nur zufällig von den Veranstaltern in einen Vortrag gesteckt wurden und auch wenn das Thema dadurch nur sehr oberflächlich angerissen werden konnte, so hat genau das dabei geholfen, zu verstehen, wie die Frage danach, ob Social Media-Nutzung bei Depressionen gut oder schlecht ist, zu beantworten ist: nämlich nicht pauschal, sondern ganz individuell. Man muss selbst herausfinden (oder noch besser: es gemeinsam mit einem Therapeuten besprechen), was einem nicht gut tut. Es muss ganz bewusst darauf geachtet werden, dass man sich nicht durch die befürwortende Kommunikationsspirale, die durch das Verbreiten dieses Themas auf den sozialen Netzwerken, immer weiter reinsteigert – denn das ist dann eher ein Weg, der nach unten führt.

Bildquelle

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Eine Videothek der Onlinekommunikation? Wir hätten da eine Idee! [Video]

Es ist vollbracht unser Video zum medienneutralen Publizieren ist im Kasten und da sitzen wir nun in der hessischen Provinz Dieburg und fragen uns, wie wir unseren Schössling in die weite Welt der PR-Community entlassen sollen. Und weil wir sicher sind, dass es da draußen Unmengen guter Erklärvideos gibt, wollen wir die Veröffentlichung gleichzeitig mit einem Aufruf verbinden: Liebe Community, teilt doch bitte Eure liebsten Videos mit uns!

With a little help from our friends

Klar, wir hätten es auch einfach publizieren können. Aber: Bei unserer Recherche haben wir festgestellt, dass Erklärvideos zu einem bestimmten Fachgebiet gar nicht so einfach zu finden sind. Das möchten wir gern ändern: Wir haben uns deshalb dazu entschieden, mit der Veröffentlichung unseres eigenen Videos, auch Euch nach Euren liebsten Videos zu fragen. Dabei soll es natürlich nicht bleiben: Wir sind der Meinung, dass es einen Ort geben muss, an dem solche visuellen Stücke gesammelt werden sollten und wir finden, dass der Name „PR-Fundsachen“ mehr als gemacht dafür ist.

Weil wir gar nicht die Möglichkeit hätten, alle guten Videos zu finden, seid Ihr gefragt. Die Idee: Wir suchen gemeinsam die besten, schönsten, längsten oder knackigsten und liebgewonnensten Erklärvideos in der Community und tragen sie zusammen. Die einzige Regel: Es soll (wie der Name bereits verrät) um PR-Fundsachen gehen, also um Themen rund um PR, Marketing, digitale Kommunikation, Social Media und dieses #neuland.

Zur Inspiration haben wir bereits drei Lieblinge in die Playlist gepackt und freuen uns ab jetzt auf Eure Unterstützung.

Heute möchten wir also gleich auf zweierlei Dinge aufmerksam machen: Zum einen auf unser in Eigenproduktion entstandenes Video „Kommunikationsabteilungen im Wandel: Medienneutrales Publizieren“ sowie auf den neuen Youtube-Channel der PR-Fundsachen.

Video medienneutrales Publizieren
Unser in Eigenproduktion entstandenes Video

Lasst uns im Gespräch bleiben

Jeder braucht Erklärungen. Egal, ob es die eingefleischten Kommunikationsexperten unter Euch sind oder aber diejenigen, die sich für einen Studiengang am Mediencampus interessieren. Eine gute Sammlung von Videos kann in vielen Fällen helfen. Sie kann dem eigenen Verständnis dienen, aber vielleicht auch als Vorbereitung für Workshops oder Vorlesungen. Bewegtbild ist ja bekanntermaßen in vielen Fällen erhellender als trockener Text.

Darüber hinaus sollen die PR-Fundsachen einen Ort eröffnen, der offen für Diskussionen und Gespräche auf Augenhöhe ist – frei nach dem Motto „Von allen für alle.“

Wir freuen uns schon jetzt auf Eure Vorschläge und Euer Feedback – Spread the word!

tl;dr

Nennt uns Eure Lieblingsvideos zu Onlinekommunikation hier in den Kommentaren oder auf Youtube, Twitter oder Facebook. Wir ergänzen dann Stück für Stück unsere Playlist bei Youtube.

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Die Bewertungsgesellschaft

Bewertungsgesellschaft
(Erstellt mit snappa.io)

Ob Filme, Hotels, Ex-Kollegen oder Posts in Sozialen Netzwerken: Bewertungen gehören mittlerweile zum Leben dazu. Doch woran liegt das? Warum vertrauen wir so auf sie? Und wie können Unternehmen davon profitieren?

Gehirn aus, Bewertungen an

Jeder kann mit seiner Kritik Einfluss auf die Entscheidungen anderer nehmen und eine gewisse Art von Macht ausüben. Bestenfalls profitiert die Allgemeinheit von der Kritik und kann vor sogenannten Fehlkäufen bewahrt werden. Wer fühlt sich nicht gerne als Experte und gibt seine eigene Meinung einer großen Masse preis? In einer Welt des „Funktionierens” ist es doch toll, dass einem Entscheidungen abgenommen werden. Wie soll man sich denn zwischen zwei verschiedenen Jobs entscheiden, wenn man beim Italiener nicht mal zwischen Spaghetti Bolognese und Lasagne wählen kann? Das Problem sind die Wahlmöglichkeiten: Es gibt einfach zu viele. Wir sind froh, wenn wir auf Online-Bewertungsportalen nachlesen können, wie gut oder schlecht das Essen schmeckt.

Besonders beliebt dabei sind Sterne. Der Soziologe Grant Blank von der Universität Oxford sieht Sterne als sehr wertvoll an, da sie „eine Hierarchie schaffen und damit extrem komplexe Entscheidungen vereinfachen: nicht nur, in welches Restaurant man geht, sondern auch auf welches College. Ohne Sterne-Bewertungen wäre es viel schwieriger, überhaupt eine Entscheidung zu treffen.” Man vertraut der Intelligenz des Schwarms. Es wird schon passen, wenn es viele gute Bewertungen gibt.

PR und Vertrauen, hmm joa schwierig

Es zeigt sich, dass Vertrauen eine der zentralen Herausforderungen im Web ist, in dem doch sonst jeder publizieren und jedes Unternehmen seine Versprechen machen kann. Doch auch der Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft Michael Kunczik weiß: „Image- und Vertrauensprobleme begleiten die PR so lange, wie es sie gibt.” Ein möglicher Lösungsansatz: Word-of-Mouth Marketing. Es basiert auf der Weitergabe einer persönlichen Empfehlung. Einer zwanzigjährigen Studentin glaubt man eher, dass ein Laptop gut ist, als einem millionenschweren Unternehmen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Unternehmen darauf aus sind, ihre Produkte und Dienstleistungen von uns bewerten zu lassen. Verstärkt das indirekt gesellschaftliches Bewerten?

Den Ex-Kollegen online bewerten? Logo!

Aktuell wird in Sozialen Netzwerken viel über eine App namens Peeple diskutiert. Sie ermöglicht es, Menschen online mit Sternen zu bewerten. Sicher, Plattformen wie diese gibt es bereits an vielen Stellen, allerdings war und ist keine bisher so plakativ wie Peeple. In der App können positive und negative Bewertungen über Personen im eigenen Bekannten- und Kollegenkreis abgegeben werden – und die ganze Welt kann es sehen. Man muss nicht einmal angemeldet sein, um bewertet zu werden. Ein Punkt für „ziemlich blöd” und fünf Punkte für „super Typ” – eine gut gemeinte Methode, um die eigene Online-Reputation aufzubessern? Wohl kaum. Im Gegenteil. Wo soll denn hier die Grenze zwischen Mobbing und objektiver Bewertung gezogen werden?

Interessant ist, dass die App zwar angekündigt, aber immer noch nicht gelauncht wurde. Möglicherweise sind die zwei Gründerinnen aufgrund des ernormen Drucks im Social Web verunsichert: Jennifer Lepies, Online-Redakteurin bei „Technology Review”, bezeichnet die App sogar als „sozialen Albtraum”. Der Shitstorm führte bisher so weit, dass die Peeple-Website, sowie sämtliche Social Media Accounts vorerst auf Eis gelegt wurden. Inzwischen sollen sogar einige Änderungen innerhalb der App vorgesehen sein. Wir sind gespannt.

Bis zu 30 Prozent aller Online-Rezensionen sind fake

Online-Bewertungen sind ein lukratives Geschäft – das haben Agenturen für „Textservice” und „Shop-Texte” längst verstanden. Man muss sich vorstellen: Mitarbeiter einer solchen Agentur sitzen den ganzen Tag da und schreiben im Auftrag eines Unternehmens die blumigsten Online-Rezensionen – auch wenn das jeder PR-Ethik und auch dem Wettbewerbsrecht widerspricht. Bei diesen Bewertungs-Marathons werden sich sicherlich einige Wörter und Ausdrücke wiederholen. Und genau hier kann angesetzt werden, um die Authentizität eines Kommentars zu überprüfen. Informatiker der Cornell University in New York arbeiten an einer Software, die gefälschte Bewertungen auf Basis von bestimmten wiederkehrenden Mustern entlarven soll. Auch wenn Kommentare besonders euphorisch formuliert sind, kann das ein Indiz für Betrug sein. Da wären wir übrigens wieder beim Thema PR und Vertrauen.

Am Ende bleibt deshalb nur eins (Surprise, Surprise): Restaurant aussuchen, hingehen, ausprobieren, fertig!

tl;dr

Täglich bewerten wir Dinge und Personen, online und offline. Ein Sensibilisierungsversuch.

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Edeka is(s)t bei Instagram – Wie wichtig ist visuelle Kommunikation?

Deutschlands zweitbeliebtester Supermarkt hat seit Anfang Oktober einen Account bei Instagram – und das finde ich sehr, sehr geil!

Denke ich an EDEKA, fällt mir sofort das millionenfach angeklickte YouTube Video „Supergeil“ mit Friedrich Liechtenstein ein, welches 2014 auch im deutschen Fernsehen zu sehen war. Zuständig für die unterhaltsamen Online-Filme der EDEKA Marke ist die Hamburger Kreativ-Agentur „Jung von Matt“.

Sucht man nach einer zeitgemäßen Imagekommunikation, kommt man nicht am Social-Media-Marketing vorbei. Auf Facebook, Youtube und nun auch Instagram hofft die Supermarktkette auf diejenigen zu treffen, die nicht mehr nur mit dem aktuellen TV-Spot zu erreichen sind. Das neue Social Media-Profil richtet sich an alle, die vor allem eines mit EDEKA teilen: die Liebe zu Lebensmitteln.

Ein altes Profil ist beispielsweise der Twitter-Account, den EDEKA jedoch das letzte Mal 2013 aktiv verwendete. Lebensmittel mit Worten zu beschreiben scheint lang nicht so erfolgreich zu sein, als einfach ein Bild davon zu zeigen.

#instafood, #foodpic, #yummy

Instagram hat weltweit mehr als 300 Millionen Nutzer, wovon in etwa 3 Millionen aus Deutschland kommen – Tendenz steigend. Darüber hinaus wächst kaum ein Social Network so rasant wie Instagram. Vor allem bei den jungen Internetnutzern (16 – 24 Jahre) gewinnt der Fotodienst deutlich an Bedeutung. Eine Studie aus den USA zeigt, dass insbesondere Teenager auf Instagram immer aktiver werden, wogegen das Interesse an Twitter, Google+ und auch Facebook langsam verloren geht.

Warum Instagram Einsatz in Unternehmen findet

Durch visuelle Kommunikation können Produkte lebhafter dargestellt werden. Es ist wichtig, dass die Bilder beim Betrachten eine positive Wirkung hervorrufen. Fotograf Boris Baldinger, welcher rund 7.000 Abonennten auf Instagram hat, sagte in einem in einem Gastbeitrag auf allfacebook.de: „Authentizität ist eines der wichtigsten Elemente, um auf Instagram erfolgreich zu sein. Zeigt, wie euer Brand oder euer Unternehmen tickt. Gebt einen Einblick in den Alltag.“

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – Wenn eine Firma ein gewisses Image von sich transportieren will, dann gilt es das auch mit Fotos zu zeigen.

In der heutigen Welt nehmen sich die Leute selten Zeit, etwas gründlich zu lesen. Das Internet ist vollgestopft mit Content. Es gilt also, die Aufmerksamkeit mit Bildern zu erhaschen. User neigen eher dazu, auf einen Beitrag mit Bild zu klicken. 2014 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren rund 11,03 Millionen Personen, die Texte ohne Bilder langweilig fanden.

Schöne und authentische Fotos zu zeigen, reicht aber nicht. Durch Aktionen und Interaktionen wird man in Social Web überhaupt erst sichtbar und fördert seine Unternehmensvermarktung. Und was macht Edeka genau? Durch Rezeptvorschläge, witzige Sprüche und angepasste Hashtags versucht sich die Supermarktkette Gehör auf neuem Terrain zu verschaffen.

Rezepte á la EDEKA
Quelle: Screenshot edeka/Instagram
Quelle: Screenshot edeka/Instagram

 

Die Bilder für den Instagram-Account werden von Foodfotografen geschossen, die unter anderem für das Kundenmagazin „Mit Liebe“ arbeiten. EDEKA kündigte an, mehrmals pro Woche Obst und Gemüse, sowie bereits zubereitete Speisen und Rezepte zu präsentieren, um Lust auf gutes Essen zu machen – welches selbstverständlich im EDEKA-Markt erworben werden kann. Die Bildsprache hat meiner Meinung nach einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Aber überzeugt euch selbst!

Edeka auf Instagram
Quelle: Screenshot edeka/Instagram

 

Rolf Lange, Leiter der Unternehmenskommunikation von EDEKA, erklärt auf der Webseite:

„Instagram ist für EDEKA in vielerlei Hinsicht eine relevante Plattform. Mit unserem Auftritt erreichen wir ein kreatives Umfeld mit einer sehr aktiven und vergleichsweise jungen Community, die stetig wächst und darum immer mehr Möglichkeiten bietet, diese Plattform auch als Reichweitenkanal zu nutzen. Auf Instagram lassen sich viele Entwicklungen frühzeitig beobachten und wer sich wie EDEKA leidenschaftlich mit Essen und Genussthemen beschäftigt, sollte hier vertreten sein.“

Da ich als Studentin eher selten gutes Essen zu Gesicht bekomme und es sich auf Instagram schon seit Jahren etabliert hat, sein Essen zu fotografieren, freue ich mich auf noch mehr #foodporn!

Linktipps zum Thema:

W&V: So inszeniert sich Edeka bei Instagram

BasicThinking: Wie wird man als Unternehmen auf Instagram erfolgreich?

WakeUp-Communications: So präsentieren sich Food-Marken auf Instagram

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Warum medienneutrales Publizieren immer wichtiger wird

Einige kennen es, manche verstehen es, aber kaum einer kann es erklären: Medienneutralität. Wieder eines dieser Buzzwords, dem kurzer Twitter-Hype und anschließende Vergessenheit droht? Nicht ganz. Medienneutrales Publizieren ist schon lange in der Medienwelt angekommen.

Der Umgang mit Medien ist unumgänglich geworden – laut der diesjährigen ARD/ZDF-Langzeitstudie beträgt die tägliche Mediennutzungsdauer der Bevölkerung ab 14 Jahren in Deutschland durchschnittlich neuneinhalb Stunden. Der moderne Nutzer stattet sich mit immer mehr Geräten aus, um in jeder Situation perfekt ausgerüstet zu sein und den gewünschten Content von überall aus abrufen zu können. Im Idealfall setzen Verlage, Unternehmen und Agenturen deshalb auf eine crossmediale Verteilung ihres Contents.

Ob Fernsehen, Radio, Zeitung oder Buch, vor allem das Internet nimmt hier als übergreifendes Multifunktionsmedium eine wichtige Rolle ein. Im klassischen Journalismus kommt es zur Aufhebung von Grenzen zwischen Print und Online – in Echtzeit werden News auf zahlreichen sozialen Netzwerken verbreitet, erscheinen wenig später auf der Website und landen am Tag darauf nicht selten in gedruckter Form am Zeitungsstand. Dank des steigenden Trends hin zum ePublishing wird das Stichwort Medienneutralität auch für Verlage immer interessanter – vor allem der elektronische Buchmarkt erfährt zunehmend Aufschwung. Für das Jahr 2020 wird laut Statistia 2015 im Segment eBooks eine Nutzeranzahl von knapp 9 Millionen prognostiziert.

Im Vordergrund steht nicht mehr die Anpassung von Content an bestimmte Trägermedien, sondern die Sicherstellung einer möglichst medienneutralen Aufbereitung. Um vorgefertigte Inhalte über verschiedenste Kanäle zum Kunden zu bringen, wird deshalb eine simple Mehrfachverwertung von Daten immer wichtiger. Aus einer bestehenden Datenbank heraus, sollen Inhalte unabhängig von der zuvor ausgewählten Distributionsplattform vorbereitet und verteilt werden. Immer öfter wird auf Content-Management-Systeme gesetzt, die den Inhalt auf Basis einer XML-Strukturierung verwalten und entsprechend des Zielmediums passend ausspielen können. Nicht selten spricht man aufgrund dessen von medienneutralem oder plattformunabhängigem Publizieren.

Doch medienneutrales Publizieren ist aufwendig und teuer, denn Verlage, Unternehmen und Agenturen müssen sich auf eine Neuorganisation ihrer Workflows einstellen. Um möglichst effizient zu arbeiten, werden Kommunikationsabteilungen umstrukturiert, Mitarbeiter geschult und Agenturen mit neuen Content-Management-Systemen konfrontiert. Hier gilt es abzuwägen: Inwieweit wird eine spezifische Medienform genutzt? Welche Erwartungen werden gestellt? Und wie viel ist der Kunde bereit zu zahlen? Es muss eine angemessene Kommunikation sichergestellt werden, deren Aufwand kalkulierbar ist.

Medienneutrale Daten, als Basis für zeitgemäße Content-Strategien, sind daher nicht mehr wegzudenken. „Kommunikation muss entlang des Themas gedacht werden und nicht entlang des Trägermediums”, so Kersten Riechers (quäntchen + glück).

In den nächsten Wochen wird es auf PR-Fundsachen fortlaufend neue Beiträge zum Thema „Plattformunabhängiges Publizieren“ und „Medienneutralität“ geben. Bleibt dran!

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Webmontag auf Platz #1 bei Twitter – Premiere in der Darmstädter Centralstation

„Ich verspreche euch, ich habe nur Twitterbares in meiner Präsentation!“ (@tp_da) – Heute vor genau einer Woche fand der erste Webmontag (#wemoda) in der Centralstation Darmstadt statt, bei dem bewiesen wurde, wie wunderbar Live-Kommunikation über Twitter eine Veranstaltung bereichern und Teilnehmer miteinander vernetzen kann.

Was sich ein bisschen so anfühlte wie ein großes Klassentreffen des Mediencampus, war in Wirklichkeit ein Abend, an dem sich Entwickler, Unternehmer, Designer, Gründer, Geeks und Studierende trafen, um die gegenwärtige digitale Transformation zu thematisieren und zu diskutieren. Anfang des Jahres haben die Darmstädter Locals von ion2s, Schumacher. Visuelle Kommunikation, der Profilwerkstatt, quäntchen + glück und Camao die Digitale Darmstadt e.V. gegründet. Mit der Unterstützung großartiger Sponsoren haben sie nun den ersten Webmontag in Darmstadt ermöglicht.

Bildschirmfoto 1 #wemoda

Im ersten Vortrag sprach Anja Fehlau (@aenscha), Design Consultant bei SAP, über die Transformation in der Designkultur. Konkret arbeitet sie seit Jahren daran, Design Thinking in das Bewusstsein von 750.000 SAP-Mitarbeitern zu holen. Design Thinking bedeutet, Probleme zu lösen und damit zur Entwicklung neuer Ideen beizutragen. Das Ziel: Nutzern eine möglichst einfache und überzeugende User Experience zu liefern. Besonders Eindruck hinterließ ihr Schlusszitat: “Design is a behaviour, not a department.” Wie recht sie hat!

Prof. Dr. Thomas Pleil (@tp_da) stellte Fragen über die Transformation in der Lehre: Kommunikation im Web – Wie lehrt man etwas, was sich täglich ändert? „Der Luxus an meinem Beruf ist, dass ich sehr viel lernen darf”, so Pleil – und diesen Luxus genießen auch die Studierenden des Studiengangs Onlinekommunikation, der vor einem Jahr an der Hochschule Darmstadt gestartet ist. #onkomm-Studierende eignen sich in ihrem Studium nicht nur kommunikationswissenschaftliche Inhalte an – die Devise lautet: Wahl statt Pflicht. Ob der gewählte Weg zum Bachelor geradlinig oder über alle drei Schwerpunkte (PR, Online-Marketing oder Corporate Learning) hinweg verteilt verläuft, ist ganz der Eigenverantwortung der Studierenden überlassen. Pleil betonte: „Eine große Chance, in der digitalen Welt sichtbar zu werden, haben die Studis unter anderem mit ihrem Hashtag #onkomm.” Diesem gesellte sich am Montag zusätzlich #wemoda hinzu – und genau das hat den Abend zu etwas Besonderem gemacht: Die Medienschaffenden aus Darmstadt sind sichtbar geworden und haben es sogar auf Platz 1 der Trending Topics auf Twitter geschafft!
#wemoda Trending Topic
„Hätte es die Live-Kommunikation über Twitter nicht gegeben, hätte ich nur halb so viel mitbekommen…und nur ein Drittel davon wirklich behalten.“ –  Tobias Lübke (Student #onkomm)

Für Abwechslung zwischen den Talks sorgten die „4 x 5 Minuten Guter Ideen”. Das Prinzip: In 20 Minuten haben Unternehmen, Institute, Hochschulen, Startups oder Agenturen die Möglichkeit, ihre Ideen einem größeren Publikum zu präsentieren. Vorgestellt wurden das „FabLab Darmstadt”, der „Digital Media Women Rhein-Main e.V.”, „Konferenz Mittelstand 4.0” und „Germany Says Welcome” von dem absoluten Publikumsliebling Patrice Becker (@GerSaysWelcome). Der 17-Jährige begeisterte uns mit einer App, die Flüchtlinge in ihren ersten Wochen in Deutschland unterstützen soll. Die App ist das Ergebnis talentierter Jugendlicher, die bei „Jugend hackt 2015” teilgenommen haben. Gemeinsam mit Flüchtlingen hat er mit seinem Team ein Konzept erarbeitet, das unter anderem einen FAQ-Bereich, eine Karte mit ersten notwendigen Anlaufstellen und das sogenannte „Phrasebook” mit wichtigen Übersetzungen beinhaltet. Der ganze Saal applaudierte und war sich einig: Patrice hätte auch den ganzen Abend lang von dem Projekt erzählen können.

Bildschirmfoto 4 #wemoda

Zum Thema Transformation der Arbeit stellte sich Johannes Kleske (@jkleske), Strategieberater und Zukunftsforscher von Third Wave, die Frage: Nehmen uns Maschinen in Zukunft die Jobs weg? Laut Kleske dürften sich Zahnärzte keine großen Sorgen machen, wohingegen Steuerberater oder Journalisten bald zittern könnten. Beim Diskurs über die Zukunft der Arbeit gehe es immer um Macht, um die Menschen hinter der Software. Die Forderung daher: Reduce the power of humans! Es müsse endlich eine neue digitale Arbeiterwelt geschaffen werden, wie beispielsweise UBER, dem Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen. Während Kleskes Vortrag war eine eindrückliche Stille zu bemerken, die bewies, wie ernst und gegenwärtig diese Angelegenheit ist.

Bildschirmfoto 2 #wemoda

Darmstadt hat an diesem Abend ganz klar gezeigt, dass wir mindestens genauso fancy wie die Berliner sein können. Wir, die an diesem Abend Team #onkomm vertreten haben, freuen uns auf weitere Webmontage in Darmstadt!

Challi, Elli & Milena

 

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Gebühren statt Werbung: Der neue Abo-Dienst YouTube Red

Weltweit nutzen Menschen die kostenlose Video-Plattform YouTube. Seit jeher gingen Werbung und YouTube Hand in Hand, doch in Zukunft soll sich das ändern: Das neue Bezahl-Abo YouTube Red wird in den USA bereits angeboten und soll auch bald in Deutschland erhältlich sein.

Quelle: Screenshot YouTube „Meet YouTube Red"
Quelle: Screenshot YouTube „Meet YouTube Red“

In den Staaten kann der Nutzer das Abo für 9,99 Dollar monatlich bestellen. Erwartungsgemäß dürften die Preise in Euro 1:1 umgerechnet werden. Dafür kann man sich alle Inhalte ohne lästige Werbung ansehen. Nach einer 30-tägigen Testphase kann das Abo bei Nichtgefallen mit einer einfachen Kündigung über die offizielle Seite beendet werden.

Dienste wie Netflix, Spotify oder Apple Music verlangen für ein Monats-Abo ebenfalls 9 oder 10 Euro. Auch hier möchte YouTube Red ansetzen: Im kommenden Jahr sollen exklusive TV- Produktionen angeboten werden. Für 2016 sind rund 10 Eigenproduktionen geplant, unter anderem eine zehnteilige Serie mit den Machern der Kult-Reihe „The Walking Dead“, sowie eine Abenteuer-Serie, die in der virtuellen Realität gespielt wird. Auch Produktionen mit hauseigenen YouTube-Stars wie PewDiePie sind zu erwarten. Mit all diesen Vorhaben wird YouTube etablierten Streaming-Portalen sichtlich Konkurrenz machen.

Es gibt noch weitere Vorteile: YouTube Red ermöglicht es, Videos auch offline anzusehen und Musik anzuhören. Innerhalb der monatlichen Gebühr bietet YouTube außerdem den Zugriff auf die gesamte Google Play Musikbibliothek, die mehrere Millionen Songs im Angebot hat. Nutzer, die bereits einen Google Play Music Account besitzen, erhalten YouTube Red völlig kostenfrei.

Für alle, denen Werbung nichts ausmacht, ändert sich nichts. Alle Inhalte können weiterhin von jedem Nutzer angeschaut werden, jedoch unter den altbekannten Bedingungen: vorgeschaltete Werbeanzeigen.

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Eine Community von Zugvögeln

In den letzten Tagen sind immer wieder rote Vögel in meinem Twitter-Feed aufgetaucht. Kommunikationsmenschen halten sie in den Händen – als Stellvertreter für ihre digitalen Zugvögel. Damit sind Vorbilder im Social Web gemeint. Denn Vorbilder brauche jeder, schreibt Klaus Eck. Er hat unter dem Hashtag #Zugvogel eine Blogparade gestartet, in der es darum geht, sichtbar zu machen, wer einen auf Facebook, Twitter und Co inspiriert. Das können Menschen sein, die überaus aktiv sind im Social Web und jeden Tag interessanten Content empfehlen oder selbst beisteuern. Aber auch solche, die nicht einmal einen Twitter Account besitzen – und trotzdem Einfluss haben.

Community von Zugvögeln
Zugvögel

Je öfter mir die Zugvögel auf Twitter begegnet sind, desto mehr musste ich darüber nachdenken, wer eigentlich mein „digitaler Zugvogel“ ist. Es gibt viele Menschen, die ich in meiner digitalen Umgebung nicht missen möchte. Sei es, weil sie meinen Tag mit Lesetipps versüßen, oder, weil sie sich nicht scheuen, als Kommunikationsprofis öffentlich zu politisch heiklen Themen Stellung zu beziehen. Aber wer hat am meisten Vorbild-Charakter? Schwer zu sagen.

Was mir statt einer Person sofort einfällt, ist ein Moment, der mich für Social Media begeistert hat: ein Media Monday am Mediencampus. Dort habe ich zum ersten Mal erlebt, was sich für eine Dynamik entwickeln kann, wenn man in einem Raum sitzt, in dem ein toller Speaker einen interessanten Vortrag hält – und ein Großteil des Publikums live mittwittert. Obwohl die KommilitonInnen aus dem Studiengang Onlinekommunikation gerade erst ins Studium gestartet waren, haben sie unter dem #onkomm-Hashtag getwittert, als gäbe es kein Morgen mehr. Und mich haben sie damit zum Twitter-Fan gemacht. Klar, dass ich auch die folgenden Media Mondays besucht und den #onkomm-Hashtag verfolgt habe.

Digitale Zugvögel
#onkomms und ihre digitalen Zugvögel

Erst, als ich ein Semester später in die PR-Vertiefung meines Studiums startete, gemeinsam mit KommilitonInnen anfing, für dieses Blog über Twittwochs und Webmontage zu schreiben und wir unseren eigenen Hashtag, #ojpr, etablierten, trat die #onkomm-Community in meinem digitalen Alltag in den Hintergrund. Doch das scheint nicht so zu bleiben. Während wir OJPRler gerade aus der Praxisphase unseres Studiengangs zurückkommen, sagen die Onkommler „Guuude“ und übernehmen dieses Blog. Die #onkomm-Vögel werden also erst richtig losgelassen.

Nach langem Überlegen ist mir übrigens doch eine Person eingefallen, die ich tatsächlich als meinen digitalen Zugvogel bezeichnen würde: meinen Studiengangsleiter Lorenz Lorenz-Meyer. Er war es schließlich, der uns Onlinejournalismus-Studis im ersten Semester dazu nötigte, uns bei Twitter anzumelden, Storify auszuprobieren und grundlegende WordPress-Fähigkeiten zu erwerben. Die Basics also.

Noch viel wichtiger aber: Er legte eine hundertprozentig authentische Begeisterung für Veranstaltungen, bei denen live im Social Web kommuniziert wird, an den Tag. Etwa berichtete er uns von Lachern im Publikum, wenn auf der Twitterwall ein witziger Tweet erscheint, der oder die Vortragende aber überhaupt nicht weiß, warum. Oder dem Gefühl, wenn man sich in einem Flickr-Album zum Barcamp entdeckt. Diese Faszination war es dann auch, die mich dazu motiviert hat, mit dem Kommilitonen Andreas Schindlbeck bei der diesjährigen Erstsemesterbegrüßung der h_da erstmals eine Twitterwall auszutesten. Die Wall zum Kochen und uns in die deutschen Twittertrends gebracht hat die nächste #onkomm-Generation, die schon bei der Begrüßung eine Community gebildet hat. Die Zugvögel fliegen weiter.

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