Krisen-PR deluxe: Facebook und seine 180°-Wende in Sachen AGBs

„Das ging ja fix!“, wird sich so mancher jetzt denken. Und tatsächlich, so schnell wie Facebook hat wohl kaum ein Social Network dieser Größenordnung auf die Proteste seiner Mitglieder reagiert. Die in den letzten zwei Tagen heiß diskutierten Änderungen der Facebook-AGBs sind passé. Die Macher ruderten zurück. Alles ist wieder wie vorher. Doch was war jetzt eigentlich passiert?

Vor nicht allzu langer Zeit hat man bei Facebook die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs, im Original Terms of Service – TOS) überarbeitet. An und für sich keine große Sache, wäre man im Weblog von „The Consumerist“ nicht auf folgenden Beitrag gestossen: Facebook’s New Terms Of Service: „We Can Do Anything We Want With Your Content. Forever.“

Dort wurde auf die Tatsache aufmerksam gemacht, dass im Vergleich zu den alten AGBs eine kleine, aber gerade im Bezug auf den Datenschutz sehr wichtige Passage vorbehaltlos entfernt wurde. Diese besagte nämlich, dass sämtlicher auf Facebook hochgeladener Content nur dem User gehören, nicht an Dritte weitergegeben und nach dessen Austritt aus dem Social Network im Datennirvana verschwinden würde. Nun, da eben diese Passage fehlt, kam man zu dem Schluss: Facebook hat meine Daten! Für immer! Und sie können damit auch noch machen was sie wollen, weil ich (ohne mein Wissen) Einverständnis in die neuen Bedingungen gegeben habe.

Innerhalb kürzester Zeit ging die Nachricht durch das Web. Blogs, Twitter, Web2.0-bezogene Themensites – aller Orten wurde diskutiert: Ist das rechtens? Dürfen die das?
Selbst auf Facebook regte sich schnell Wiederstand. Gruppen mit dem Titel „People Against the new Terms of Service (TOS)“ oder auch „FACEBOOK OWNS YOU: Protest the New Changes to the TOS!“ wurden gegründet und waren innerhalb von wenigen Stunden mit etlichen Mitgliedern bestückt.

Nun meldete sich Facebook-CEO Mark Zuckerberg im Facebook-Blog zu Wort. Sein Beitrag in der Kurzfassung: Jeder einzelne User besitze nach wie vor die vollen Rechte an seinem Content, Facebook wolle mit der unbegrenzten Speicherung nur sicherstellen, dass Nachrichten, Bilder und Co. nicht einfach so verschwinden würden.

Ein schwacher Trost für User, die zum Beispiel gerade mit dem Austritt bei Facebook das bezwecken wollen. Wenn ich austrete, dann trete ich aus und mit mir doch bitte alles, was ich so angeschleppt habe. Man könnte sagen, es ist wie bei einem Umzug. Wer die Wohnung besenrein hinterlassen soll, der lässt wohl kaum seine Lieblingsposter an der Wand hängen, nur um zu wissen, dass sie dann noch da sind…

Die Diskussionen und Proteste innerhalb des Webs rissen nicht ab, so dass man auf Seiten von Facebook heute die 180°-Wende vollzog. CEO Mark Zuckerberg trat nun einmal mehr vor die Webgemeinde und verkündete gestern Abend deutscher Zeit erneut im Corporate Blog von Facebook: „Alles ist wieder beim Alten. … Wer sich aktiv an der Gestaltung der AGBs beteiligen möchte, der kann dies ab sofort in der Gruppe ‚Facebook Bill of Rights and Responsibilities‘ tun.“

Ein ganz klares Zugeständnis an die vielen User (mittlerweile über 175 Millionen, was in etwa der Größe Brasiliens entspricht) und außerdem ein Musterbeispiel an schneller, effektiver Krisen-PR – die man sich allerdings hätte sparen können, wenn man von Anfang an klar kommuniziert hätte, was die Änderungen der AGBs bringen sollen, anstatt sie einfach umzusetzen.

Facebook hat sich somit mehr oder weniger souverän aus der Affäre gezogen, indem man selbst verursachten Ärger wieder aus der Welt schuf. Dabei hat man Dank vernünftigem Monitoring nicht nur das Rumoren im Web für Voll genommen und sich nicht hinter der „gesichtslosen“ Kommunikationsabteilung versteckt, sondern den CEO selber via Blog zu Wort kommen lassen, um für klarere Verhältnisse zu sorgen.

Von so einer Krisen-PR im Web könnten sich einige Firmen ruhig noch eine dicke Scheibe abschneiden…

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Online-Präsentation bei Ferrari

In Zeiten der Automobilkrise sparen die Konzerne an allen Ecken und Enden. Dass solche Negativereignisse aber auch die Sinne für Neues schärfen zeigt nun Ferrari. Die Scuderia wird am 12. Januar 2009 „F2009-Bolide“ online präsentieren. So will das Unternehmen auf große Feierlichkeiten verzichten und den Vorhang „lediglich“ virtuell lüften. Auf der Homepage des Automobilkonzerns ist es somit jedem Fan möglich der Präsentation beizuwohnen.

Weitere Informationen werden dann natürlich auch online zur Verfügung gestellt, womit man die virtuelle Pressekonferenz abrundet.

Quelle: Das Auto Blog

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Die Nutzung von Corporate Blogs bei der GTZ

Kurz vor Weihnachten haben wir bereits zwei Drittel des Semesters hinter uns und stecken mitten in den Projektphasen. Um unsere Konzeption für das Projekt „Mitarbeiterblog für das Goethe-Institut“ abzurunden, sammeln wir gerade Fallbeispiele vergleichbarer internationaler Organisationen, um den Einsatz von internen Corporate Blogs in diesem Bereich zu erforschen. Die Ergebnisse eines Telefoninterviews mit Jens Adam, einem Mitarbeiter der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit GmbH), möchte ich kurz zusammenfassen:

  • Bei der GTZ gibt es mehrere interne Weblogs, die von Mitarbeitern geführt werden
  • Diese sind reine Informationsblogs zu sehr spezifischen Themen
  • Die Qualität wird durch eine Blog Policy unterstützt, die allen Mitarbeitern zur Verfügung steht
  • Je Blog ist eine Person zuständig und verantwortet die Inhalte
  • Es gibt keine Anonymisierung: Jeder bloggt unter richtigem Namen

Die Blogs dienen vorerst als „Testballons“, um zu sehen, wie sie im Unternehmen ankommen. Dabei konnten bereits einige Probleme festgestellt werden:

  • Die Blogs sind bisher nicht in die bestehenden Kommunikationsmittel integriert: Es gibt keine technische Plattform, auf der sie verwaltet werden
  • Sie können dadurch nicht über eine interne Suchmaschine durchsucht werden: Informationen gehen verloren und die Blogs werden zum Konkurrenzmedium, statt zum ergänzenden Kommunikationskanal
  • Die Blogs laufen extern über WordPress und sind für die Mitarbeiter nur über Zugangsdaten lesbar
  • Die spezifischen Themen interessieren nur einen kleinen Leserkreis
  • Die bestehenden Weblogs werden innerhalb des Unternehmens nicht kommuniziert

Die internen Blogs sollen eigentlich einen Austausch anregen, die Vernetzung der weltweit tätigen Mitarbeiter stärken und bestimmte Themen zur Diskussion stellen. Diese Ziele sind derzeit noch nicht erreicht. Allerdings arbeitet die GTZ bereits an Verbesserungsmöglichkeiten und neuen Projekten, die den Zielen näher kommen.

Laut des Interviewpartners sind Blogs ein ideales Tool, um interne Informationen auszutauschen und eine Kommunikation unter den Mitarbeitern aufzubauen. Gerade bei internationalen Unternehmen wie der GTZ oder auch dem Goethe-Institut, bei denen die Mitarbeiter weltweit verteilt sind, bieten Blogs eine Chance, die Arbeit im Ausland transparenter zu machen und die Angestellten selbst zu Wort kommen zu lassen.

Allerdings bedeuten Weblogs einen Kulturwandel in der Unternehmenskommunikation, der Zeit zur Eingewöhnung benötigt. Die Blogs müssen sich erst als brauchbares Tool etablieren. Sie müssen Barrieren wie Ängste und Vorbehalte gegenüber neuer Medien überwinden und beweisen, dass sich ihr Einsatz auch aus wirtschaftlicher Sicht lohnt. Die GTZ ist gerade dabei, diese Testphase durchzuführen und arbeitet an einer verbesserten Integration der Weblogs.

Das Interview lieferte uns wertvolle Informationen für unsere Projektarbeit. Wir sind dankbar für die Einblicke, die uns Herr Adam durch seine ausführlichen Antworten ermöglichte und werden in unserem Konzept besonders darauf achten, dass das Mitarbeiterblog ausreichend kommuniziert und die Themen breit genug gestreut werden, sodass viele Mitarbeiter angesprochen und eine Diskussion angeregt wird.

Zur GTZ:

Das weltweit tätige Bundesunternehmen fördert die internationale Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und beschäftigt weltweit rund 12.000 Mitarbeiter. Jens Adam ist Projektleiter für die CMS-Einführung und Berater für Informationsmanagement und seit sieben Jahren im Unternehmen tätig. 

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Jetzt für „Zukunft Online-PR 2009“ anmelden!

Wie bereits erläutert, besteht unser Semesterprojekt in der Organisation der Fachtagung „Zukunft Online-PR 2009“. Seit dem 17. November hat sich einiges getan, von dem ich gerne berichten möchte. In Twitter haben wir bereits 82 Follower und in der Xing-Gruppe sogar schon 94 Mitglieder. Außerdem haben wir noch einen Flickr– und Slideshare-Account eingerichtet.

Bei Flickr führen wir den Account der ersten Veranstaltung weiter und haben unsere Bilder in das Album „2009“ gelegt. Die meisten werden allerdings an dem Veranstaltungstag selber reingestellt, weil ein Fotograf da Fotos machen wird. Außerdem nicht wundern, wenn der Slideshare-Account vorerst leer ist. Hier sollen die Präsentationen zu den Vorträgen verfügbar sein, die wir an dem 29.Januar dann direkt einstellen werden. Und damit man auch den Überblick über alle Social Media-Anwendungen behält, gibt es selbstverständlich einen Friendfeed-Account. Benutzername ist Zukunft Online-PR 2009.

Und unsere Website ist fertig! Hier könnt ihr uns, das Organisationsteam, und unsere Aufgaben kennenlernen und euch ab heute zu der Fachtagung „Zukunft Online-PR 2009“ anmelden. Anmeldung nicht vergessen, denn die ist auch für Studenten erforderlich. Dadurch, dass noch nicht alle Referenten fest stehen, fehlt auf der Website noch die Agenda und die Profile der Referenten.

Wir freuen uns auf eine rege Beteiligung und viele Anmeldungen und organisieren fleißig weiter.

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Fachtagung „Zukunft Online-PR 2009“

Am 29. Januar 2009 findet die Fachtagung „Zukunft Online-PR 2009“ an der Hochschule Darmstadt am Campus Dieburg statt.
Zu den Themen der Veranstaltung zählen unter anderem:

  • Corporate Blogs / Microblogs
  • Suchmaschinenoptimiertes Schreiben
  • Word of mouth im Netz
  • Was bringen Soziale Netzwerke in der Unternehmenskommunikation / PR / Recruiting?

In zusätzlich angebotenen Workshops sollen die Gäste dann die Möglichkeit haben, einige Themen genauer zu betrachten. Ivana Buljan, Patricia Ogon, Christina Wolf und ich organisieren diese Veranstaltung. Unsere Aufgaben umfassen dabei unter anderem die Referentenauswahl, die Themenauswahl, Marketing, PR, Moderation, Budgetplanung und Organisation.

Der Eintritt beträgt 35 Euro, inklusive Snacks und Getränke, für Studenten ist die Veranstaltung selbstverständlich kostenfrei. Die Website zu der Fachtagung „Zukunft Online-PR 2009“ befindet sich noch im Aufbau, jedoch können Interessierte erste Informationen bei Twitter, Xing oder Zukunft Online-PR nachlesen.

Beim Fachtag Zukunft Online-PR 2007, welcher ebenfalls von PR-Studenten des 7. Semesters Online-Journalismus/PR organisiert wurde, ging es um die Frage, wie Unternehmen Corporate Blogs, Podcasts oder andere Web 2.0-Formate im Rahmen ihrer Online-PR einsetzen. Hierzu wurden von den Studenten umfassende Case Studies erarbeitet.

Wir möchten die Diskussion über den Einsatz von Web 2.0 in Unternehmen weiterführen, freuen uns auf ein spannendes Projekt und hoffen auf eine rege Teilnahme.

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Ein Weblog für die Mitarbeiter des Goethe-Instituts

Afghanistan, Ghana, Taiwan, Venezuela – in 83 Ländern weltweit fördert das Goethe-Institut das Kulturgut der deutschen Sprache und pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit. Die Webseite des Instituts bietet umfassende Informationen über aktuelle Projekte und Angebote. Auch im Bereich Web 2.0 muss sich der Online-Auftritt nicht verstecken: Von Videos über Podcasts und Weblogs bis hin zur eigenen 3D-Community im Second Life, kommuniziert das Goethe-Institut über verschiedene Kanäle mit der Öffentlichkeit. Doch wie sieht es in der internen Kommunikation aus? Wie erfährt ein Mitarbeiter in Shanghai, was sein Kollege im indonesischen Jakarta erlebt? Und mit Hilfe welches Mediums kann ein Angestellter über den Aufbau eines Instituts im fernen Luanda berichten?

Genau diesen Fragen stellt sich in diesem Semester die Projektgruppe von Viktoria Thumann, Stefan Herber, Ferdinand von Reinhardstoettner und mir. Rund dreitausend Mitarbeiter im In- und Ausland arbeiten für das Goethe-Institut. Über ein gut ausgebautes Intranet werden die Mitarbeiter umfassend über interne Angelegenheiten und Themen informiert. Damit sie auch persönlich über ihre Erfahrungen an den entfernten Standorten erzählen und Erlebnisse mit ihren Kollegen rund um den Erball teilen können, soll ihnen nun durch ein internes Weblog eine Stimme gegeben werden.

Die Aufgabe unserer Projektgruppe ist es, ein Konzept für ein solches internes Weblog zu entwerfen, das in das Intranet des Goethe-Instituts integriert werden kann. Dazu werden wir neben der Konzeption für das Mitarbeiter-Blog auch Fallbeispiele anderer Corporate Blogs analysieren, einen Leitfaden für die bloggenden Mitarbeiter erstellen und uns Kommunikations-Möglichkeiten überlegen, die das Weblog bei den Kollegen bekannt machen und sie zum mitschreiben anregen sollen. Rundum also ein spannendes Projekt, das uns vier in diesem Semester begleiten wird. Bis zur Zwischenpräsentation im Dezember bleibt noch einiges zu tun – und wir freuen uns schon auf die Fahrt ins schöne München, um dort die ersten Ergebnisse in der Zentrale des Goethe-Institutes vorzustellen zu können.

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Friendly WordPress

Fast Jeder ist Mitglied in einem Netzwerk, sei es im Online-Bereich oder außerhalb des Internets. Wer von uns ist jedoch Betreiber einer eigenen Netzwerk-Plattform? Da trennt sich die Spreu vom Weizen.

Was sich komplex anhört und bei vielen ein Stirnrunzeln hervorruft, wird in Zukunft leichter zu bewerkstelligen sein, als gedacht. So können WordPress MU-Nutzer in nächster Zeit durch den Einsatz des Tools BuddyPress eine eigene Plattform erstellen. Durch die Installation weniger WordPress-Plugins lässt sich der Blog, so leicht in ein soziales Netzwerk transformieren. Diese Umstellung ermöglicht dem Blogbetreiber folgende zusätzliche Möglichkeiten:

  • Extended Profiles – Bestimmung welche Informationen der Nutzer angeben kann bzw. muss.
  • Personal Blog – Jeder User bekommt seinen eigenen Blog.
  • Private Messaging – Damit können sich die Mitglieder untereinander persönliche Nachrichten zusenden.
  • Friends – Hiermit besteht die Möglichkeit einen eigenenFreundeskreis aufzubauen und Personen einzuladen.
  • Groups – Damit können Gruppen erstellt und eigenständig verwaltet werden.
  • The Wire – Erstellung einer „Message Wall“ oder eines Gästebuchs ist dadurch möglich.
  • Status Updates – Zur Aktualisierung des eigenen Status.
  • Albums – Alle Mitglieder haben die Möglichkeit Fotoalben anzulegen und zu verwalten.

Was sich wie eine kleine Spielerei für Blogger anhört, kann jedoch viel größere Aufgabe erfüllen. Mit diesem Tool besteht zum Beispiel die Möglichkeit, in Unternehmens- oder Gewerkschaftsblogs (GM Workers Blog) eine bessere Vernetzung zu erzielen und das Wir-Gefühl der Benutzergemeinde zu bestärken. Meiner Ansicht nach ein Angebot mit Nährwert, an welches man sich auch hinsichtlich zukünftiger Aufgaben erinnern sollte.

Oder wie seht Ihr den Nutzen für Corporate Blogs?

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Kannst Du bitte schnell …

… ein Hochhaus bauen? Diese Frage wäre in Schanghai sicherlich nicht so abwegig, wie in deutschen Landen, denn die Stadt verändert sich von Tag zu Tag, und das in einer unglaublichen Geschwindigkeit! Hier und da entstehen neue Wolkenkratzer oder andere werden fertig, wie zum Beispiel ist das neue Shanghai World Financial Center. Der ein oder andere kleine Shop an der Ecke, und einige der vielen Vergnügungstempel, in denen gestern noch bis zum Morgengrauen getanzt wurde, sind auf einmal wie vom Erdboden verschluckt. Vor allem aber weichen die kleinen, alten chinesischen Wohneinheiten dem ständig wachsenden „neuen“ Schanghai. Und in halb eingerissenen Wohnungen, zwischen Müll und Baustoffen, leben immer noch Menschen, die auf ihre „Umsiedlung“ warten, in Häusern ohne Fenster – auch im Winter.

Trotz alledem ist mir diese Stadt sympathisch und ich habe mich bei meiner Ankunft, vor genau zwei Wochen, gefühlt, als wäre ich endlich, nach 12 Stunden Flug, wieder zu Hause angekommen. Der Flughafen Pudong International Airport war mir diesmal vertraut, ich bin zielgerichtet zum richtigen der vielen Ausgänge gelaufen, habe ein Ticket für den Transrapid gezogen und bin mit 430 km/h zum nächsten Metro-Anschluss gerast – der Transrapid, hier unter dem Namen MagLev (Magnetic Levitation) bekannt, schafft die 30 Kilometer vom Flughafen zur Haltestelle LongYangLu innerhalb von acht Minuten, für fünf Euro. Umsteigen vom Transrapid in die Metro, hypermodernes und neues Schanghai, und weiter zur Metrostation Nanjing Xi Lu. Angekommen: Heraus aus dem Untergrund und aufsteigen in die Stadtmitte Schanghais. Die letzten Meter gehts weiter mit dem Motorradtaxi. Die sind etwas billiger, als übliche Taxis, und sie sparen Zeit. Denn im Gegensatz zu ihren vierrädrigen Kollegen, scheren sich die Piloten der kleinen 125 ccm Krads wenig um Fahrtrichtung und rote Ampeln – dabei stört es die kleinen Fahrer überhaupt nicht, wenn der fast doppelt so große Sozius noch einen großen Koffer und einen voll ausgestopften Rucksack dabei hat.

Was das eigentlich nun mit PR zu tun hat? Zum einen bin ich ein Online-Journalismus-Student, der sich im Studium für den Schwerpunkt Public Relations entschieden hat. Zum anderen arbeite ich in den Semester-Ferien in Schanghai als Content-Writer für eine Firma, die verschiedene Web-Communities betreibt. Für diese sozialen Netzwerke schreibe ich auch nicht nur irgendwelche Texte zur Suchmaschinenoptimierung oder Phrasen, die den Benutzern helfen, sich auf den verschiedenen Seiten zurecht zu finden. Ein kleines Beispiel ist eine Beschreibung für Wikipedia, die ich geschrieben und dort hinzugefügt habe. Was meint ihr? Wird Wikipedia ihn wieder löschen? 🙂 – Anregungen, Tipps und Tricks zu dem Thema sind sehr gerne willkommen.

Sicher! Für viele ist ein „Karriere-Start“ in der Erotik-Branche überhaupt nicht denkbar, schon gar nicht erstrebenswert, und wie erkläre ich das erst meinen Eltern? Doch letztendlich geht es hier um Produkte. So wie das überall woanders auch der Fall ist. Die müssen promoted werden und anschließend an den Mann, die Frau, das Paar, den Transsexuellen, den Transvestiten oder Mitglieder mit finanziellen Interessen gebracht werden. Und dafür braucht auch eine Erotik-Community die PR – also mich!

Meine Rolle in dem Unternehmen hat sich, seit meinem letzten Aufenthalt in Schanghai als Praktikant, stark gewandelt. Zunächst habe ich Internetseiten redaktionell überarbeitet, ihnen „meinen Stempel“ aufgedrückt, eine Menge SEO-Texte geschrieben, Newsletter verfasst, Kampagnen (mit)geplant, die ein oder andere Pressemitteilung verfasst und Ausschreibungen für PR-Firmen organisiert. Doch schnell habe ich die Pflege des seiteneigenen Blogs übernommen und ich bin immer mehr ein Teil des Teams um Strategen und Planer geworden. Mittlerweile gebe ich Impulse was, wann und wie an die Presse kommuniziert wird (die nächsten Tage erscheint ein Artikel in der Zeit über uns – ich werde den Link nachträglich hinzufügen) und bereite gerade eine Präsentation zur künftigen PR-Arbeit vor, erstelle Pressemappen und helfe dem jungen Unternehmen die Pressearbeit zu professionalisieren – es hat auch Vorteile, in Firmen zu arbeiten, die flexible Strukturen haben und nicht bis zur letzten Stelle durchorganisiert sind. Das sind in erster Linie Eigenverantwortung, die Möglichkeit, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen und nicht zuletzt die Chance auf herbe Niederschläge und natürlich auch große Erfolge.

Hier, nicht nur in Schanghai, schließlich habe ich auch aus Deutschland für die Seite gearbeitet, konnte ich mittlerweile wichtige Erfahrungen, in der mir vorher unbekannten PR-Welt, sammeln. Für mich persönlich die wichtigste, um, mal salopp gesagt als Freelancer nicht auf die Schnauze zu fallen, ist die penibel genaue 🙂 Vereinbarung über den Leistungsumfang der PR-Arbeit, die erbracht werden soll – also einen Vertrag abschließen. Ansonsten werden monatliche Pauschalen zum Gegenstand immer fortwährender Verhandlungen, die für beide Seiten die Gefahr bergen, nicht zufriedenstellend enden zu können. In meinem Fall konnten wir uns trotz fehlender vertraglicher Grundlage zu einem Ergebnis verhandeln, mit dem beide Seiten zufrieden waren. Beim nächsten Mal gibts Leistung also nur noch mit Vertrag, obwohl ich eigentlich kein Freund von Bürokratie bin. Allerdings ist ja auch hinreichend bekannt, dass bei mündlicher Kommunikation so einiges schief gehen kann. Statt Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser, heißt es vielmehr: Vertrauen ist gut, aber Missverständnisse sind vorprogrammiert!

Und manchmal ist mein Kunde der Ansicht, dass Texte für Blogs, Pressemitteilungen oder beispielsweise ein Wiki, ähnlich schnell „zusammengebaut“ werden können, wie zum Beispiel ein Hochhaus in Schanghai. In China geht alles sehr schnell, doch deutsche Gründlichkeit, bzw. Qualität, braucht Zeit. So kommt es allzu häufig vor, dass ich E-Mails von Kollegen bekomme und auch persönlich mit den Worten angesprochen werde: „Kannst Du mal bitte schnell etwas darüber schreiben?“ Anders als PR-Agenturen oder journalistische Büros, wissen deren Kunden häufig wenig über den langen Entstehungsprozess eines informativen und interessanten Artikels, einer guten Story, oder sehen gar keinen Bedarf für eine gut geplante Kommunikationsstrategie. Und das beeinflusst letztendlich den Preis für die PR-Arbeit.

Somit habe ich zur Zeit mit meiner „Ein Mann Agentur“ keine andere Möglichkeit, als verschiedene Analysen, Kommunikationsmaßnahmen, und Evaluationsmöglichkeiten zu präsentieren, um so die Komplexität des Themas vorzuführen und meine Rechnungen zu rechtfertigen. Kurz um: Es geht um meinen ersten Pitch! Selbstverständlich bin ich jedes Mal aufgeregt, aber ich bin auch gut daruaf vorbereitet worden. Die Instrumente sind da, jetzt wird Musik gemacht, und die Gäste sollen zahlen. Was ich also hauptsächlich gelernt habe, und das vor allem in Schanghai, ist die Notwendigkeit, sich jederzeit gut verkaufen zu müssen. Denn die Aussage „Das ist doch schnell geschrieben“, lässt sich gar nicht so leicht als Falsch nachweisen – vor allem dann, wenn die Verantwortlichen in einem Unternehmen wenig Erfahrung damit haben.

Zu Anfang habe ich auf Vertrauen gebaut. Und der Schuß ist nach hinten losgegangen. In Zukunft wird es Verträge und ordentliche Vorauszahlungen geben, bis ich mir „Vertrauen“ wieder leisten kann. Denn Cash-Flow ist wichtig und Rechnungen haben bekanntlich wenig Zeit. In Schanghai geht alles schneller und auch Kunden finde ich hier schnell. Momentan arbeite ich an einer Internetseite für ein Immobilien-Unternehmen in Schanghai. Die brauchen eine Web-Seite und Promotion für ihre Wohnungen und Häuser – auch in deutscher Sprache. Den Job habe ich schon und der bringt mir mehr Euros bzw. Quai, als der andere – bei einem Bruchteil des Zeitaufwands. So schaue ich gelassen in die Zukunft, hier in Schanghai, der Boom-Town, in der alles ein bißchen schneller geht.

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