Die Kommunikatoren von morgen – Sind wir vorbereitet auf das, was die Zukunft bringt?

Die Kommunikatoren der Zukunft

Wir Redakteure der PR-Fundsachen lassen uns aktuell zu Onlinekommunikatoren an der Hochschule Darmstadt ausbilden. Kommunikatoren, die später in den Bereichen PR und Marketing arbeiten wollen – oder es zumindest in Betracht ziehen. Doch bereitet uns das Studium auf die zukünftige Arbeit vor? Sind wir für die Voraussetzungen und Ansprüche der zukünftigen Kommunikation gewappnet?

Content Strategy Camp als Treffpunkt der Kommunikatoren

Das Content Strategy Camp (kurz #cosca17) war auch dieses Jahr wieder eine Veranstaltung mit vielseitigen Sessions rund um Content-Strategie und Kommunikation. Und auch dieses Mal waren einige Studierende der Onlinekommunikation auf dem Mediencampus unterwegs und haben sich unter die Barcamp-Besucher und Kommunikationsexperten gemischt.

Tim Bartelsen, Student der Onlinekommunikation im zweiten Semester, nahm das diesjährige Barcamp zum Anlass, um über die Kommunikatoren-Ausbildung der Zukunft zu diskutieren. Wie werden Kommunikationsexperten zukünftig arbeiten. Wie werden – oder müssen – sie ausgebildet werden?

Inspiriert von dieser Session möchte ich folgend einige weiterführende Ideen aufführen.


PR- und Kommunikations-Studium in Deutschland

Um einen ersten Eindruck zu erhalten, in welchen Bereichen Kommunikatoren heute überhaupt ausgebildet werden können, halte ich es für sinnvoll, zunächst Studiengänge im Bereich Kommunikation zu suchen. Studycheck.de listet aktuell in der Fachrichtung PR und Kommunikation 15 Studiengänge auf.

PR- und Kommunikation-Studiengänge in Deutschland
PR- und Kommunikation-Studiengänge in Deutschland, https://www.studycheck.de/studium/medien-kommunikation/pr-kommunikation

Ganz hoch im Kurs stehen dabei traditionelle Public Relations- (bei 8 Hochschulen [HS]) und Unternehmenskommunikation-Studiengänge (9 HS) sowie Kommunikationsmanagement (10 HS) und visuelle Kommunikation (8 HS). Moderne Varianten wie Digitale Kommunikation und Online-Kommunikation sind erst an wenigen Hochschulen vertreten. Aussagen über den inhaltlichen Fortschritt der vermittelten Kompetenzen lassen sich daraus trotzdem nur bedingt schließen – wenn man nicht gerade Zeit und Geld für 15 Vollzeitstudien hat.

Die Grundlagen der Kommunikation zu lehren ist ein wichtiger erster Schritt. Nicht weniger wichtig ist es doch auch, auf zukünftige Entwicklungen einzugehen und vorbereitet zu sein. Die Digitalisierung hat unsere Kommunikation enorm beeinflusst. Digitale Themen sind wichtig für die Kommunikatoren und müssen auch in den klassischen Studiengängen mit aufgegriffen werden.


Aufgaben der Kommunikatoren von morgen

Was muss der Kommunikator von morgen leisten? Wo sind seine Aufgaben? Ich unterscheide hier zwischen drei verschiedenen Rollen, um die Entwicklungen in den verschiedenen Bereichen zu verdeutlichen. Zu jeder Rolle greife ich ein Phänomen oder einen Zukunftstrend auf, der die Aufgaben des Kommunikationsexperten möglicherweise beeinflussen wird. Sicherlich ist diese Auflistung nicht vollständig, doch vermittelt sie einen ersten Überblick über mögliche Herausforderungen für den Kommunikationsexperten.


Die Gestalter – Neue Interfaces, neue Aufgaben

Kommunikationsdesign ist immer noch sehr gefragt in den Hochschulen im Lande. Insbesondere Gestalter, die sich auf User Interfaces spezialisieren wollen, werden sich auf Veränderungen einstellen müssen. Denn Benutzeroberflächen ändern sich und damit auch der Arbeitsbereich für den Designer. Vom Desktop-Rechner zum kleinen Smartphone. Vom Display zum Sprachinterface.

Neben dem klassischen Display-Interface zeigen uns die Big Player aus dem Silicon Valley, dass Sprache immer mehr Bedeutung in der Interaktion und Kommunikation hinzugewinnt. Künftige Kommunikationsdesigner werden sich mit Conversational Interfaces (CI), also Sprachsteuerungen wie Amazons Alexa oder Apples Siri, auseinandersetzen müssen.

Das Design von solchen Interfaces wird immer nutzerorientierter: Nutzerführung und Nutzungskontext müssen für den Anwender effektiv und sinnvoll gestaltet werden, da eine Orientierung für den User ohne visuelle Oberfläche weitaus schwieriger ist.

Künstliche Intelligenz Designer
Zwetana Penova, Die Studierende von heute sind die Designer der Zukunft (https://www.slideshare.net/ZwetanaPenova/die-studierende-von-heute-sind-die-designer-der-zukunft)

Mit Conversational Interfaces haben die Gestalter unter den Kommunikatoren auch Berührungspunkte mit künstlicher Intelligenz. Der Designer wird daher ein Grundverständnis für Mathematik, Soziologie, Psychologie, Software-Entwicklung und Robotik brauchen, um die Sprachinterfaces zu verstehen und eine gute User Experience schaffen zu können.


Die Strategen – Die Qual der Wahl

Fast täglich sprießen neue Apps in den Stores von Android und iOS aus dem Boden. Neue Social Media-Plattformen, neue Messenger. Und damit auch oft neue Formate für digitales Storytelling oder eine noch direktere Interaktion mit dem User.

Kommunikationsstrategen müssen nicht nur dafür sorgen, dass sie mit ihren Unternehmen auf allen Plattformen vertreten sind, wo sich ihre Zielgruppen befinden. Nein, auch direkte Kommunikationswege mit dem Stakeholder müssen durchdacht und Formate entwickelt werden. Die Strategen der Zukunft sollten sich regelmäßig mit den neuen Kanälen und Formaten beschäftigen, um auf dem Laufenden zu bleiben und Strategien auf eine bestmögliche User Journey zu optimieren.

Die Herausforderung ist es, gerade im Studium nicht bei den traditionellen Kommunikationskanälen stehen zu bleiben, sondern stetig neue strategische Möglichkeiten zur Kommunikation zu entwickeln.


Die Produzenten – Maschinen als Herausforderung

„Journalisten per se sind nicht zwingend die besten Content-Strategen. Das haben sie nicht gelernt. Sie sind aber geeignet, Content zu erstellen – und mit anderen Gewerken zu kooperieren.“
Kai Heddergott

Die Digitalisierung ist bereits soweit vorangeschritten, dass immer mehr Textinhalte von Maschinen geschrieben werden. Das Erstaunliche dabei: Roboter können Medien nicht nur lesen, sondern mittlerweile sogar verstehen. „Roboterjournalismus“ ist im Vormarsch.

Diese „semantische Welle der Digitalisierung“ – wie Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Geschäftsführer des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, es Ende letzten Jahres beschrieb (vgl. Quelle) – führt dazu, dass der künftige Journalist und Content-Produzent weitaus gezielter kommunizieren muss, um dem Roboterjournalismus entgegenwirken zu können.

„In Zukunft kommt es […] immer mehr darauf an, den Nutzern die Inhalte zu liefern, die sie wollen, wann sie wollen und wo sie wollen.“
Andreas Eder

Die Content-Produzenten müssen sich näher an der Zielgruppe des entsprechenden Mediums orientieren, den Konsumenten da abholen, wo er aktiv ist und die Werkzeuge einsetzen, die ihnen das jeweilige Medium bieten.


Auch wenn ich hier nun zwischen den drei Rollen „Gestalter“, „Stratege“ und „Produzent“ unterscheide, ist eines wichtig: Zukünftige Kommunikatoren sollten in mehreren Bereichen unterwegs sein und sich Kompetenzen in verschiedenen Disziplinen aneignen. Kommunikatoren arbeiten an der Schnittstelle und sollten sich auch als Generalisten verstehen – bestenfalls mit eigenem Spezialgebiet.


5 Takeaways für angehende Kommunikatoren

Die Entwicklungen sind vielfältig und die Ausbildung von Kommunikatoren muss entsprechend flexibel angepasst werden. Das gilt für die neuen aber auch klassischen Studiengänge, die Kommunikatoren ausbilden.

Obwohl diese Entwicklungen divers sind, habe ich hier fünf Takeaways aus der #cosca17-Session mit Tim Bartelsen entnehmen können:


(1) Spezialisiere dich auf ein Thema.

Es gibt viele, die in der PR- und Marketing-Branche mitmischen. Es ist wichtig sich bereits während der Ausbildung zum Kommunikator klar zu machen, in welchem Bereich man später mal arbeiten möchte. Dafür ist es sinnvoll seine Stärken zu finden und sich gegebenenfalls auf bestimmte Thematiken zu spezialisieren. Ob strategisch, gestalterisch oder im Bereich Management – das Kommunikationsstudium bietet viele Möglichkeiten.


(2) Aber, schau über den Tellerrand!

Auch wenn eine Spezialisierung in ein Thema sehr gut ist, werden heutzutage immer mehr Generalisten gesucht. Es ist wichtig, als Stratege auch in die Produktion reinzuschnuppern, um später Hand in Hand mit Kollegen arbeiten zu können und Arbeitsabläufe zu verstehen.

„Wir brauchen spezialisierungsfähige Generalisten.“
Kai Heddergott


(4) Besuche Barcamps und ähnliche Veranstaltungen.

Eine weitere Möglichkeit sich weiterzubilden und neue Inhalte kennen zu lernen, sind Veranstaltungen wie BarCamps oder Konferenzen wie die re:publica. Dort erhält man oft viel neuen Input und trifft neue Leute aus der Branche.


(5) Vernetze dich mit Branchenkollegen!

Neue Leute kennenzulernen ist in der Arbeitswelt der Kommunikatoren äußerst wichtig. Vernetze dich also mit deinen Arbeits- und Branchenkollegen und sammle fleißig (digitale) Visitenkarten. Vielleicht brauchst du diese Kontakte später mal für eigene Projekte.


Die Kommunikatoren von morgen müssen kommunikativ, flexibel und vor allem interessiert sein. Interessiert an dem was ist und dem was kommt.


tl;dr

Was müssen die Kommunikatoren der Zukunft leisten? Wie müssen sie dafür ausgebildet werden? Ob Stratege, Gestalter oder Produzent. Das Kommunikationsstudium bietet vielfältige Möglichkeiten. Die Zukunft bietet uns diverse Entwicklungen, die die Aufgaben von Kommunikationsexperten beeinflussen. Neue Interfaces, mehr Kanäle und Maschinen als Herausforderer. Die Kommunikatoren von morgen müssen daher kommunikativ, flexibel und interessiert sein.


In diesem Zusammenhang auch interessant:

Kundenservice 2.0: Kommuniziere ich bald nur noch mit einem Roboter?

Quellen

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Leadership Communication: Aufs Zuhören kommt es an!

Unternehmen und Institutionen sollen heutzutage transparenter sein als je zuvor: Kunden und Mitarbeiter erwarten einen echten Dialog auf Augenhöhe, keine “Sender und Empfänger”-Kommunikation. Trotzdem wird der Kommunikation als Führungsdisziplin bis heute keine große Beachtung geschenkt: In der Managementausbildung wird Kommunikation eher “nebenbei” erlernt.


Am vergangenen Donnerstag versammelten sich Kommunikationsexperten aus Wissenschaft und Praxis in der Darmstädter Schader-Stiftung, um unter dem Titel “Leadership Communication – Communication Leadership?” darüber zu diskutieren, wie sich das Potenzial strategischer Kommunikation auf den beruflichen Alltag auswirken kann.

Im ersten Vortrag setzte sich Prof. Dr. Ulrike Röttger (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) mit der Frage “Führung mit oder durch Kommunikation?” auseinander. Durch ihre wissenschaftliche Tätigkeit weiß Röttger, dass sowohl Kommunikation als auch Führung sehr vielschichtige Konstrukte sind und es somit schwer fällt, diese zu definieren. Dadurch, dass in vielen Organisationen heute der Bedarf nach Stabilität und Orientierung wächst, nimmt auch die Kommunikation eine immer zentralere Rolle ein.


Moderne Führung bedeutet nicht nur, selbst Lösungen zu präsentieren: Stattdessen muss es Organisationsmitgliedern möglich gemacht werden, aus ihrer eigenen Logik heraus passende Lösungen entwickeln zu können. In ihrem Schlusswort betonte Röttger, dass zukunftsfähige Organisationen kommunikativ sein müssen und in Zukunft mehr über nachhaltige Kommunikation gesprochen werden muss.

Der zweite Vortrag von Dr. Christof Ehrhart (Deutsche Post DHL Group) beschäftigte sich mit “Postmoderner Unternehmenskommunikation”.


Ehrhart zufolge hat die Kommunikationsdiziplin einen Führungsanspruch. Bisher fand Kommunikation eher unilateral “von innen” aus dem Unternehmen “nach außen” zur Öffentlichkeit statt, während heute in beide Richtungen kommuniziert wird. Im Rahmen des heutigen Strukturwandels der Kommunikation wird die Öffentlichkeit um digitale Kanäle erweitert, die stark wachsen und an Bedeutung zunehmen. Ehrhart wies darauf hin, dass Empathie als neue Ressource eine große Rolle spielen wird Für Unternehmen bedeutet das, dass sie empathische Fähigkeiten gegenüber ihren Stakeholdern entwickeln müssen, um weiterhin Erfolg zu haben.

Das Thema wurde nicht nur theoretisch behandelt: Im Workshop “Hör zu! – Empathie in der Strategischen Kommunikation” trainierten die Teilnehmer unter der Anleitung von Mitarbeitern der FTI Consulting ihre kommunikativen Kompetenzen in einem Rollenspiel.


Am Case einer fiktiven Unternehmensübernahme durch einen öffentlich in der Kritik stehenden Konzern versuchte ein Vorstands-Team, möglichst überzeugend auf die Fragen und Bedenken verschiedener Stakeholder-Gruppen einzugehen. Und das nach gerade mal rund zwanzig Minuten Vorbereitungszteit. Direkt nach der Übung gaben die verschiedenen Teams – Investorinnen, Mitarbeiter, NGOs – dem Vorstand Feedback zum Kommunikationsstil: von der Argumentation bis hin zur Körpersprache.

In weiteren Workshops ging es darum, Veränderungsprozesse durch Kommunikation zu steuern, Führungskommunikation weiterzuentwickeln, Innovation durch Kommunikation zu gestalten und persönliche Kommunikation genauer in den Blick zu nehmen.

Das Highlight der Tagung

Dr. Christian Lawrence führte in Emilio Galli Zugaros neues Buch „The Listening Leader“ ein und moderierte im Nachgang eine Diskussion mit dem Autoren, seiner Tochter und Co-Autorin Clementina Galli Zugaro, Judith von Gordon und Dirk Metz.

In „The Listening Leader“ wird die These vertreten, dass erfolgreiche Führungskräfte gute Zuhörerinnen und Zuhörer sein müssen. Nur wenn Entscheider den Stakeholdern wirklich zuhören, kann eine Organisation die „Licence To Operate“ erlangen und sichern.

Hat ein „Listening Leader“ verstanden, dass die Stakeholder die Schiedsrichter im Spiel um den Erfolg einer Organisation sind, wird er oder sie das Handeln nach deren Bedürfnissen auszurichten. Wird dieses Prinzip konsequent angewandt, braucht es – und diese These dürfte nur von den wenigsten PR-Menschen im Saal geteilt worden sein – im Grunde keine weitere Unternehmenskommunikation mehr.

In einer Unternehmenskultur des empathischen Zuhörens werden Andersartigkeit und Vielfalt zugelassen. Bemerken Führungskräfte, dass Mitarbeiter bestimmte Schwächen haben, sollen sie diese nicht bemängeln, sondern sich stattdessen darauf konzentrieren, gezielt Stärken zu fördern. Das zeugt, so Galli Zugaro, von Größe.


Während der Diskussion wurden aber auch schwerwiegende Probleme in der Kommunikation und Führung angesprochen: Viele Mitarbeiter trauen sich trotz expliziter Aufforderung nicht, auf Missstände in Unternehmen hinzuweisen oder überhaupt zu widersprechen.

Emilio Galli Zugaro betonte die Wichtigkeit der einzelnen Mitarbeiter: Da Institutionen in den letzten 15 bis 20 Jahren massiv an Glaubwürdigkeit verloren haben, sei es umso wichtiger, jeden Mitarbeiter in einen Kommunikator zu verwandeln, allerdings müssten Mitarbeiter für diese Rolle auch das nötige Empowerment haben.


Judith von Gordon betonte, Coaching solle eine größere Rolle spielen. Doch zur Ansprache von Problemen müsse erst einmal eine entsprechend offene Atmosphäre innerhalb eines Unternehmens herrschen, sagte Dirk Metz. Als Schlusswort zitierte Galli Zugaro den Philosophen Zenon mit dem Satz: “Es ist kein Zufall, dass uns die Natur zwei Ohren zum Zuhören und einen Mund zum Sprechen gegeben hat.”

Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Fachbereich Media der Hochschule Darmstadt durchgeführt und durch FTI Consulting sowie den Bundesverband deutscher Pressesprecher e.V. gefördert.

  • Ein Beitrag von Julia Anna Moor und Tom Weimar
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Wie arbeiten die PR-Fundsachen?

Bild mit Schriftentwürfen
Bildquelle: Wikimedia Commons, Autor: Janpha Thadphoothon

Unsere PR-Fundsachen gibt es schon seit einigen Semestern. Dieser Blog hat sich als Übungswiese für die PR-Studenten der Hochschule Darmstadt etabliert, in dem sie eigene Ideen und Beobachtungen für andere PR-Profis und Studenten veröffentlichen. An dieser Stelle erklären wir mal wie der Blog eigentlich gefüttert wird.

Der Blog begleitet uns Studenten während dem 4. Semester. In dieser Zeit schreiben wir Artikel über relevante Veranstaltungen die wir besucht haben, Themen die uns selbst interessieren und machen unsere 5-Minuten Kurzvorträge für die Öffentlichkeit greif- und nachvollziehbar.

Jeder Student muss im Lauf des Semesters „Redaktionsdienst“ absolvieren und in dieser Zeit ein bis zwei Artikel veröffentlichen bzw. redigieren. Zusätzlich schreibt jeder Student nach seinem Kurzvortrag, den er vorher im Seminar präsentiert hat, einen Artikel zum Thema des Vortrags.

Damit der Blog aber auch öffentlich wahrgenommen wird, haben wir eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account, welche von jeweils zwei freiwilligen gepflegt werden.

Für den Fall, dass in einer bestimmten Woche kein gutes Thema auftaucht haben wir Studenten auch eine Liste mit „zeitlosen“ Themen eingeführt.

Es bleibt also spannend bei den PR-Fundsachen und wir wünschen viel Spaß mit den neuen Artikeln!

Autorin: Julia Anna Moor

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Wenn das Wirtstier ausblutet – Abhängigkeit: PR und Journalismus

Seit Jahren sinken die Verkaufszahlen journalistischer Printprodukte, Verlage werden zusammengelegt und immer weniger Redakteure erledigen immer mehr Arbeit. Wieso diese Entwicklung auch auf das Tagesgeschäft der Public Relations Einfluss hat, erklärt Lars Rademacher, Professor für Public Relations an der Hochschule Darmstadt, im Interview.

© Macromedia Fachochschule
PR-Professor Lars Rademacher © Macromedia Fachochschule

Inwiefern betrifft es die Public Relations, wenn es dem Journalismus schlecht geht?

Grundsätzlich steht die PR seit ihrer Entstehung in starker Wechselwirkung zum Journalismus. Sie hat eigentlich immer davon profitiert, dass der Print-Journalismus stark war. Wenn es dann nämlich gelungen ist, etwas zu platzieren, dann hatte das eine hohe Autorität. Durch das Sterben der Redaktionen geht die Vielfalt verloren – die PR hat somit eine geringere Auswahl an Medien, auf die sie zugehen kann. Außerdem hatte ein Printmedium früher die Aufgabe, für die öffentliche Agenda zu sorgen. Das wird jetzt in reduzierter Form gemacht. Die Vielzahl der Onlinekanäle führt zu einer Zersplitterung der Aufmerksamkeit des Publikums. Außerdem steht der Print-Journalismus durch die Konkurrenz im Netz unter einem gewissen Handlungsdruck. Sachen, die irgendwo gepostet wurden, werden sehr schnell übernommen. So schleichen sich Fehler in den Printjournalismus ein – und das wirkt sich negativ auf dessen Glaubwürdigkeit aus.

Also kann man sagen, dass die PR davon profitiert, wenn der Journalismus einen guten Ruf hat?

Auf jeden Fall. Man könnte sogar so weit gehen, wie Klaus Kocks zu sagen: „Die PR ist ein Parasit den Journalismus“. Und als Parasit hat er ein riesiges Interesse daran, dass es dem Wirt gut geht – so lebt er länger. Unser momentanes Problem ist, dass das Wirtstier ein Stückchen ausgeblutet ist.

Wie kann die PR auf diesen Negativ-Trend reagieren?

Es gibt zwar immer noch die Möglichkeit, sich über den Journalismus zusätzliche Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Allerdings hat die PR durch technische Entwicklungen eine ganze Reihe an zusätzlichen Kanälen dazu gewonnen: von den großen sozialen Netzwerken über Podcasts bis hin zu Business-TV. Es bleibt eigentlich nur, diese Kanäle konsequent zu bespielen und sich so ein Stück unabhängiger vom Journalismus zu machen. Das setzt voraus, dass man die eigene Organisation stärker definiert. Die PR muss sich ein Stück unabhängiger von dem siamesischen Zwilling Journalismus erleben, der lange Jahre der Hauptbezugspunkt für Kommunikationsexperten war.

Wie könnte das Tagesgeschäft der PR in 10 Jahren aussehen?

Zunächst werden Leute, die im Unternehmen arbeiten und interne Kommunikation machen, verstärkt mit Coperate Social Networks arbeiten. Extern werden sie mit Sicherheit in einer ganzen Reihe von Kanälen unterwegs sein. In Zukunft wird es hoffentlich auch Tools geben, die dazu beitragen die Kanalvielfalt zu handhaben und erlauben, Content zunächst einmal kanalneutral herstellen und dann je nach Kanal zu variieren. PR Manager müssen schauen: Wo biete ich viel Dialog an? Wo muss ich weniger anbieten? Eine weitere Folge wird sein, dass sich Journalisten und Unternehmensvertreter stärker in Social Media vernetzten – vor allem weil die Beziehungspflege zu den Gatekeepern verstärkt über Facebook, Twitter und Co laufen wird. Ich bin überzeugt, dass Unternehmen in den nächsten Jahren an der Bloggersphäre schlicht nicht mehr vorbei kommen. Die Blogger werden als zusätzliche Meinungsführer eine andere Professionalität entwickeln. Dadurch werden sie zu relevanten Playern auf dem Meinungsmarkt. Das führt dazu, dass sich die PR weitaus weniger stark auf Medien konzentrieren wird.

Viele Journalisten wechseln jetzt in die PR. Wie sieht Ihre Zukunftsprognose für den Kommunikationsmarkt aus?

Meine Prognose: Der Zuwachs der PR-Seite wird weitergehen. Wir haben jetzt schon ein Verhältnis von zwei bis drei PR-Leuten auf einen Journalisten. In ein paar Jahren werden bestimmt an die fünf bis sechs Kommunikationsexperten einem Journalisten ihre Geschichten verkaufen wollen. Einfach wird das für den Journalisten da allerdings nicht, im Dschungel der Angebote auf lohnenswerte Storys zu stoßen – oder überhaupt eine Auswahl zu treffen. Ich glaube, dass gerade die Zahl der Kanäle dazu führen wird, dass von Kommunikationsexperten eine immer stärkere Spezialisierung erwartet wird. Es wird im stärkeren Maße crossmediale Anwendungsfelder geben. Wer in diese Richtung tendiert, wird voraussichtlich ganz gute Berufschancen haben. Denn der Bedarf an professioneller Kommunikation wird weiterhin stark zunehmen.

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Deutschlands erster Professor für Web Literacies: “Ich lerne mindestens genauso viel, wie die Studierenden.”

Dr.-Ing. Martin Wessner ist seit dem 1. September als Deutschlands erster Professor für Web Literacies tätig. Am Mediencampus in Dieburg unterrichtet er im neuen Bachelor Studiengang Onlinekommunikation. Im Interview berichtet er von seinen ersten Erfahrungen, den besonderen Herausforderungen und neuen Lehrformen.

Dr.-Ing. Martin Wessner
Dr.-Ing. Martin Wessner

Herr Wessner, Sie lehren seit knapp vier Monaten als Deutschlands erster Professor für Web Literacies. Was bedeutet Web Literacies eigentlich?
Martin Wessner: Das hat mich auch der Präsident der Hochschule bei der Berufung befragt: „Für was soll ich Sie denn da eigentlich berufen?“. Der Begriff Web Literacies ist in Deutschland, außer in einer kleinen Fachöffentlichkeit, quasi unbekannt. Er leitet sich ab von dem Begriff Literacy, was für die Fähigkeit mit Texten zu arbeiten steht. Also zu lesen, zu schreiben und Texte zu verstehen. Web Literacies bedeutet also im Internet Informationen zu finden, im Internet Informationen zu veröffentlichen und mit dem Internet zu arbeiten, zum Beispiel gemeinsam an Projekten zu arbeiten, sich auszutauschen oder sich zu vernetzen. Ich nenne es eigentlich immer Medienkompetenz fürs Internet statt Web Literacies, damit es verständlicher ist. Diese Literacy ist nichts Statisches, sondern sehr dynamisch. Das was die Studierenden heute hier lernen, ist in vier Jahren, wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben, zum Teil schon wieder veraltet.

Mit welchen Methoden unterrichten Sie Web Literacies – gerade um zu verhindern, dass das Wissen bald wieder veraltet ist?
Um zu einem bestimmten Zeitpunkt zu entscheiden was zu Web Literacies gehört, gibt es Methoden aus der Pädagogik, mit denen ich ableiten kann, welche Kompetenzen für einen bestimmten Kontext benötigt werden. Aber auf Grund dieser Veränderungen muss ich im Wesentlichen darauf abzielen, dass die Studierenden in der Lage sind, ihre Kompetenzen selbst zu erweitern. Ganz klar im Mittelpunkt muss die Fähigkeit stehen lebenslang zu lernen, um sich selbst neue Kompetenzen anzueignen – alleine oder auch in der Zusammenarbeit mit anderen. Und die Methoden, wie man das macht, aber auch die nötige Einstellung, die Offenheit für zukünftige Entwicklungen – dass sind Ziele, auf die wir hier an der Hochschule hinarbeiten.

Wie sieht das dann ganz konkret aus?
Wir haben beispielsweise jetzt im ersten Semester des Studiengangs Onlinekommunikation das Web Literacy Lab, bei der wir als Lehrform unter anderem Barcamps einsetzen. Wir betreuen die Studierenden dabei im Team: Sabine Hueber, die im Fachbereich Media als didaktische Mitarbeitern tätig ist, und auch der Lehrbeauftragte Fritz Ehlers bringen umfangreiche Barcamp-Erfahrung mit, ich bringe meine informatische und pädagogische Kompetenz ein. In diesen Barcamps stellen die Studierenden selbstgewählte Themen vor und geben ihre Kompetenz an andere weiter. So lernen sie schon sehr früh im Studium eigene Kompetenzen zu identifizieren, geeignet aufzubereiten und weiter zu geben.  Ziel der Veranstaltung ist nicht, jeden einzelnen Aspekt der Web Literacy zu 100 Prozent abzudecken, sondern wir wollen die Studierenden exemplarisch in die Lage versetzen sich selbst Wissen zu erarbeiten. Und dazu gehört auch, dass sie nach persönlichen Präferenzen entscheiden können, in welche thematische Session sie innerhalb eines Barcamps gehen. Es gibt in der Regel drei parallele Sessions.

Konnten sich die Studierenden zu Beginn etwas unter Barcamp vorstellen?
Nein, vor mir sah ich viele Fragezeichen in den Gesichtern. Der Begriff Barcamp als eine Art „Unkonferenz“ ist bisher nicht weit verbreitet in Deutschland. Mit einer Bar hat es nichts zu tun, es gibt auch nichts zu Trinken. Es war zuerst viel Unsicherheit da. Die Studierenden, meist frisch von der Schule, waren diese Freiheit nicht gewohnt. Dort gab es einen festdefinierten Lehrplan und einen Katalog von Lernzielen, die erreicht werden sollen. Unsere Ziele liegen auch auf einer Meta-Ebene. Es geht nicht nur um konkrete Inhalte, sondern um die Fähigkeit Wissen weiter zu geben, Wissen aufzubereiten, zu strukturieren und sich selbst neue Kompetenzen zu erarbeiten.

Wird diese Art des Lernens von den Studierenden angenommen?
Eindeutig ja. Aber ich möchte erst mal vorweg schicken, dass dies nicht die einzige Lehrform ist, die wir praktizieren. Ich unterrichte beispielweise Multimedia-Technologie als klassische Vorlesung. Damit legen wir grundlegende Strukturen. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um später neues Wissen an vorhandene Strukturen anzulagern. Die Mischung macht’s.
Im Laufe des Semesters haben sich die Studierenden dann immer weiter gesteigert und einen richtigen Ehrgeiz entwickelt ihre Session gut zu bewerben, um möglichst viele Kommilitoninnen und Kommilitonen für ihre Session zu begeistern. Da war dann unheimlich viel Kreativität zu sehen.

Was bedeutet es für Sie, die erste Professur in diesem Feld zu haben? Hat man dann auch besondere Freiheiten oder spüren Sie großen Druck?
Beides. Es ist eine unheimlich große Freiheit zu gestalten. Ich überlege mir, welche Kompetenzen sind jetzt konkret wichtig oder werden in gut drei Jahren, wenn die Studierenden hier abschließen, wichtig sein. Zum anderen ist diese Gestaltungsfreiheit immer mit einer großen Verantwortung verbunden. Alle Lehrenden, die das Modulhandbuch mit Leben füllen, tragen eine Mitverantwortung dafür, dass die Studierenden mit den gelernten Inhalten später ihr täglich‘ Brot verdienen können. Und das in einem stark dynamischen Feld, wo wir, logischerweise, heute nicht wissen, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten unsere Absolventen dann ausüben werden.

Wie waren für Sie die ersten Wochen am Mediencampus?
Ich bin nicht ganz neu hier, ich hatte drei Jahre lang einen Lehrauftrag an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Interactive Media Design. Natürlich ist es etwas anderes Lehrbeauftragter zu sein und die Studierenden ein Semester lang zu sehen als jetzt langfristige Verantwortung zu übernehmen. Insgesamt bin ich – und das war für mich auch einer der Gründe hierher zu kommen – begeistert von dem hier versammelten großen kreativen Potential bei den Studierenden und den Lehrenden. Ich bin fasziniert von der tollen Ausstattung. Und was mich wirklich freut ist die Interdisziplinarität, die hier am Mediencampus gelebt wird. Ich bin ja von Hause aus weder PR- noch Marketing-Mensch, sondern Informatiker und Pädagoge und arbeite hier eng mit Kollegen aus Journalismus, Marketing oder PR zusammen. Kurz: Ich lerne mindestens genauso viel, wie die Studierenden und das ist natürlich eine tolle Sache.

Auf der Seite des Mediencampus Dieburg finden Sie eine Kurzbiographie von Dr.-Ing. Martin Wessner inklusive Forschungsinteressen.

Barcamp: Ein Barcamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, so genannten Sessions, deren Inhalte von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden. Barcamps dienen dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion, können teilweise aber auch bereits am Ende der Veranstaltung konkrete Ergebnisse vorweisen. (Quelle: Wikipedia)
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Jetzt aber schnell!

#30u30-Crew

Du kennst jemanden, der noch keine 30 Jahre alt ist, aber schon erfolgreich in der PR- oder Kommunikationsbranche arbeitet? Dann nominiere die Person noch jetzt bis zum 28.11.2014! Im Rahmen des PR Report Awards werden wieder junge PR-Nachwuchstalente gesucht und gefördert.

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Es werden begeisterte PR-Strategen aus allen Bereichen gesucht, egal ob aus einer Agentur, einem Unternehmen oder von Hochschulen. Hauptsache ihr seid kreativ und wisst, was ihr mit guter PR erreichen könnt und wollt.

 

Die Nachwuchsinitiative von #30u30 zeigt wie vielfältig und breitaufgestellt die PR-Szene mittlerweile geworden ist. Mit der Teilnahme bei der #30u30-Crew bewirbst du dich zeitgleich für den Nachwuchspreis des PR Report Awards.

Und was kann es besseres geben, als mit den aufsteigenden Sternen der PR-Branche zusammen zu arbeiten?! Dir fällt nix ein? Also nominiere deine Freunde oder Bekannte!

 

PR Report Award

Leidenschaft und jeder Menge Kreativität sind deine Arbeitsmaterialien. Du arbeitest vielleicht gerade an einem genialen Projekt oder einer Kampagne, dann bewirb dich noch bis zum 28.11.2014 für den PR-Report-Award. Falls du noch nicht weißt, in welcher Kategorie du dich bewerben sollst, hier findest du alle 29 Kategorien von 2015.

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Die Gewinner des letzten Jahres waren z. B. in der Kategorie Content Marketing und Branded Content „Die Jägermeister Blaskapelle“ von der White Rabbit GmbH für Mast-Jägermeister SE. In der Kategorie Media Relations gewann die achtung! GmbH für die ADVOCARD Rechtsschutzversicherung mit „Deutschlands größter Streitatlas“.

 

In der Jury des PR Report Awards sitzen 30 Vertreter von Agenturen, Unternehmen und Dienstleistern aus dem Arbeitsfeld PR, Marketing und Kommunikation. Die Ergebnisse bleiben allerdings bis zur Preisverleihung geheim. Diese findet am 16. April 2015 in Berlin statt.

 

Also traut euch, bewirbt euch oder nominiert Nachwuchstalente und feiert euch selbst! Denn die PR-Branche kann sich auch mal selbst feiern, anstatt nur den Weg zur großen Fete für andere zu planen!

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Sport lohnt sich: Interview mit MapCase

Den Alltag spielend meistern: Der Trend der Gamification greift um sich und zieht immer mehr Menschen in seinen Bann. Das Start-up MapCase mit Sitz in Mainz hat diese Strömung aufgegriffen und seine eigene Vision in die Tat umgesetzt. Mit ihren Apps MAPtoSNOW, MAPtoHIKE und MAPtoBIKE wollen sie Menschen animieren, mehr Sport zu treiben – natürlich gegen Belohnungen. Gründer Dominik Kneissl und Marketingexperte Xaver Wegmann erzählen uns im Interview, was Gamification überhaupt ist, welche Hürden sie auf dem Weg zur Selbstständigkeit überwinden mussten und warum Fehler manchmal gut sind.

PR-Fundsachen: Wie funktionieren eure Apps?

Xaver: Die Apps sind ganz simpel aufgebaut. Man zeichnet seine sportliche Aktivität auf (Tracking) und gewinnt dabei Medaillen, kann an Wettbewerben von MapCase Partnern oder Schnitzeljagden teilnehmen. Hinter einigen Pins liegen Belohnungen von den MapCase Partnern, welche zusätzlich den Kunden motivieren sollen. Beispielsweise konnte man im Winter für seine Leistungen eine Reise nach Kanada über INTERSPORT gewinnen. Wir nutzen also die Dynamik, Mechanik und die Regeln von Gamification, um die User zu  mehr Sport zu motivieren. Damit das auch ohne Internet funktioniert, nutzen wir GPS.

MAPtoSNOW: die verdiente Belohnung
MAPtoSNOW: Wer fleißig ist, soll belohnt werden

PR-Fundsachen: Was ist das Geschäftsmodell dahinter?

Dominik:  Wir haben drei verschiedene Kundengruppen: Tourismusverbände und Skigebiete, große Marken wie BMW, Intersport, Atomic – alles, was prinzipiell mit dem Sportbereich zu tun hat -. und lokale Betriebe wie Hotels, Restaurants, Diskotheken, Bars, Sportgeschäfte in einer bestimmten Region. Diese kriegen die Exklusivität auf den User, der sich gerade in der entsprechenden Region bewegt. Der Kunde kann so extrem effektives Marketing machen. Wir grenzen jeglichen Streuverlust vorher aus. Wenn man das vergleicht mit einer Fernsehwerbung: da erreicht man Omis, Opis, Kleinkinder, obwohl man vielleicht nur die Frauen zwischen 25 und 30 erreichen will.

: Was ist überhaupt Gamification?

Xaver: Die allgemeine Definition ist der Einsatz spielerischer Elemente in einem Kontext, in dem normalerweise keine Spiele vorkommen. Gamification an sich ist eigentlich auch nichts Neues. Wissenschaftler erforschen schon lange den Reiz von Spielen wie Uno oder Monopoly und setzen die Erkenntnisse über die Spieledynamik und -techniken in einem neuen Kontext ein.

Dominik:  Das kann man zum Beispiel auf Personal anwenden. Die Leute, die mehr Sport machen, bekommen mehr Urlaubstage. Wer spritsparend Auto fährt, erhält einen Bonus. Wir machen das mit Sport und belohnen die Leute mit Coupons, aber ohne das Unternehmen als Plattform zu haben.

PR-Fundsachen: Wie ist MapCase entstanden?

Dominik: Ich habe 2011 das Unternehmen mit meinem Bruder gegründet. Die Idee ist aber schon viel früher entstanden mit einem anderen ursprünglichen Gründerteam. Wir waren damals auf der Olympiade 2010 und fragten uns, wie man Menschen belohnen und motivieren kann, mehr Sport zu machen. Nach der ersten Idee, kamen die ersten Erfolge. Wir wurden vom Förderprogramm der Europäischen Raumfahrtbehörde aufgenommen und von EXIST, das ist ein Stipendium, gefördert. Dann hat sich das Gründerteam erst einmal zerklüftet, weil nach diesem ersten Erfolg die Visionen auseinandergelaufen sind. Aber das war der Punkt, an dem es erst richtig losging.

MAPtoHIKE:
MAPtoHIKE: Wer gewinnen will, muss sich ranhalten

PR-Fundsachen: Wie habt ihr diese erste Hürde überwunden?

Dominik: Naja, wir standen da und hatten eigentlich nichts: keinen Entwickler, kein fertiges Produkt, kein Geld. Wir dachten uns, entweder wir lassen es sein oder wir gehen All-in. Ich bin dann los und habe im Prinzip ein unvollständiges Produkt an Skigebiete verkauft. Ich bin zu Kunden gefahren, habe Leute am Telefon bequatscht und im Auto geschlafen. Mein Auto ist irgendwann nicht mehr angesprungen, das konnte ich auf den Schrottplatz stellen, aber nach drei Monaten hatte ich neun zahlende Kunden. Mit dem Geld haben wir externe Entwickler finanziert, um überhaupt das Produkt zu bauen. Wir haben den ersten Investor gefunden und dann innerhalb von einem Jahr 13 Leute eingestellt. Nach eineinhalb Jahren arbeiten jetzt mit externen Mitarbeitern 22 Leute an den Produkten. Im Juni kam auch noch MAPtoHIKE  and MAPtoBIKE, mit denen wir dann vermarktungstechnisch viel breiter gehen und jetzt hier in Deutschland stark aktiv werden. Bisher waren wir nur auf die Alpen beschränkt.

PR-Fundsachen: Wie viel Aufwand habt ihr in die PR gesteckt?

Xaver: Wir hatten anfangs mit einer PR-Agentur zusammen gearbeitet. Wir mussten aber schon immer die Pressemitteilungen selbst verfassen. Die haben wir in den Skigebieten veröffentlicht. Dazu kamen immer mehr die Erfolge wie Preise oder Awards. Letztes Jahr haben wir auf zwei Messen App-Preise gewonnen. Wir haben beim German Accelerator gewonnen und können ab Oktober zwei Teammitglieder nach Silicon Valley schicken.

Unser Ziel, eine interne PR-Stelle zu schaffen, haben wir gerade erreicht. Nur wenn man das Startup-Flair und das ganze Team mitbekommt, kann man auch wirklich authentisch berichten.

PR-Fundsachen: Welche anderen Schwierigkeiten sind euch begegnet?

Dominik: Oh, so viel. Eigentlich gab es jeden Tag Dinge, die mich überrollt haben. Und man hat auch viele Fehler gemacht und unter Umständen hat man sich mal richtig verbrannt. Aber das gehört dazu. Ich glaube, das war ganz richtig so, dass ich die Fehler selbst gemacht habe, weil ich erst dadurch gelernt habe, was richtig und falsch ist. Wenn mich jemand, wie Papa oder Mama an die Hand nimmt und sagt: “Mach das nicht!”, dann wüsste ich, sobald sie mich loslassen, trotzdem noch nicht, was ich machen müsste.

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Zuwachs am Mediencampus: Start der ersten Bewerbungsphase für Onlinekommunikation

Studienangebote, die sich speziell auf Online-PR konzentrieren, gibt es in Deutschland nur sehr wenige. Nun kommt Einer dazu: Diese Woche startet die Bewerbungsphase für den Studiengang Onlinekommunikation. Der Studiengang startet zum Wintersemester 14/15 am Mediencampus der Hochschule Darmstadt. Die Brücke zwischen Marketing, PR und dem lebenslangen Lernen ist deutschlandweit einmalig.

Viele Wahlfreiheiten sollen den Studierenden ein persönliches Profil ermöglichen. Foto: h-da/Britta Hüning
Viele Wahlfreiheiten sollen den Studierenden ein persönliches Profil ermöglichen. Foto: h-da/Britta Hüning

Im ersten Semester des siebensemestrigen Bachelor-Studiengangs sollen Studierende die Grundlagen für eine professionelle Arbeit mit und im Web lernen und können anschließend Kurse aus den drei Schwerpunkten selbst wählen. Die Schwerpunkte Online-PR, Online-Marketing und Corporate Learning können dann auch einzeln im Zeugnis ausgewiesen werden. Prof. Dr. Thomas Pleil ist Studiengangskoordinator und sagt: „Wir haben uns einige Freiheiten erkämpft. Dazu gehören noch mehr Eigenverantwortung und Freiheit für die Studierenden. Sie ermöglichen jedem Studierenden ein individuelles Profil.“

Das Gelernte weiter geben

Studieninteressierte Sonja Hügemann reizt besonders die Vertiefungsmöglichkeit Corporate Learning. Was globales Lernen für sie bedeutet, erklärt sie in einem Beispiel: „Ich war auf Bali und habe dort in einem Kinderheim gearbeitet. Man konnte dank der globalisierten Welt alles kaufen, zum Beispiel gab es Stifte von Faber-Castell. Aber wenn ich mit den Menschen gesprochen habe, habe ich gemerkt, sie haben so ein komisches Bild von dem, wie ich lebe.“ Da sei ihr deutlich geworden, dass es wichtig ist, dass nicht nur Märkte, sondern auch Menschen global vernetzt sind und ein Wissensaustausch stattfindet. Beim Corporate Learning geht es darum, das, was man selbst gelernt hat, weiter zu vermitteln.

Eine ausgewogene Mischung

Besonders wichtig sind im Studiengang Onlinekommunikation die Lernagenturen. Die Studierenden arbeiten an konkreten Projekten mit verschiedenen Projektpartnern. Diese sind immer wechselnd und stellen so die Unabhängigkeit der Lehre sicher. Pleil weist zusätzlich darauf hin: „Wir werden sicher häufig mit Partnern aus dem Non-Profit-Bereich arbeiten. Hier lassen sich oft schon mit wenig Mitteln tolle Ergebnisse erzielen. Die Mischung soll aber ausgewogen sein.“

Studiengangskoordinator Prof. Dr. Thomas Pleil unterrichtet aktuell im PR-Schwerpunkt. Foto: h-da/Steven Wolf
Studiengangskoordinator Prof. Dr. Thomas Pleil unterrichtet aktuell im PR-Schwerpunkt. Foto: h-da/Steven Wolf

Noch mehr Praxis bietet die berufspraktische Phase. Für dieses Praktikum ist ein komplettes Semester vorgesehen. Durch die sieben Semester soll es auch eher möglich sein ins Ausland zu gehen und dort  Erfahrungen zu sammeln. Wer Onlinekommunikation erfolgreich studiert, schließt mit dem Bachelor auf Science ab. Absolventen und Absolventinnen erwarten gute Berufsaussichten, das bestätigt eine Studie der Hochschule der Medien (HdM) und dem Institut für Werbung und Marktkommunikation der HdM. Danach gibt es pro Studienabsolvent 1,6 offene Stellen.

Insgesamt werden 60 Studienplätze vergeben, bei mehr Bewerbern als Plätzen entscheidet die Note der Hochschulqualifizierung. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist ein sechswöchiges Praktikum. Studieninteressierte sollen einen ersten Einblick in die Praxis bekommen. Oft festigt oder korrigiert ein Praktikum die eigene Wahl des Studiengangs.

Onlinejournalismus mit neuen Schwerpunkten

Mit dem Start des neuen Studiengangs Onlinekommunikation wird der Studiengang Onlinejournalismus umstrukturiert. Er wird auch sieben Semester dauern und hat zwei neue Vertiefungsmöglichkeiten: „Wissenschaft und Daten“ oder „Internationaler Journalismus und Europa“. Der Studiengang Wissenschaftsjournalismus wird nicht mehr angeboten.

Die erste Bewerbungsphase für Onlinekommunikation ist sehr spannend, da noch nicht klar ist, wie viele Interessenten es gibt und wie das neue Konzept ankommt. Wir freuen uns in jedem Fall auf die neuen Kommilitonen am Mediencampus.

 

Weitere hilfreiche Informationen über den Studiengang Onlinekommunikation:

Onlinekommunikation #onkomm auf Twitter

Interview mit dem Studiengangskoordinator Onlinekommunikation Prof. Dr. Thomas Pleil auf der Seite des Mediencampus

Darmstädter Echo – Umstrukturierung am Dieburger Mediencampus

Darmstädter Tagblatt – Mehr Wahlfreiheit und hoher Praxisanteil

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