Grün, grün, grün sind alle meine Kleider

Dass Unternehmen sich gerne grün einkleiden, ist nichts Neues. Seit es mit der Umwelt und dem Weltklima bergab geht, ist es fast unumgänglich, sich als Unternehmen ein grünes Gewand zuzulegen. Der Hightech-Unternehmer Toshiba hüpft nun auch in den grünen Farbtopf und erntet Kritik für seinen „National No Print Day“.
Toshiba hat vor Kurzem zum „National No Print Day“ am 23. Oktober 2012 aufgerufen. Einen Tag lang soll zum Schutze der Umwelt auf Papierdruck verzichtet werden. Klingt eigentlich nicht schlecht – mag man meinen. Toshiba hat eine Vision, genauer gesagt, die „Environmental Vision 2050“. Das Ziel: die Erderwärmung verhindern und die vorhandenen Ressourcen effizient nutzen. Auf Englisch klingt das Ganze dann noch ein wenig schöner: „Toshiba Group practices environmental management that promotes harmony with the earth….“(www.toshiba.eu)

Warum ist ein grünes Image wichtig?

Grünfärberei oder auch greenwashing genannt gehört mittlerweile zum guten Ton und findet bei vielen Unternehmen seinen Platz in der „Corporate Social Responsibility“.  Auf einmal ist jeder grün: Fluggesellschaften setzen sich gegen Erderwärmung ein, Ölkonzerne für den Schutz der Meere, Atomkraftwerke sind ökologisch wertvoll, Kohlekraftwerke sowieso. Der Grund für die Welle der grünen Imagewerbung ist vor allem der wachsende Druck auf die Konzerne. Die Politik verschärft die gesetzlichen Vorgaben, die Kunden setzen das Unternehmen unter wirtschaftlichen Zugzwang.
In der von www.lobbycontrol.de veröffentlichten Studie  zum Thema greenwashing wird dieser Punkt ausgeführt: „Als Folge des gestiegenen Umweltbewusstseins der Konsumenten wird öffentlich kommuniziertes „grünes“ Image verstärkt als Wettbewerbsfaktor verstanden, um Kundinnen und Kunden zufrieden zu stellen.(…)  Greenwash dient in erster Linie der politischen Beeinflussung von Entscheidungsträgern, Meinungsmachern und kritischen Konsumentinnen(…).“

Kontroversen der “grünen” Kampagne

Schade, es geht also nicht darum, generell umzudenken und die Umwelt tatsächlich zu schützen. Es geht primär darum, sich als Unternehmen aus der Schusslinie zu retten.
Toshibas „print leaner – print greener“-Kampagne kam nicht gut an. Vor allem die Ironie, dass Toshiba dazu ermutigt, die Kampagnenplakate auszudrucken und zu verbreiten löste Kontroversen aus.
Diskutiert wurde außerdem, dass nicht das recyclebare Papier die Umwelt zerstört, sondern die nicht wiederverwertbaren, weggeworfenen Computer und Elektrogeräte, die immer kurzlebiger produziert werden. Sie enthalten Quecksilber und andere hochgiftige Substanzen und landen nach kurzem Gebrauch schließlich auf riesigen Müllhalden oder werden in Entwicklungsländer verschifft.

Man darf sich ruhig fragen, ob hier die Papierlobby tatsächlich Einbußen durch einen 24-stündigen Druckverzicht fürchtet und nur deshalb gegen Toshiba wettert. Deutlich wird jedoch die etwas einseitige Betrachtung des Umweltfaktors, denn der Effekt, den elektronische Kommunikation und riesige Datenspeicher auf die Umwelt haben, wird von Toshiba außer Acht gelassen.

Für Toshiba ging die Grünfärberei eindeutig nicht auf. Seit heute ist die Internetseite zum „National No Print Day“ nicht mehr abrufbar. Laut Medienberichten hat das Unternehmen den Aktionstag nach Protesten der Printing Industries of America (PIA) abgesagt.

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4 thoughts on “Grün, grün, grün sind alle meine Kleider

  1. Pingback: Wissens-Schatz 22.06.: diese Woche im Netz - Social Media ...nachhaltig!Social Media …nachhaltig!

  2. Lorenzo von MatterhornNo Gravatar 28. Juni 2012 at 12:23 -

    “Kontroversen der “grünen” Kampagne” <- Dort fehlt ein Punkt bzw. ein Satzzeichen, oder!?

    Guter Kommentar. Sie können das nächste mal ruhig etwas härter über Lobbyismus schreiben.

    Gruß Lorenzo!

  3. Pingback: Lesenswertes aus der Woche 26: Neue Facebook-App, Greenwashing und Corporate Identity | warndorf Konzept, Text & PR - Büro für Kommunikation

  4. Ralph J. SchielNo Gravatar 29. Juni 2012 at 12:45 -

    Schöner Artikel zum Thema. Danke Dir. Gerne mehr davon ;-)
    Bei den großen Playern ist es für einen selbst oft recht schwer, direkt und wirkungsvoll viel zu beeinflussen. Bei den kleineren und regionalen hingegen, gestaltet es sich oft sehr einfach und wirkungsvoll, auf offensichtlich Grüngewaschenes hinzuweisen; und auch auf mögliche Verbesserungen bei ehrlich gehandhabter Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen. Ich freu mich auch immer über Anregungen dazu.

    Liebe Grüße vom schönen blauen (und Gott sei Dank nicht grünen) Bodensee