16 Tipps für die perfekte Event-Kommunikation

Wir onkomms im 4. Semester haben die letzten Wochen und Monate sehr viel über Content Strategy gelernt. Von verschiedenen Content Typen, über den Ablauf eines Content Audits und Message Architecture bis hin zur Erstellung von eigenen Konzepten und Durchführung der Kommunikation von zwei Branchenevents – wir beschäftigten uns mit einer großen Bandbreite an Themen in diesem Bereich. Der Fokus lag vor allem auf der Planung und Durchführung von Event-Kommunikation, bei der wir sehr viel ausprobieren und lernen konnten. Deswegen folgen nun meine 16 Tipps für die perfekte Event-Kommunikation. Garantiert auf Stresssituationen und spontane Änderungen geprüft. 😉

Alle Tipps beziehen sich auf die Event-Kommunikation aus Sicht des Vertreters eines Unternehmens, der die Veranstaltung als Besucher erlebt. Für Event-Kommunikation als Veranstalter einige der Tipps jedoch auch hilfreich.

 

Wann eignet sich Event-Kommunikation für wen?

Viele Vertreter eines Unternehmens besuchen regelmäßig externe Veranstaltungen wie Konferenzen, Barcamps oder Messen. Die große Anzahl an interessanten Informationen, Geschichten und Ideen, die hier ausgetauscht werden, sind für eine Zielgruppe weit über die Zahl der Teilnehmer hinaus relevant. Es sollten also nicht nur die Veranstalter sondern auch die Besucher dieser Events die Chance nutzen, von diesem zu kommunizieren.

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Besonders gut für die Berichterstattung eignen sich wichtige Branchenevents. Vor allem kleinere Firmen und Selbständige nutzen diese, um ihren Expertenstatus zu zeigen und Aufmerksamkeit von Branchenkollegen zu erlangen. Allerdings eignet sich eine Event-Kommunikation aus Sicht des Besuchers einer Veranstaltung auch für größere Unternehmen. Die Möglichkeiten, qualitativ sehr hochwertigen Content wie beispielsweise einen kleinen Clip des Events zu veröffentlichen, sind für diese eher gegeben. Vor allem wenn man nicht nur Unternehmensvertreter als Besucher zum Event schickt, sondern selbst ausstellt oder einen Vortrag hält, ist Event-Kommunikation unverzichtbar.

Bei großen Unternehmen eignet sich die Berichterstattung von einem Event auch für die interne Kommunikation. So erfahren alle Mitarbeiter, die nicht teilnehmen konnten, für die das Thema jedoch eine Relevanz hat, die wichtigsten Informationen.

 

Die erste Phase – Vorbereitung ist die halbe Miete

1. Ziel und Zielgruppe

Im wichtigsten und zugleich ersten Schritt muss die Zielgruppe, sowie das Ziel der Kommunikation bestimmt werden. Für Fachthemen interessieren sich meist Branchenkollegen, aber noch lange nicht alle Follower. Die zu bespielenden Kanäle müssen also mit großer Sorgfalt ausgewählt werden.

 

2. Identität

Abgesehen von der Corporate Identity des Unternehmen als Ganzes, sollte für diese Kommunikation nochmal genau festgehalten werden, wie man sich präsentieren möchte – sprich, mit welcher Identität man auftritt. Diese wird an die Vorlieben der Follower und den Konsens der Veranstaltung angepasst.

 

3. Aufgabenverteilung

Danach geht es an die Planung der Aufgabenverteilung. Je nach Konzept der Kommunikation können einige Mitarbeiter an dieser beteiligt sein oder eine Person managt alles alleine. In jedem Fall muss klar sein, wer zu welchem Zeitpunkt welche Rolle einnimmt und wie der Ablauf geplant ist. Auch die Gewichtung der verschiedenen Medien oder Kanäle muss feststehen. Wenn mehrere Personen beteiligt sind, sind auch Führungsrollen zum Beispiel in Form einer Chefredaktion eine riesige Hilfe bei einem möglichst reibungsfreien Ablauf.

 

4. Konzept verinnerlichen

Um eine einheitliche Kommunikation zu gewährleisten muss das Konzept der Event-Kommunikation, jedem Kommunikator bewusst sein. Ein detailliertes Briefing bei einer größeren Gruppe oder übersichtliche Notizen der eigenen Ideen bei einer „One-Man-Show“  eignen sich hier hervorragend.

 

5. Inhalte auf Nutzer anpassen

Um Abwechslung in die Kommunikation zu bringen, sollten schon vor dem Event verschiedene Formate für jeden Kanal überlegt werden. Da die Nutzer bestimmte Kanäle bevorzugen, sich die Followerschaft also in ihren Vorlieben für Content unterscheidet, kannst du auch unterschiedliche Strategien für jeden Kanal in Betracht ziehen. So gehen die Inhalte immer auf die Bedürfnisse der Follower ein und zeigen ggf. verschiedene Sichtweisen.

Material-Event-Kommunikation

6. Material vor Einsatz testen

Mein letzter Tipp für die Vorbereitung der Event-Kommunikation ist so simpel wie auch wichtig: Das gesamte Material, das bei der Kommunikation zum Einsatz kommt, sollte davor gecheckt werden. Sowohl Geräte wie Kamera, Mikrofon und Smartphone als auch Login Daten und Apps. Wenn alles einwandfrei funktioniert kann es los gehen!

 

Vor Ort – erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

7. Fokussiert bleiben

Auf der Veranstaltung selbst solltest du aufpassen, dich nicht zu sehr in dieser zu verlieren. Geplantes, strukturiertes Kommunizieren ist gefragt: das Ziel, sowie deine Zielgruppe müssen immer im Hinterkopf sein. Das bedeutet nicht, Stimmung, Inhalte und Kontakte auf der Veranstaltung nicht zu genießen und aufzunehmen. Es ist nur wichtig, keine Nichtigkeiten mit den Follower zu teilen, sondern einen Mehrwert zu bieten und dem geplanten Konzept zu folgen.

 

8. Cross-Promo

Für eine Bekanntmachung der eigenen diversen Kanäle empfiehlt es sich, auch untereinander auf diese aufmerksam zu machen. Vor allem, wenn verschiedene Mitarbeiter diese bespielen und somit eine persönlichere Noten geben können, ist der Reiz groß, die Veranstaltung aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrzunehmen. Außerdem können somit neue Follower gewonnen werden, die davor nur einem der Kanäle folgten.

 

9. Interne Kommunikation

Ein organisatorischer Tipp: Es sollte einen einheitlichen, bereits zuvor implementierten Kommunikationskanal für die interne Kommunikation aller Mitarbeiter auf dem Event geben. Dieser eignet sich idealerweise für direkte und schnelle Absprachen, kann Dateien leicht versenden und vor allem von allen einheitlich genutzt werden. Für spontane Fragen muss jeder schnell erreichbar sein.

WhatsApp-Event-Kommunikation-Tool-interne-Kommunikation    Slack-Event-Kommunikation-Tool-interne-Kommunikation

10. Interaktion mit Followern

Kommunikation hat immer mehrere Seiten. Das solltest du auch bei der Event-Kommunikation nicht vergessen. Es gilt also nicht nur selbst zu veröffentlichen, sondern auch zuzuhören, was die anderen Teilnehmer, Follower oder Interessierte im Internet so schreiben, sagen oder zeigen. Interaktion ist gefragt und zu dieser kann auch gerne angeregt werden. Auf Reaktionen aus dem Netz einzugehen, sie zu teilen oder Fragen zu beantworten, verbessert die Beziehung zu den Follower und erhöht die Authentizität.

 

11. Abwechslungsreiche Formate

Wie schon im Teil über Vorbereitung erwähnt: Abwechslung in der Kommunikation macht Spaß und ist interessanter als immer gleiche Beiträge. Verschiedene Formate hast du idealerweise schon im Voraus geplant, aber natürlich kann auch spontane Inspiration genutzt werden. Diese ist oft sogar noch passender und echter.

 

12. Spontan und flexibel sein

Event-Kommunikation ist Live-Kommunikation. Es kann also immer wieder Unvorhergesehenes passieren. Um sich diese Situationen nicht anmerken zu lassen, ist ein Plan B in der Hinterhand unerlässlich. Hier ist auch die reibungslose interne Kommunikation eine große Hilfe. Wenn eine Session, von der man sich viel erhofft hat, total langweilig ist und man nichts Sinnvolles daraus an die Follower weitergeben kann, sollte jemand anderes spontan von einem anderen Ort der Veranstaltung einspringen können.

 

Nach dem Event – tiefergehende Inhalte, aus Fehlern lernen und am Ball bleiben

13. Aufwändigere Contentformen

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Das Event ist vorbei, ist die Arbeit nun getan? Nein, jetzt fängt die intensivste Arbeit erst an. Aufwändigere Contentformen wie Artikel, Video oder Podcasts lassen sich während eines Events vorbereiten, aber oft aus Zeitnot nicht fertigstellen. Also sollte es jetzt ans Schneiden, Recherchieren, Schreiben und Veröffentlichen der fertigen Ergebnisse gehen. Hier erreicht man nochmal eine andere Zielgruppe, kann mit Expertise glänzen und andere Branchenvertreter intensiv einbinden (z.B. in Form eines Interviews).

 

14. Schau was die anderen veröffentlicht haben

Durch ein bisschen Recherche kannst du dir etwas Arbeit ersparen und qualitativ hochwertige und vollständige Inhalte bieten, wenn man auf Folien von Präsentationen, Bildmaterial oder Live-Mitschnitte, die hochgeladen wurden, verweist. (Hier gibt es beispielsweise eine solche Auswahl vom Cosca17.)

 

15.  Vergiss das Community Management nicht!

Auch wenn die Veranstaltung vorbei ist, gibt es vielleicht noch die ein oder andere Rückfrage oder Anmerkung von deinen Followern. Geh auf diese ein, liefere ggf. noch Content oder Informationen nach und bedanke dich für Rückmeldungen. Stell dir vor, die Veranstaltung wäre deine Geburtstagsfeier in deiner Wohnung gewesen. Dann antwortest du auch deinen  Freunden, die sich für den schönen Abend bedanken. Oder du fragst alle Gäste, wem die gelbe Jacke gehört, die du noch in der Küche gefunden hast. Genau so solltest du dich um deine Follower kümmern. Natürlich nicht nur nach der Event-Kommunikation, sondern auch sonst immer.

 

16. Aus Fehlern lernen

Mein letzter Tipp ist die sorgfältige Nachbesprechung im Team. Fehler passieren. Vor allem bei Live-Kommunikation gehört das zur Normalität. Auch wenn etwas nicht nach Plan verlief, ist das überhaupt kein Grund das Projekt als Misserfolg zu sehen. Wir machen Fehler, um aus ihnen zu lernen. Also auf in die Nachbesprechung mit dem Team, alles, was schief lief, offen und ohne Vorwürfe ansprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen, wie man es nächstes Mal vermeiden oder besser machen kann.

Team-cosca17-Event-Kommunikation

Wenn du diese Tipps vor, während und nach dem nächsten Event anwendest, von dem du berichtest, ist ein guter Ablauf garantiert. Das Team der PR-Fundsachen hat sie während der re:publica 17 sowie dem Content Strategy Camp 2017 getestet, angewendet und für gut befunden. Man kann jedoch immer verbessern, deswegen gilt hier bei der perfekten Event-Kommunikation wie bei jedem anderen Prozess:

 

Try, learn, adapt and repeat.

 

Quellen: xing-events.com | event-partner.deklenkhoursch.de | haufe-akademie.de

Bildquellen: iconfinder.com | pexels.com | PR-Fundsachen Flickr (©Alina Drewitz)

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Die Kommunikatoren von morgen – Sind wir vorbereitet auf das, was die Zukunft bringt?

Die Kommunikatoren der Zukunft

Wir Redakteure der PR-Fundsachen lassen uns aktuell zu Onlinekommunikatoren an der Hochschule Darmstadt ausbilden. Kommunikatoren, die später in den Bereichen PR und Marketing arbeiten wollen – oder es zumindest in Betracht ziehen. Doch bereitet uns das Studium auf die zukünftige Arbeit vor? Sind wir für die Voraussetzungen und Ansprüche der zukünftigen Kommunikation gewappnet?

Content Strategy Camp als Treffpunkt der Kommunikatoren

Das Content Strategy Camp (kurz #cosca17) war auch dieses Jahr wieder eine Veranstaltung mit vielseitigen Sessions rund um Content-Strategie und Kommunikation. Und auch dieses Mal waren einige Studierende der Onlinekommunikation auf dem Mediencampus unterwegs und haben sich unter die Barcamp-Besucher und Kommunikationsexperten gemischt.

Tim Bartelsen, Student der Onlinekommunikation im zweiten Semester, nahm das diesjährige Barcamp zum Anlass, um über die Kommunikatoren-Ausbildung der Zukunft zu diskutieren. Wie werden Kommunikationsexperten zukünftig arbeiten. Wie werden – oder müssen – sie ausgebildet werden?

Inspiriert von dieser Session möchte ich folgend einige weiterführende Ideen aufführen.


PR- und Kommunikations-Studium in Deutschland

Um einen ersten Eindruck zu erhalten, in welchen Bereichen Kommunikatoren heute überhaupt ausgebildet werden können, halte ich es für sinnvoll, zunächst Studiengänge im Bereich Kommunikation zu suchen. Studycheck.de listet aktuell in der Fachrichtung PR und Kommunikation 15 Studiengänge auf.

PR- und Kommunikation-Studiengänge in Deutschland
PR- und Kommunikation-Studiengänge in Deutschland, https://www.studycheck.de/studium/medien-kommunikation/pr-kommunikation

Ganz hoch im Kurs stehen dabei traditionelle Public Relations- (bei 8 Hochschulen [HS]) und Unternehmenskommunikation-Studiengänge (9 HS) sowie Kommunikationsmanagement (10 HS) und visuelle Kommunikation (8 HS). Moderne Varianten wie Digitale Kommunikation und Online-Kommunikation sind erst an wenigen Hochschulen vertreten. Aussagen über den inhaltlichen Fortschritt der vermittelten Kompetenzen lassen sich daraus trotzdem nur bedingt schließen – wenn man nicht gerade Zeit und Geld für 15 Vollzeitstudien hat.

Die Grundlagen der Kommunikation zu lehren ist ein wichtiger erster Schritt. Nicht weniger wichtig ist es doch auch, auf zukünftige Entwicklungen einzugehen und vorbereitet zu sein. Die Digitalisierung hat unsere Kommunikation enorm beeinflusst. Digitale Themen sind wichtig für die Kommunikatoren und müssen auch in den klassischen Studiengängen mit aufgegriffen werden.


Aufgaben der Kommunikatoren von morgen

Was muss der Kommunikator von morgen leisten? Wo sind seine Aufgaben? Ich unterscheide hier zwischen drei verschiedenen Rollen, um die Entwicklungen in den verschiedenen Bereichen zu verdeutlichen. Zu jeder Rolle greife ich ein Phänomen oder einen Zukunftstrend auf, der die Aufgaben des Kommunikationsexperten möglicherweise beeinflussen wird. Sicherlich ist diese Auflistung nicht vollständig, doch vermittelt sie einen ersten Überblick über mögliche Herausforderungen für den Kommunikationsexperten.


Die Gestalter – Neue Interfaces, neue Aufgaben

Kommunikationsdesign ist immer noch sehr gefragt in den Hochschulen im Lande. Insbesondere Gestalter, die sich auf User Interfaces spezialisieren wollen, werden sich auf Veränderungen einstellen müssen. Denn Benutzeroberflächen ändern sich und damit auch der Arbeitsbereich für den Designer. Vom Desktop-Rechner zum kleinen Smartphone. Vom Display zum Sprachinterface.

Neben dem klassischen Display-Interface zeigen uns die Big Player aus dem Silicon Valley, dass Sprache immer mehr Bedeutung in der Interaktion und Kommunikation hinzugewinnt. Künftige Kommunikationsdesigner werden sich mit Conversational Interfaces (CI), also Sprachsteuerungen wie Amazons Alexa oder Apples Siri, auseinandersetzen müssen.

Das Design von solchen Interfaces wird immer nutzerorientierter: Nutzerführung und Nutzungskontext müssen für den Anwender effektiv und sinnvoll gestaltet werden, da eine Orientierung für den User ohne visuelle Oberfläche weitaus schwieriger ist.

Künstliche Intelligenz Designer
Zwetana Penova, Die Studierende von heute sind die Designer der Zukunft (https://www.slideshare.net/ZwetanaPenova/die-studierende-von-heute-sind-die-designer-der-zukunft)

Mit Conversational Interfaces haben die Gestalter unter den Kommunikatoren auch Berührungspunkte mit künstlicher Intelligenz. Der Designer wird daher ein Grundverständnis für Mathematik, Soziologie, Psychologie, Software-Entwicklung und Robotik brauchen, um die Sprachinterfaces zu verstehen und eine gute User Experience schaffen zu können.


Die Strategen – Die Qual der Wahl

Fast täglich sprießen neue Apps in den Stores von Android und iOS aus dem Boden. Neue Social Media-Plattformen, neue Messenger. Und damit auch oft neue Formate für digitales Storytelling oder eine noch direktere Interaktion mit dem User.

Kommunikationsstrategen müssen nicht nur dafür sorgen, dass sie mit ihren Unternehmen auf allen Plattformen vertreten sind, wo sich ihre Zielgruppen befinden. Nein, auch direkte Kommunikationswege mit dem Stakeholder müssen durchdacht und Formate entwickelt werden. Die Strategen der Zukunft sollten sich regelmäßig mit den neuen Kanälen und Formaten beschäftigen, um auf dem Laufenden zu bleiben und Strategien auf eine bestmögliche User Journey zu optimieren.

Die Herausforderung ist es, gerade im Studium nicht bei den traditionellen Kommunikationskanälen stehen zu bleiben, sondern stetig neue strategische Möglichkeiten zur Kommunikation zu entwickeln.


Die Produzenten – Maschinen als Herausforderung

„Journalisten per se sind nicht zwingend die besten Content-Strategen. Das haben sie nicht gelernt. Sie sind aber geeignet, Content zu erstellen – und mit anderen Gewerken zu kooperieren.“
Kai Heddergott

Die Digitalisierung ist bereits soweit vorangeschritten, dass immer mehr Textinhalte von Maschinen geschrieben werden. Das Erstaunliche dabei: Roboter können Medien nicht nur lesen, sondern mittlerweile sogar verstehen. „Roboterjournalismus“ ist im Vormarsch.

Diese „semantische Welle der Digitalisierung“ – wie Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Geschäftsführer des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, es Ende letzten Jahres beschrieb (vgl. Quelle) – führt dazu, dass der künftige Journalist und Content-Produzent weitaus gezielter kommunizieren muss, um dem Roboterjournalismus entgegenwirken zu können.

„In Zukunft kommt es […] immer mehr darauf an, den Nutzern die Inhalte zu liefern, die sie wollen, wann sie wollen und wo sie wollen.“
Andreas Eder

Die Content-Produzenten müssen sich näher an der Zielgruppe des entsprechenden Mediums orientieren, den Konsumenten da abholen, wo er aktiv ist und die Werkzeuge einsetzen, die ihnen das jeweilige Medium bieten.


Auch wenn ich hier nun zwischen den drei Rollen „Gestalter“, „Stratege“ und „Produzent“ unterscheide, ist eines wichtig: Zukünftige Kommunikatoren sollten in mehreren Bereichen unterwegs sein und sich Kompetenzen in verschiedenen Disziplinen aneignen. Kommunikatoren arbeiten an der Schnittstelle und sollten sich auch als Generalisten verstehen – bestenfalls mit eigenem Spezialgebiet.


5 Takeaways für angehende Kommunikatoren

Die Entwicklungen sind vielfältig und die Ausbildung von Kommunikatoren muss entsprechend flexibel angepasst werden. Das gilt für die neuen aber auch klassischen Studiengänge, die Kommunikatoren ausbilden.

Obwohl diese Entwicklungen divers sind, habe ich hier fünf Takeaways aus der #cosca17-Session mit Tim Bartelsen entnehmen können:


(1) Spezialisiere dich auf ein Thema.

Es gibt viele, die in der PR- und Marketing-Branche mitmischen. Es ist wichtig sich bereits während der Ausbildung zum Kommunikator klar zu machen, in welchem Bereich man später mal arbeiten möchte. Dafür ist es sinnvoll seine Stärken zu finden und sich gegebenenfalls auf bestimmte Thematiken zu spezialisieren. Ob strategisch, gestalterisch oder im Bereich Management – das Kommunikationsstudium bietet viele Möglichkeiten.


(2) Aber, schau über den Tellerrand!

Auch wenn eine Spezialisierung in ein Thema sehr gut ist, werden heutzutage immer mehr Generalisten gesucht. Es ist wichtig, als Stratege auch in die Produktion reinzuschnuppern, um später Hand in Hand mit Kollegen arbeiten zu können und Arbeitsabläufe zu verstehen.

„Wir brauchen spezialisierungsfähige Generalisten.“
Kai Heddergott


(4) Besuche Barcamps und ähnliche Veranstaltungen.

Eine weitere Möglichkeit sich weiterzubilden und neue Inhalte kennen zu lernen, sind Veranstaltungen wie BarCamps oder Konferenzen wie die re:publica. Dort erhält man oft viel neuen Input und trifft neue Leute aus der Branche.


(5) Vernetze dich mit Branchenkollegen!

Neue Leute kennenzulernen ist in der Arbeitswelt der Kommunikatoren äußerst wichtig. Vernetze dich also mit deinen Arbeits- und Branchenkollegen und sammle fleißig (digitale) Visitenkarten. Vielleicht brauchst du diese Kontakte später mal für eigene Projekte.


Die Kommunikatoren von morgen müssen kommunikativ, flexibel und vor allem interessiert sein. Interessiert an dem was ist und dem was kommt.


tl;dr

Was müssen die Kommunikatoren der Zukunft leisten? Wie müssen sie dafür ausgebildet werden? Ob Stratege, Gestalter oder Produzent. Das Kommunikationsstudium bietet vielfältige Möglichkeiten. Die Zukunft bietet uns diverse Entwicklungen, die die Aufgaben von Kommunikationsexperten beeinflussen. Neue Interfaces, mehr Kanäle und Maschinen als Herausforderer. Die Kommunikatoren von morgen müssen daher kommunikativ, flexibel und interessiert sein.


In diesem Zusammenhang auch interessant:

Kundenservice 2.0: Kommuniziere ich bald nur noch mit einem Roboter?

Quellen

Personalisierter Content (und woher er kommt)

Die Zeiten, in denen Content für jeden gleich aussah sind schon lange vorbei. Personalisierte Inhalte sind auf dem Vormarsch und aus vielen Online-Angeboten nicht mehr wegzudenken.

Aber wie funktioniert das?

Zuerst einmal sollte sich jeder, der beim Browsen keine Anonymisierung verwendet (Proxys, Private Modus des Browsers etc.) bewusst sein, dass er auch personalisierte Inhalte angezeigt bekommt. Ob er nun will, oder nicht. Kann man sich dagegen wehren? Ja. Aber dazu später mehr.

Am einfachsten lässt sich Personalisierung am Beispiel von Amazon erklären. Jeder der das Onlineshopping-Portal schon einmal benutzt hat weiß, dass die Startseite nach jeder Suche anders aussieht. Der Grund dafür liegt auf der Hand – Amazon versucht, sich unseren Interessen anzupassen und somit schneller Kaufanreize zu schaffen. Unsere vergangenen Suchanfragen sind mit unserem Nutzerkonto verknüpft und so fällt es Amazon leicht, Muster und Präferenzen zu erkennen. Trotzdem funktioniert diese Anpassung auch, wenn wir gar nicht eingeloggt sind. Wie das?

Kekse! Kekse überall!

Kekse? Ja, Kekse. Cookies um genau zu sein. Cookies sind kleine Textdateien, die Webseiten in unserem Browser speichern und auch wieder abrufen können. Sie enthalten unter anderem Informationen über zuvor besuchte Seiten, Sprache, Standort, Interessen etc..

Viele Websitebetreiber machen sich Cookies zunutze, indem sie ihr Angebot entsprechend der gespeicherten Informationen anpassen. Für viele mag sich das überraschend, oder sogar erschreckend anhören, doch ohne Cookies, würde im Internet so einiges komplizierter werden. Beispielsweise sind sie notwendig, um Nutzer beim Login zu authentifizieren (durch sog. Session-IDs)

Wer sich genauer über die Funktionsweise von Cookies informieren möchte, kann das hier tun.

Amazon Cookies
Mit Google Chrome lassen sich gespeicherte Cookies ganz einfach anzeigen: F12 drücken, auf den Menüpunkt „Applications“ navigieren und links auf „Cookies“ klicken

Der gläserne Nutzer?

Die Personalisierung von Content ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass Onlineportale detaillierte Verhaltensmuster über ihre User erstellen und auswerten können. Hier ein Beispiel:

Ich bestelle über Amazon üblicherweise Technikprodukte, wie PC-Komponenten. Dementsprechend sieht auch meine persönliche Startseite aus:

Personalisierte Amazon Startseite
Personalisierte Amazon Startseite

Anfang jedes Jahres hat meine Mutter Geburtstag. Von mir bekommt sie unter Anderem immer eine neue CD von Künstlern, die ihr gefallen könnten. Logischerweise werden diese ebenfalls über Amazon geordert, wer fährt denn auch heute noch zu Media Markt, um sich eine CD zu kaufen?

Die Webanalyse-Abteilung bei Amazon sieht das und zieht Ihre eigenen Schlüsse aus diesem Verhalten. Grob herunter gebrochen könnte das ungefähr so aussehen:

 

Nutzer ist Technik-Fan -> Wir zeigen ihm Produkte, die in diese Kategorie fallen

Einmal im Jahr (immer im Januar) bestellt Nutzer eine CD mit ruhiger Gitarrenmusik -> Auffälliges verhalten, das vom üblichen Schema abweicht

Interpretation: Jedes Jahr im Januar ist ein wiederkehrendes Event an dem Nutzer eine andere Produktkategorie verwendet

Reaktion: Jeden Januar werfen wir ihm CDs mit ruhiger Gitarrenmusik auf die Startseite, damit er auch nicht vergisst bei uns zu bestellen

 

Und plötzlich darf ich mir jeden Januar folgendes Ansehen:

Personalisierte Amazon Startseite
Personalisierte Amazon Startseite

Maschinen steuern unsere Customer Journey

Das obige Beispiel ist an Komplexität kaum zu unterbieten und dient nur zur Veranschaulichung. Der aktuelle Stand der Personalisierung ist aber schon viel weiter.
Beispielsweise versucht Google derzeit mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, Werbeanzeigen immer mehr auf den individuellen User abzustimmen.

Aber wollen wir das? Sollen zukünftig nur noch Algorithmen darüber entscheiden, welche Produkte wir auf Amazon angezeigt bekommen? Und wie viele Informationen will ich überhaupt über mich preisgeben? All diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten, es gibt sowohl Vor- als auch Nachteile durch diese Entwicklung. Für diejenigen, die sich von diesem Trend eher abwenden wollen, gibt es aber diverse Möglichkeiten, Tracking und Personalisierung zu verhindern.

Beispielsweise bietet jeder Browser einen Privaten Modus (Chrome: Inkognito-Modus, Firefox: Privater Modus, Safari: Privates Surfen). Dieser verhindert unter anderem, dass Cookies von Webseiten dauerhaft im eigenen Browser gespeichert werden. Zusätzlich bieten alle modernen Browser die Möglichkeit, sogenannter „Do-Not-Track-Anforderungen“ (DNT)  zu senden. Diese verhindern, dass Persönliche Daten zur Erstellung von Benutzerprofilen gespeichert werden. Diese bieten jedoch leider keine 100%ige Sicherheit, da viele Websitebetreiber DNTs nicht mehr akzeptieren.

Wem das noch nicht reicht, kann zusätzlich durch die Verwendung von einem (oder mehreren) Proxyserver(n) seine Identität und seinen Standort verschleiern. Was das ist und wie das funktioniert, lässt sich hier nachlesen.

 

 

Quellen:

Slideshare Ferdinand V. Seggern Im Rahmen des #cosca17 (23.06.2017)

„Personalisierung in Online-Shops – was bringt es und wann funktioniert es?“ – Novalent Magazin (09.06.2015)

Schockwerbung: Ein aggressives Mittel für das gesellschaftliche Wohlergehen

 

Werbung überrascht und begeistert uns, sofern sie ansprechend gestaltet ist. Um jedoch erfolgreich zu sein, muss die Aufmerksamkeit des Rezipienten erlangt werden. In Zeiten der Informationsflut und sämtlichen AdBlockern wird das jedoch immer schwieriger.  Ein Ansatz, um schnell Aufmerksamkeit zu gewinnen, ist Schockwerbung. Dabei setzen die Produzenten meist auf Angst und Empörung. Ein gutes Beispiel dazu ist Anfang April in Paris entstanden.

 

Frankreich kämpft seit längerem mit unvorsichtigen Fußgängern, welche des Öfteren bei Rot über die Ampel gehen. Die Franzosen sind jedoch hierbei nicht die Einzigen. Ein kurzer Blick auf die Straßen der Großstädte zeigt, dass es mittlerweile ganz normal ist, bei Rot über die Ampel zu gehen. Die Zahl der Verkehrstoten in der EU ist nach 14 Jahren erstmal wieder gestiegen (Stand 2015). Im Kampagnen-Video wird die Zahl der jährlichen Verkehrsopfer in Paris auf 4.500 geschätzt. Dabei sind ausschließlich Fußgänger gemeint.

 

Rot gleich Tod? Die Kampagne!

 

Die digital ausgelegte Kampagne “La Securite Routiere d’île-de-France” der französischen Verkehrsbehörde (DRIEA) versucht nun, das Bewusstsein der Menschen dahingehend zu wecken. Dies scheint zu gelingen: Das Video zur Kampagne hat mehr als 235.200 YouTube Views und weist 2.730.000 Ergebnisse bei der Google Suche auf (Stand Juli 2017). Die Idee der Kampagne ist simpel und genial. Überquert ein Fußgänger bei Rot die Ampel, ertönt von der Reklametafel ein Geräusch eines rasenden Autos. In diesem erschreckenden Moment wird ein Bild aufgenommen und auf die nahe liegende Anzeige übertragen. Das entstandene Portrait wird mit einer Message ergänzt, welche die Betroffenen zum Nachdenken anregen soll.

Die Reaktionen sind erschreckend und aus diesem Grund auch sehr authentisch. Aufgrund des lauten Tons und der Unvorhersehbarkeit des Vorgangs wird auch der Video-Zuschauer in den Bann gezogen. Die Fußgänger sehen sich selbst, wie sie dem Tod (digital) ins Auge blicken. Glücklicherweise ist von einer echten Gefahr in dem Moment abzusehen, der Schock sitzt tief.

Es sind die ungewohnten Situationen, die die Betroffenen aus dem Alltag reißen. Nach einem kurzen Entsetzen folgt die Einsicht, dass man mit dieser Unaufmerksamkeit sein Leben riskiert.

 

“Even a slight wrong move can be your last – don’t take the risk to face death.” Mit diesem Satz endet das Video, womit die Message ein letztes Mal gekonnt platziert wird. Die Schockwerbung ist außerordentlich emotional geladen, was den viralen Hit in so kurzer Zeit erklärt. Es ist ein umfassendes Thema, welches die Mehrheit betrifft und direkt adressiert.

Anzeige mit Momentaufnahme des Schocks

Erste Erfolge durch Schockwerbung

Die Reaktion der Medien steigert die Bekanntheit und Relevanz dieser Kampagne. In vielen Beiträgen wird bereits versprochen, dass man NIE wieder über eine rote Ampel gehen wird. Das deutsche Internetportal Web.de hat hierzu eine fortlaufende Abstimmung veröffentlicht.

Ist die Maßnahme der Schockkampagne zu extrem?

 

Könnten Sie sich eine derartige Maßnahmen auch in Deutschland vorstellen?

Bildquelle: Web.de/Magazin/Leben/digital/SieSiehtDemTodInsAuge, 19.05.2017

Obwohl ein großer Teil der Befragten die Schock-Kampagne befürwortet, bleibt die Meinung geteilt. Kritiker argumentieren, dass der Schreck zu groß sei und mit einer echten Gefahr verbunden sein könnte. Vor allem ältere Menschen könnten ernsthafte Folgen von diesem Schock mit sich tragen, was die Eignung dieser Kampagne in Frage stellt. Andere verteidigen weiterhin das Überqueren der Straße bei Rot. Sofern man sicherstellt, dass keine Gefahr in Sicht ist, sei es für sie in Ordnung. Die ersten Komiker haben bereits die Idee, den Bewegungssensor absichtlich einzuschalten, um ein lustiges Bild von sich zu schießen.

 

Auch wenn die Meinungen gespalten sind, zeigt die Kampagne ihre Wirkung. Unzählige Menschen tauschen sich über ein Verhalten aus, welches man in der Regel im Kindesalter beigebracht bekommt.

 

Doch nicht nur die Franzosen versuchen mit aggressiven Mitteln gesellschaftskritische Themen anzugehen. Seit Mai 2016 sind auf den Zigarettenschachteln schockierende Bilder abgedruckt, die die Folgen von Tabakkonsum darstellen. Ob diese Methode in Deutschland jedoch wirklich erfolgreich ist und die Raucherzahl vermindert, bleibt fraglich. Die Meinungen dazu spalten sich ebenfalls. Nichtsdestoweniger ist die Kauflust beim Anblick dieser Bilder bei den Rauchern gesunken.  Aufmerksamkeit hat diese Aktion sicherlich auf sich gelenkt, doch tritt der gewünschte Erfolg auch in Zukunft weiterhin auf?

 

AIDA – auf Attention kommt es an, egal wie

 

Treu der bekannten Werbeformel AIDA setzt die Schockwerbung auf Aufmerksamkeit – und das um jeden Preis. Der Eyecatcher ist nicht zu übersehen und ruft meist negative Gefühle hervor. Solche Gefühle und Themen, mit denen man sich länger auseinandersetzt, als mit einem heiteren Witz. Genau diesen Denkanstoß hat die Schockwerbung als Ziel. Neben dem reinen Konsum sollen sich die Rezipienten ernsthafte Gedanken machen und ihr “Fehlverhalten” überdenken. Damit verspricht sich diese Methode einen langfristigen Erfolg, da die Menschen davon “abgeschreckt sind”.

 

Die drei wichtigsten Komponenten der Schockwerbung sind:

1.Unverwechselbarkeit: Anders sein und charakteristisch auffallen!

2.Mehrdeutigkeit: Mehr Menschen erreichen, indem man Platz für Interpretationen lässt.

3.Überschreitung von Grenzen: Durch die Nichtbeachtung von gesellschaftlichen Konventionen wird das Publikum zum Nachdenken angeregt.

 

Der Überraschungseffekt, welcher bei der Schockwerbung auftritt, beschleunigt den Prozess der Informationsverarbeitung. Menschen reagieren kognitiv stärker auf Inhalte, die sie nicht erwarten. Zudem steigt ihre anschließend auftretende Neugierde und entwickeln eigene Assoziationen diesbezüglich. Auf diese Weise nehmen sie sich die Botschaft zu Herzen und bemühen sich dementsprechend zu handeln.

 

Der Vorreiter ist und bleibt United Colors of Benetton

Schockwerbung ist nichts Neues und wird von manchen mutigen und gesellschaftskritischen Organisationen angewandt. In den 1980er Jahren überraschte mit United Colors of Benetton ein Unternehmen die Rezipienten mit seiner “unangebrachten” Werbung. Mit ihrer Werbekampagne lösten sie einen öffentlichen Skandal aus. In der Fotostrecke waren eine Nonne und ein Pfarrer küssend abgebildet. Andere Plakate zeigen die blutige Uniform eines ermordeten Soldaten. Während vor allem die älteren Rezipienten empört reagierten, verstand die junge Zielgruppe das Statement hinter den schockierenden Bildern. Die bewusstseinskrititschen Themen Krieg, Kulturen oder AIDS wurden öffentlich stark diskutiert. Der Bekleidungskonzern zielte in erster Linie auf die Steigerung des sozialen Bewusstseins ab. Sie lenkten die Aufmerksamkeit auf soziale Missstände, indem sie das Publikum mit Tabuthemen provozierten.

 

Im Gegensatz zu NGOs ist für viele Unternehmen das verbundene Risiko mit Schockwerbung viel zu hoch. Neben einer negativen Rückmeldung, Umsatzverlusten oder Produkt-Boykotten, kann es auch zu einem Imageverlust kommen. Dennoch trauen sich einige “Rebellen”, unsere Gesellschaft zu kritisieren und gehen mit ihrer Werbung in die Geschichte ein. Einen langfristigen Erfolg kann die Schockwerbung haben, wie im Fall von United Colors of Benetton. Denn wer hätte gedacht, dass eine 20-Jährige Studentin über eine Werbung schreibt, die sie nie live gesehen hat?

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Schockwerbung ist ein effektives Mittel, welches von einigen mutigen und gesellschaftskritischen Organisationen angewendet wird. In den 1980er Jahren überraschte United Colors of Benetton die Rezipienten mit seiner “unangebrachten” Werbung. Seit April 2017 setzt eine französische Kampagne auf dieses Instrument, um seine Bürger davon abzuhalten, bei Rot über die Straße zu gehen.

 

Die 100 Millionen Challenge

„Im Gegensatz zu vielen anderen hier wollen wir tatsächlich etwas verkaufen“ – Mit diesen Worten leiteten Selina und Max von Mynewsdesk ihre Session beim Content Strategie Camp 2017 in Dieburg ein. Mynewsdesk (im Folgenden MND), eine Plattform für digitale PR mit Hauptsitz in Stockholm, stellt die 100 Millionen Challenge vor. Die beiden Mitarbeiter der Niederlassung in Leipzig erklären, was  Mynewsdesk geschafft hat. Aber was ist die 100 Millionen Challenge? Warum hat man davon so wenig bis gar nichts gehört? Und was meinen die mit 100 Millionen?

Royal PR – Eine Kampagne aus dem Königreich

Die 100 Millionen Challenge wurde von den Londoner MND Kollegen ins Leben gerufen und fand auf der Insel großen Zuspruch. Eine Herausforderung mit einer Earned Media Kampagne 100 Millionen Menschen erreichen: Wie also kann ein mittelständiges Unternehmen mit der Kommunikation so erfolgreich sein? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, fangen wir bei null an.

Früher erzählte man sich spannende Geschichten aus aller Welt am Lagerfeuer. In Zeiten von Web 2.0, Industrie 4.0 und Big Data sieht das anders aus. Man muss die Menschen dementsprechend abholen und mitnehmen. Ziel war es, eine Herausforderung einzugehen, einem mittelständigen Unternehmen mit einer einzigen Geschichte die 100 Millionen „Aufrufe“ zu ermöglichen und dabei moderne Technologien einzusetzen. Und das alles in einem kurzen Zeitraum. Voraussetzung: Das Unternehmen sollte eine coole Message mit entsprechendem Produkt mitbringen, jedoch bereit für purpose-driven communication, also einer zielgerichteten, zweckmäßigen Kommunikation, sein. Max erklärt, dass sie damit weg von der direkten Produktkommunikation und sich mehr zu einem höher gelegenen Ziel bewegen wollen.

Safety First! Zwei Stufen, ein Unternehmen

Moderne Herausforderungen und kleine Stufen wurden hier verbunden: Auf der ersten Stufe galt es, ein passendes Unternehmen aus rund 500 Bewerbungsmails zu wählen. In gleichem Zuge wurde eine Partneragentur hinzugezogen, um Content und Ideen umzusetzen, denn das Produkt ist eine Softwarelösung (dran bleiben! 😉 ). Die zweite Stufe beschrieb, nicht mehr und nicht weniger, die Konzeption der Kampagne.

Aber wer ist denn nun dieses coole Unternehmen?

Es ist niemand geringeres als Hövding! Was für’n Ding? Hövding, das sind die, die diesen Fahrrad-Airbag erfunden haben. Genau der, welcher sich bei einem Sturz automatisch öffnet. Hövding deshalb, da es als mittelständiges Unternehmen mit innovativem Produkt und einer positiven Agenda alle Voraussetzungen seitens MND erfüllt. Hinzu kam die Bereitschaft, ein kleines Risiko einzugehen und mehr auf Awareness zu setzen. Für MND hieß das: Safety First, eben.

Give a Beep

Mit einer kreativen Kampagne ohne Paid-Media, also nur mit dem Produkt und der Kampagnenstory eine hohe Reichweite generieren – die nächste Herausforderung.
Entstanden ist „Give a Beep“. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl der Radfahrer in London fast verdreifacht. Damit stieg auch die Gefahr auf mehr Unfälle deutlich.

„I’m supposed to press this [Flic] when I feel scared or frustrated. That’s when I give a beep.“ sagt ein 11-Jähriger Radfahrer aus London im Kampagnenvideo.

Insgesamt wurden 500 Radfahrer in der englischen Hauptstadt mit einem sogenannten Flic, einem GPS-Gerät, ausgestattet. Trifft man auf einen gefährlichen Spot, drückt man auf diesen Flic, welcher die Koordinaten an eine interaktive Karte sendet. Man sendet also einen „Beep“. Eine Karte mit potenziellen Gefahrenstellen war jedoch nicht der einzige Zweck dieser Aktion. Mit jedem Beep wurde eine Mail an Londons Bürgermeister, Sadiq Khan, gesendet. Sein Postfach wurde regelrecht überflutet, denn es waren während des Kampagnenzeitraums insgesamt 5000 Mails bzw. Gefahrenstellen.
Jeder Besitzer dieses Flics konnte damit das Leben anderer Radfahrer retten und zur Verkehrssicherheit Londons beitragen. Toller Nebeneffekt für ein Unternehmen, das maßgeblich zur Sicherheit von Bikern beiträgt: Der Absatz hat sich verdoppelt.

Timeline in Zahlen

Im März 2016 begann die vierwöchige Bewerbungsphase bei MND. Der Partner (Hövding) stand im April fest und so startete die Konzeption, deren Ergebnis Give a Beep war. Es folgte die Bespielung sämtlicher Kanäle über ein von MND entwickeltes Tool. Mit drei Veröffentlichungen pro Woche wurden Blogbeiträge, Videos, Social Media Posts, Pressemitteilungen und News auf den verschiedensten Kanälen gestreut. Ende Juli 2016 war es soweit und so wurden 100 Millionen einzelne Personen erreicht. An dieser Stelle muss ich eines erwähnen: Ja, es wurde zu Anfang von 100 Millionen Aufrufen gesprochen. Jetzt sind es plötzlich erreichte Personen. Ich war etwas enttäuscht…
Zurück zu den Zahlen: Es wurden 4000+ Shares auf Social Media, 8500+ Views auf Facebook und YouTube, 2780 Besuche des Newsrooms (eine Steigerung von 297%), eine doppelte Sales-Rate wie im Vorjahr, internationale Reichweite und somit insgesamt 100 Millionen Menschen erreicht. (Das war Clickbaiting im Sessiontitel, nicht aber von mir).

8 Schritte zu Earned Media

Zum Ende der Session gab es noch ein kleines Extra: Worauf sollte man bei Earned-Media-Kampagnen wie Give a Beep achten? Eine einfache Schritt-für-Schritt-Übersicht:

Tipps für Earned Media - 8 Schritte zu Earned Media

Mehr zum Linkedin-Profil hier und hier.

Klingt alles sehr logisch und vertraut, als grobe Gedankenstütze ist es vielleicht hilfreich.

*Alpha Publikum (auch Alpha-Audience) sind Menschen, die sich mit den gleichen Themen beschäftigen wie ein Unternehmen. Für uns heißt das: Leute, bei welchen es von Anfang an klar ist, dass sie sich für ein bestimmtes Thema interessieren werden und dafür nicht gecatched werden müssen.

Was haben nun die Schweden damit zu tun?

MND setzt sich laut Max intensiv damit auseinander, wie PR funktioniert. So haben sie vier Punkte definiert, die sie dabei als Schwerpunkte sehen:

Schwerpunkte Mynewsdesk PR

Eine Software namens „Newsroom“, welche diese vier Punkte abdeckt, wurde daraus entwickelt und lässt sich durch das Erwerben einer 12-monatigen Lizenz als Content-Hub in den Presse-/ Publishbereich eines Unternehmens implementieren. Damit lässt sich Content gegliedert in mehreren Bereichen einfach verbreiten. So bietet die Software allerhand wichtige Tools wie ein Karussell der letzten Veröffentlichungen, einen Bereich für Veranstaltungen, Bilder und Videomaterial, Social Media Feeds, Ansprechpersonen, Pressemitteilungen, News und mehr. Der Newsroom soll Beziehungen zu Journalisten vereinfachen und Zeit für persönliche Beziehungen zu diesen geben (Stichwort: follow-up). Nüchtern betrachtet ist der Newsroom also ein Management-Tool für den Pressebereich der Website.

 

Mynewsdesk Hövding Newsroom
Screenshot: Der Pressebereich von Hövding mit dem Mynewsdesk Newsroom-Tool (Quelle: Hövding www.hovding.de / Mynewsdesk https://www.mynewsdesk.com/de/hovding).

Um niemandes Arbeit kleinzureden kann dieses Tool natürlich enorm helfen. Denn mit integriertem Timer für Veröffentlichungen, Dokumenten-Upload-Möglichkeit (Bspw. Pressetexte als PDF) und nach Zielgruppe und Thema kategorisierte Kontakt- und Verteilerlisten. Gibt es also eine neue Mitteilung zum Thema Auto, wählt man seine entsprechende Kontaktliste, um Redakteuren und Journalisten aus der passenden Branche Bescheid zu geben. Umgekehrt funktioniert das auch: Journalisten können den Newsroom abonnieren und bekommen bei jeder Neuigkeit eine Mitteilung. Außerdem kann die Reichweite ausgewertet werden, fast im Google-Analytics-Style. Praktisch.

Durch dieses Tool hat die Kampagne für Hövding die 100 Millionen erreicht.

Die eigenen Hände

Am Ende des Tages liegt es natürlich in der eigenen Hand: wollen wir etwas Eigenes auf die Beine stellen und jeden noch so kleinen, auch mal nervigen, Schritt per Handarbeit, aber mit Liebe ausführen oder wollen wir unsere Daten für eine Jahresgebühr von 230€ aufwärts (Quelle: arcticstartup) aus der Hand geben? Das bleibt nun jedem selbst überlassen.

Fünf Tricks zur Erkennung von Verhaltensmanipulation

Als Mensch wird man jeden Tag aufs Neue unterbewusst manipuliert. Angefangen im Supermarkt, der mit einer Wohlfühlatmosphäre lockt, um Kunden zum Kauf zu animieren.  Günstigere Produkte stehen unten im Regal, teurere dagegen auf Augenhöhe, weil der Blick dort zuerst hinfällt. An der Kasse, der „Quengelzone“ stehen dann genau die Produkte, die man eigentlich nicht braucht, aber unbedingt haben möchte. Natürlich fallen die beim Warten immer besonders ins Auge.

 

Google Werbeanzeigen für Schuhe

 

Psychologische Tricks zur Verkaufsförderung werden aber nicht nur im Supermarkt angewendet. Webseiten wenden diese Phänomene auch an. Google zeigt seine Ads beispielsweise ganz oben in den Suchergebnissen an, weil darauf der Blick der Nutzer als Erstes fällt. Aber auch andere Seiten nutzen Tricks, um das Nutzerverhalten zu beeinflussen. Ferdinand von Seggern stellte beim Content Strategy Camp fünf dieser psychologischen Kniffe zur User Manipulation vor:

 

  1. Endowment Effekt – Anreize schaffen:

    Netflix, Amazon oder Spotify nutzen dieses Phänomen besonders gerne. Sie bieten einen gratis Probemonat oder besonders günstige Angebote an, um ihre Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Ist der Anreiz erst einmal da, möchten viele Neukunden den Dienst nicht mehr aufgeben und willigen ein auch höhere Summen dafür zu bezahlen. Psychologisch gesehen liegt es daran: Besitze ich etwas, ist der gefühlte Wert der Sache höher. Das heißt ich sehe die Sache als wertvoller an, als sie tatsächlich ist. Marketer nutzen den Endowment-Effekt und schicken Warenproben oder bieten Probeabos an. Es reicht aus, dass mir z.B. ein Kleidungsstück einfach nur zugeschickt wird. Ich probiere es an, betrachte es im Spiegel und baue so eine Bindung auf und möchte es behalten. Dafür nehmen Nutzer sogar eine deutliche Preissteigerung in Kauf.

     

  2. Vorsprung durch Investitionen:

    Nutzer, die am Anfang eine Investition getätigt haben, bekommen einen Vorsprung. Viele Spieleapps wie Farmville sind so erfolgreich geworden. Ich kann mir zu Beginn des Spiels durch Geld einen Vorteil gegenüber anderen Spielern verschaffen, indem ich mir zum Beispiel ein besseres Gartengerät leiste. Bietet das Spiel dann zu einem späteren Zeitpunkt ein kostenloses Gerät mit mehr Vorteilen an, bleiben trotzdem viele Spieler bei ihrem alten. Denn sie haben für ihr Werkzeug vorher Geld ausgegeben, also haben etwas investiert.
    Dieses Prinzip wird auch bei vielen Treuekarten genutzt, funktioniert also auch “ohne Geld”. Wenn ich schon vier Getränke im selben Laden gekauft habe, möchte ich auch das fünfte, um ein Freigetränk zu erhalten. Habe ich einmal mit einer Aktion angefangen, dann möchte ich sie auch für mich nutzen und einen Vorteil daraus ziehen.

     

  3. Appointment Dynamic:

    Nutzer erstellen sich zu einem Zeitpunkt einen Account auf einer Plattform. Wenn sie kontinuierliche Vorteile davon haben, kommen sie wieder. Das „Payback-Prinzip“ gibt es schon seit Jahren. Ich melde mich einmal an und bekomme immer wieder Rabatte dafür. Spotify hat  dieses Phänomen auch ins Internet übertragen. Nach der Anmeldung kann man kostenlos und unbegrenzt Songs hören. Anders würde es aussehen, wenn man nur eine begrenzte Anzahl von Liedern hören könnte und  dafür bezahlen müsste: Ohne Appointment Dynamic wäre Spotify niemals so erfolgreich geworden.

     

  4. Cognitive Load Theory:

    Der mentale Aufwand für eine Sache muss so gering wie möglich sein. Denn es gibt viele Nutzer, die schnell ein bestimmtes Ziel erreichen wollen. Die Theorie erklärt sich eigentlich von selbst. Je weniger Schritte ich zum Beispiel bei einem Anmeldeprozess brauche, desto größer wird die Conversionrate sein.
    Dieses Phänomen ist mir selbst vor wenigen Wochen begegnet. Auf einer Immobilienseite hätte ich mich erst anmelden müssen und hätte zusätzlich sehr viele Daten preisgeben müssen. Auf einer anderen Seite hatte ich die Möglichkeit dem Anbieter ohne Anmeldung eine Nachricht zu schreiben. Auch wenn die andere Variante eventuell sicherer ist, habe ich mich für die schnellere der beiden entschieden und dort eine Anfrage verschickt. Das Ziel der Cognitive Load Theory laut von Seggern: „Komplexe Systeme einfach nutzbar machen.“

     

  5. Processing Fluency:

    Hierbei geht es darum, dass einfache Informationen besser verarbeitet werden können und eher im Gedächtnis bleiben. Ist eine Seite zu kompliziert aufgebaut und enthält zu viele Informationen auf einmal, verarbeitet der User die Informationen langsamer und springt schneller ab. Entscheidend dabei ist auch das Design einer Webseite.

     Unübersichtliche Startseite von Otto.deDie Seite von Sieh mich an ist übersichtlicher im Design

     

    Bei diesen zwei Beispielen sieht man einen schönen Unterschied. Bei Otto findet man sich erst nach ein paar Minuten auf der Seite zurecht. Die Seite von Sieh an ist dagegen übersichtlicher mit weniger zu verarbeitenden Informationen gestaltet.

    Ein guter Tipp ist zum Beispiel bei einem Bestellprozess immer anzuzeigen, wie viele Schritte der Nutzer noch vor sich hat und wo er sich gerade befindet. So weiß dieser auf was er sich einlässt.

 

Marketer nutzen diese Phänomene gerne für sich um User für ihre Website oder ihr Produkt zu begeistern. Durch diese Auswahl von Tricks beeinflusst man Nutzer unterbewusst. Sie bauen eine Bindung zur Webseite und dem Produkt auf. Eine engere Bindung verbessert im Endeffekt auch die Conversionrate.

 

Quellen:
https://www.slideshare.net/FerdinandvSeggern/einfhrung-in-die-user-manipulation-70136474
http://t3n.de/news/sanfte-manipulation-5-einfache-619087/
http://www.werbepsychologie-verkaufspsychologie.de/erklaerung-endowment-effekt

https://www.wuv.de/marketing/werbewirkung_einfach_ist_schwer


Bildquellen:

  1. https://www.google.de
  2. https://www.otto.de
  3. https://www.sieh-an.de

#NewWork – Heute regiert die Digitalisierung den Arbeitsplatz

„Ein Analoger wird bei uns nicht happy – wie sollen wir mit ihm kommunizieren? Briefe schreiben?“ – Florian Bauhuber, Geschäftsführer von Tourismuszukunft.

In den frühen 80iger Jahren war der Schreibtisch eines Manangers vollgestellt mit diversen Büchern, Akten, einem Faxgerät, einem Taschenrechner, einem Telefon, einem Kalender, Bilder an der Wand und einem Computer, dessen Bildschirm fast so breit wie der Tisch selbst war. Fast 40 Jahre später sind Bilder an der Wand, sowie Faxgerät oder Bücher überflüssig geworden. Denn der Beschäftigte von heute benötigt nun nicht mehr als einen Laptop, sein Smartphone, Internetzugang und bei Sonnenschein die Sonnenbrille. Und Schuld daran ist die Digitalisierung!

 

Die Agentur Tourismuszukunft

Florian Bauhuber ist seit 2008 Geschäftsführer von Toursimuszukunft. Auf dem #cosca17 beschrieb er den Weg seiner Agentur in die Digitalisierung. Das Interesse der Barcamp-Besucher war groß – der Zweifel, ob dieses Arbeitsmodell wirklich nachhaltig ist auch. Florian setze sich entspannt auf den Tisch und leitete die Session mit den Worten, „Wir waren mal das…“ ein. Auf seiner Folie sind ca. 20 Mitarbeiter im typisch adretten Anzug und einem gezeichneten Lächeln zu sehen. Wer kennt es nicht? Das typisch deutsche Arbeitsmodell: ein lokales Büro, mehrere Arbeitszimmer, die neben Tischen und Stühlen ausgestattet mit Grünpflanzen sind, Arbeitszeiten von 8-17 Uhr, Überstunden werden hingenommen und für die Mitarbeiter ist der beliebteste Weg, der zum Kaffeeautomaten oder der Toilette. Florians Agentur hingegen glänzte zusätzlich mit einem Tischkicker, der in der Mittagspause oder nach Feierabend für den Spaßfaktor sorgte. „Wir dachten, wir sind eine coole Firma, in der jeder sein will.” Florian Bauhuber berichtete davon, wie sich gut ausgebildete Mitarbeiter nach und nach aus der Firma verabschiedeten. Ist die Digitalisierung Schuld daran? Florian vermutet, „Ihr Drang nach Offenheit, Neugier und Flexibilität ist einfach zu groß, um sie an einen Ort zu binden.”, deshalb zog der Geschäftsführer rechtzeitig die Notbremse und leitete die Transformation ein.

 

Flexible Arbeitsplätze machen den Anfang

Laut einer Umfrage von Indeed im Jahr 2016, ist ein flexibler Arbeitsplatz für drei Viertel der deutschen Arbeitnehmer ein wichtiges Kriterium (vgl. Presseportal, 2016). Die Werbeagentur „be a part“ in Darmstadt transformierte sich beispielsweise aus einer strukturierten und hierarchischen Arbeitsweise zu einem flexiblen Arbeitsplatz: Geschäftsführerin Nancy Graf unterschreibt nun keine Urlaubsanträge mehr. Ihre Arbeitnehmer entscheiden seit 2014 selbst, wann, wo und wie viel sie arbeiten. Dieses Arbeitsmodell funktioniert hervorragend und wird gerne von den Mitarbeitern angenommen, die dadurch motivierter, entspannter und vor allem produktiver sind. Trotz Arbeitsplatzfreiheiten stellt die Geschäftsführerin ein lokales Büro mit hauseigenem Fitnessraum für ihre Mitarbeiter zur Verfügung, das von vielen regelmäßig und zum intensiven Austausch genutzt wird. Tourismuszukunft hingegen ging einen Schritt weiter. Florian Bauhuber transformierte seine Agentur zu einem Netzwerkunternehmen ohne Büro. Er schaffte den Spagat zwischen Vertrauensarbeit und Home-Office.

 

Die Transformation zum Netzwerkunternehmen

Netzwerkunternehmen, New Work oder digitale Nomaden – wie soll man ein Unternehmen oder eine Agentur und die Mitarbeiter beschreiben, die ihre Arbeit ohne lokales Büro, ohne feste Arbeitszeiten und ohne sesshaftes Arbeitszimmer verrichten? Lassen wir die Benennung nebensächlich sein. Denn eins wird deutlich: die Arbeitswelt steht im Umbruch und die Digitalisierung trägt einen großen Anteil dazu bei. Florian Bauhuber reagierte darauf mit sieben Glaubenssätzen, die ich in wenigen Sätzen erläutere:

(1) Zusammenarbeit funktioniert besser in Netzwerken statt in Silos

Die Digitalisierung fordert hohe Flexibilität, Dynamik und lebenslanges Lernen in allen Bereichen unseres Alltages. Um diesen Ansprüchen auch in einem Unternehmen gerecht zu werden, ist ein Umdenken im klassischen Projektmanagement nötig. Silodenken und Projekte mit langwierigen Entscheidungsabwicklungen von oben haben im 21. Jahrhundert kaum noch Bestand. Agile Projekte öffnen Türen für schnelle Reaktionen und Innovation.

 

(2) Informationen dürfen nicht mehr aus machtpolitischem Interesse einbehalten, sondern müssen geteilt werden

Wie sagt ein schönes Sprichwort? Sharing is caring! Weg vom Konkurrenzdenken hin zum Wissensaustausch untereinander. Das fördert den Teamgeist, die Motivation und die Qualität der Arbeit.

 

 (3) Führungskräfte sind Ermöglicher und keine Herrscher

Florian Bauhuber ist zwar Geschäftsführer von Tourismuszukunft, jedoch nimmt er nicht die Rolle eines Herrschers ein. Er ist der Ermöglicher:

Florian Bauhuber twittert

 (4) Vielfalt schlägt Spezialisierung

Das Unternehmen hat die Erfahrung gemacht, dass Vielfalt effektiver als Spezialisierung ist. Jeder Netzwerkpartner* hat unterschiedliche Interessen und Arbeitserfahrungen in unterschiedlichen Bereichen. Jeder Einzelne bringt Vielfalt in die Agentur, die nicht durch starre Strukturen eingegrenzt werden sollte. Mauern schränken ein, doch Vielfalt ist grenzenlos.

  

(5) Die Potenzialentfaltung der Mitarbeiter ist wertvoller als normierte Prozesse

Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und bevorzugen unterschiedliche Arbeitsroutinen: Arbeiten am Morgen, nachmittags oder bis tief in die Nacht – jeder hat eigene Leistungshöhe- und -tiefpunkte während des Tages. In einem Arbeitsalltag von 8-17 Uhr ist die Entfaltung persönlicher Arbeitsroutinen praktisch unmöglich. Deshalb gibt Tourismuszukunft seinen Kollegen* alle Freiheiten, die sie benötigen, um sich selbst und innerhalb ihrer Projekten zu entfalten und produktiv zu sein. Das gilt nicht nur für die Arbeitszeit, sondern schließt den Arbeitsort mit ein. Das Netzwerkunternehmen hat zurzeit 12 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit Hilfe der Digitalisierung werden Hürden, die ohne Arbeitsbüro entstehen, wie große Entfernungen, Absprachen, Informationsaustausch oder alltägliche Witze überwunden. Whatsapp, Socialcast oder Hangout sind nur wenige Tools, die das Arbeitsmodell New Work möglich macht. Beispielsweise gibt es bei Tourismuszukunft jeden Montag ein Hangout Meeting und vier Mal im Jahr ein ganz reales Treffen, face-to-face, an einem schönen Ort.

 

(6) Scheitern ist unvermeidbar und Vertrauen erfolgskritisch

Scheitern ist die beste Art und Weise, zu lernen. Dabei sollte Scheitern kein gesellschaftliches Tabuthema sein, sondern man sollte aus diesen Erfahrungen lernen und wachsen. Außerdem ist Vertrauen das A und O in einer Arbeitswelt ohne lokales Büro. Jeder Netzwerkpartner* der Agentur Tourismuszukunft ist selbst verantwortlich, seine Deadlines pünktlich und gewissenhaft abzuliefern.

 

(7) Vor allem aber: Der Kundennutzen definiert die Strategie

Arbeiten ist mehr als als nur Geld verdienen. Tourismuszukunft steht mit seinen Kunden stetig im Dialog, um die Strategie auf ihre spezifischen Wünsche und Bedürfnisse aufzubauen.

 

Haben diese Arbeitsmodelle Zukunft?

Pauschal sind Freiheiten und Flexibilität bei der Arbeit nicht für alle Persönlichkeiten das richtige Modell. Dank der Digitalisierung ist es heute aber möglich, Menschen den Wunsch nach einem flexiblen Arbeitsplatz zu erfüllen. Ob dieses Modell nachhaltig oder tatsächlich zukunftsfähig ist, werden wir in den kommenden Jahren weiterhin selbst beobachten können.

 

 

*Nachdem es auf Twitter die Anregung gab, dass es sich bei einem Netzwerkunternehmen weniger um Mitarbeiter und eher um Netzwerkpartner oder Kollegen handelt, habe ich nachträglich meinen Blogbeitrag dementsprechend angepasst. Danke für den Hinweis.

Quellen:

Fünf Tricks zur Erkennung von Verhaltensmanipulation

Als Mensch wird man jeden Tag aufs Neue unterbewusst manipuliert. Angefangen im Supermarkt, der mit einer Wohlfühlatmosphäre lockt, um Kunden zum Kauf zu animieren.  Günstigere Produkte stehen unten im Regal, teurere dagegen auf Augenhöhe, weil der Blick dort zuerst hinfällt. An der Kasse, der „Quengelzone“ stehen dann genau die Produkte, die man eigentlich nicht braucht, aber unbedingt haben möchte. Natürlich fallen die beim Warten immer besonders ins Auge.

 

Google Werbeanzeigen für Schuhe

 

Psychologische Tricks zur Verkaufsförderung werden aber nicht nur im Supermarkt angewendet. Webseiten wenden diese Phänomene auch an. Google zeigt seine Ads beispielsweise ganz oben in den Suchergebnissen an, weil darauf der Blick der Nutzer als Erstes fällt. Aber auch andere Seiten nutzen Tricks, um das Nutzerverhalten zu beeinflussen. Ferdinand von Seggern stellte beim Content Strategy Camp fünf dieser psychologischen Kniffe zur User Manipulation vor:

 

  1. Endowment Effekt – Anreize schaffen:

    Netflix, Amazon oder Spotify nutzen dieses Phänomen besonders gerne. Sie bieten einen gratis Probemonat oder besonders günstige Angebote an, um ihre Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Ist der Anreiz erst einmal da, möchten viele Neukunden den Dienst nicht mehr aufgeben und willigen ein auch höhere Summen dafür zu bezahlen. Psychologisch gesehen liegt es daran: Besitze ich etwas, ist der gefühlte Wert der Sache höher. Das heißt ich sehe die Sache als wertvoller an, als sie tatsächlich ist. Marketer nutzen den Endowment-Effekt und schicken Warenproben oder bieten Probeabos an. Es reicht aus, dass mir z.B. ein Kleidungsstück einfach nur zugeschickt wird. Ich probiere es an, betrachte es im Spiegel und baue so eine Bindung auf und möchte es behalten. Dafür nehmen Nutzer sogar eine deutliche Preissteigerung in Kauf.

     

  2. Vorsprung durch Investitionen:

    Nutzer, die am Anfang eine Investition getätigt haben, bekommen einen Vorsprung. Viele Spieleapps wie Farmville sind so erfolgreich geworden. Ich kann mir zu Beginn des Spiels durch Geld einen Vorteil gegenüber anderen Spielern verschaffen, indem ich mir zum Beispiel ein besseres Gartengerät leiste. Bietet das Spiel dann zu einem späteren Zeitpunkt ein kostenloses Gerät mit mehr Vorteilen an, bleiben trotzdem viele Spieler bei ihrem alten. Denn sie haben für ihr Werkzeug vorher Geld ausgegeben, also haben etwas investiert.
    Dieses Prinzip wird auch bei vielen Treuekarten genutzt, funktioniert also auch “ohne Geld”. Wenn ich schon vier Getränke im selben Laden gekauft habe, möchte ich auch das fünfte, um ein Freigetränk zu erhalten. Habe ich einmal mit einer Aktion angefangen, dann möchte ich sie auch für mich nutzen und einen Vorteil daraus ziehen.

     

  3. Appointment Dynamic:

    Nutzer erstellen sich zu einem Zeitpunkt einen Account auf einer Plattform. Wenn sie kontinuierliche Vorteile davon haben, kommen sie wieder. Das „Payback-Prinzip“ gibt es schon seit Jahren. Ich melde mich einmal an und bekomme immer wieder Rabatte dafür. Spotify hat  dieses Phänomen auch ins Internet übertragen. Nach der Anmeldung kann man kostenlos und unbegrenzt Songs hören. Anders würde es aussehen, wenn man nur eine begrenzte Anzahl von Liedern hören könnte und  dafür bezahlen müsste: Ohne Appointment Dynamic wäre Spotify niemals so erfolgreich geworden.

     

  4. Cognitive Load Theory:

    Der mentale Aufwand für eine Sache muss so gering wie möglich sein. Denn es gibt viele Nutzer, die schnell ein bestimmtes Ziel erreichen wollen. Die Theorie erklärt sich eigentlich von selbst. Je weniger Schritte ich zum Beispiel bei einem Anmeldeprozess brauche, desto größer wird die Conversionrate sein.
    Dieses Phänomen ist mir selbst vor wenigen Wochen begegnet. Auf einer Immobilienseite hätte ich mich erst anmelden müssen und hätte zusätzlich sehr viele Daten preisgeben müssen. Auf einer anderen Seite hatte ich die Möglichkeit dem Anbieter ohne Anmeldung eine Nachricht zu schreiben. Auch wenn die andere Variante eventuell sicherer ist, habe ich mich für die schnellere der beiden entschieden und dort eine Anfrage verschickt. Das Ziel der Cognitive Load Theory laut von Seggern: „Komplexe Systeme einfach nutzbar machen.“

     

  5. Processing Fluency:

    Hierbei geht es darum, dass einfache Informationen besser verarbeitet werden können und eher im Gedächtnis bleiben. Ist eine Seite zu kompliziert aufgebaut und enthält zu viele Informationen auf einmal, verarbeitet der User die Informationen langsamer und springt schneller ab. Entscheidend dabei ist auch das Design einer Webseite.

     Unübersichtliche Startseite von Otto.deDie Seite von Sieh mich an ist übersichtlicher im Design

     

    Bei diesen zwei Beispielen sieht man einen schönen Unterschied. Bei Otto findet man sich erst nach ein paar Minuten auf der Seite zurecht. Die Seite von Sieh an ist dagegen übersichtlicher mit weniger zu verarbeitenden Informationen gestaltet.

    Ein guter Tipp ist zum Beispiel bei einem Bestellprozess immer anzuzeigen, wie viele Schritte der Nutzer noch vor sich hat und wo er sich gerade befindet. So weiß dieser auf was er sich einlässt.

 

Marketer nutzen diese Phänomene gerne für sich um User für ihre Website oder ihr Produkt zu begeistern. Durch diese Auswahl von Tricks beeinflusst man Nutzer unterbewusst. Sie bauen eine Bindung zur Webseite und dem Produkt auf. Eine engere Bindung verbessert im Endeffekt auch die Conversionrate.

 

Quellen:
https://www.slideshare.net/FerdinandvSeggern/einfhrung-in-die-user-manipulation-70136474
http://t3n.de/news/sanfte-manipulation-5-einfache-619087/
http://www.werbepsychologie-verkaufspsychologie.de/erklaerung-endowment-effekt

https://www.wuv.de/marketing/werbewirkung_einfach_ist_schwer


Bildquellen:

  1. https://www.google.de
  2. https://www.otto.de
  3. https://www.sieh-an.de

#NewWork – Heute regiert die Digitalisierung den Arbeitsplatz

„Ein Analoger wird bei uns nicht happy – wie sollen wir mit ihm kommunizieren? Briefe schreiben?“ – Florian Bauhuber, Geschäftsführer von Tourismuszukunft.

In den frühen 80iger Jahren war der Schreibtisch eines Manangers vollgestellt mit diversen Büchern, Akten, einem Faxgerät, einem Taschenrechner, einem Telefon, einem Kalender, Bilder an der Wand und einem Computer, dessen Bildschirm fast so breit wie der Tisch selbst war. Fast 40 Jahre später sind Bilder an der Wand, sowie Faxgerät oder Bücher überflüssig geworden. Denn der Beschäftigte von heute benötigt nun nicht mehr als einen Laptop, sein Smartphone, Internetzugang und bei Sonnenschein die Sonnenbrille. Und Schuld daran ist die Digitalisierung!

 

Die Agentur Tourismuszukunft

Florian Bauhuber ist seit 2008 Geschäftsführer von Toursimuszukunft. Auf dem #cosca17 beschrieb er den Weg seiner Agentur in die Digitalisierung. Das Interesse der Barcamp-Besucher war groß – der Zweifel, ob dieses Arbeitsmodell wirklich nachhaltig ist auch. Florian setze sich entspannt auf den Tisch und leitete die Session mit den Worten, „Wir waren mal das…“ ein. Auf seiner Folie sind ca. 20 Mitarbeiter im typisch adretten Anzug und einem gezeichneten Lächeln zu sehen. Wer kennt es nicht? Das typisch deutsche Arbeitsmodell: ein lokales Büro, mehrere Arbeitszimmer, die neben Tischen und Stühlen ausgestattet mit Grünpflanzen sind, Arbeitszeiten von 8-17 Uhr, Überstunden werden hingenommen und für die Mitarbeiter ist der beliebteste Weg, der zum Kaffeeautomaten oder der Toilette. Florians Agentur hingegen glänzte zusätzlich mit einem Tischkicker, der in der Mittagspause oder nach Feierabend für den Spaßfaktor sorgte. „Wir dachten, wir sind eine coole Firma, in der jeder sein will.” Florian Bauhuber berichtete davon, wie sich gut ausgebildete Mitarbeiter nach und nach aus der Firma verabschiedeten. Ist die Digitalisierung Schuld daran? Florian vermutet, „Ihr Drang nach Offenheit, Neugier und Flexibilität ist einfach zu groß, um sie an einen Ort zu binden.”, deshalb zog der Geschäftsführer rechtzeitig die Notbremse und leitete die Transformation ein.

 

Flexible Arbeitsplätze machen den Anfang

Laut einer Umfrage von Indeed im Jahr 2016, ist ein flexibler Arbeitsplatz für drei Viertel der deutschen Arbeitnehmer ein wichtiges Kriterium (vgl. Presseportal, 2016). Die Werbeagentur „be a part“ in Darmstadt transformierte sich beispielsweise aus einer strukturierten und hierarchischen Arbeitsweise zu einem flexiblen Arbeitsplatz: Geschäftsführerin Nancy Graf unterschreibt nun keine Urlaubsanträge mehr. Ihre Arbeitnehmer entscheiden seit 2014 selbst, wann, wo und wie viel sie arbeiten. Dieses Arbeitsmodell funktioniert hervorragend und wird gerne von den Mitarbeitern angenommen, die dadurch motivierter, entspannter und vor allem produktiver sind. Trotz Arbeitsplatzfreiheiten stellt die Geschäftsführerin ein lokales Büro mit hauseigenem Fitnessraum für ihre Mitarbeiter zur Verfügung, das von vielen regelmäßig und zum intensiven Austausch genutzt wird. Tourismuszukunft hingegen ging einen Schritt weiter. Florian Bauhuber transformierte seine Agentur zu einem Netzwerkunternehmen ohne Büro. Er schaffte den Spagat zwischen Vertrauensarbeit und Home-Office.

 

Die Transformation zum Netzwerkunternehmen

Netzwerkunternehmen, New Work oder digitale Nomaden – wie soll man ein Unternehmen oder eine Agentur und die Mitarbeiter beschreiben, die ihre Arbeit ohne lokales Büro, ohne feste Arbeitszeiten und ohne sesshaftes Arbeitszimmer verrichten? Lassen wir die Benennung nebensächlich sein. Denn eins wird deutlich: die Arbeitswelt steht im Umbruch und die Digitalisierung trägt einen großen Anteil dazu bei. Florian Bauhuber reagierte darauf mit sieben Glaubenssätzen, die ich in wenigen Sätzen erläutere:

(1) Zusammenarbeit funktioniert besser in Netzwerken statt in Silos

Die Digitalisierung fordert hohe Flexibilität, Dynamik und lebenslanges Lernen in allen Bereichen unseres Alltages. Um diesen Ansprüchen auch in einem Unternehmen gerecht zu werden, ist ein Umdenken im klassischen Projektmanagement nötig. Silodenken und Projekte mit langwierigen Entscheidungsabwicklungen von oben haben im 21. Jahrhundert kaum noch Bestand. Agile Projekte öffnen Türen für schnelle Reaktionen und Innovation.

 

(2) Informationen dürfen nicht mehr aus machtpolitischem Interesse einbehalten, sondern müssen geteilt werden

Wie sagt ein schönes Sprichwort? Sharing is caring! Weg vom Konkurrenzdenken hin zum Wissensaustausch untereinander. Das fördert den Teamgeist, die Motivation und die Qualität der Arbeit.

 

 (3) Führungskräfte sind Ermöglicher und keine Herrscher

Florian Bauhuber ist zwar Geschäftsführer von Tourismuszukunft, jedoch nimmt er nicht die Rolle eines Herrschers ein. Er ist der Ermöglicher:

Florian Bauhuber twittert

 (4) Vielfalt schlägt Spezialisierung

Das Unternehmen hat die Erfahrung gemacht, dass Vielfalt effektiver als Spezialisierung ist. Jeder Netzwerkpartner* hat unterschiedliche Interessen und Arbeitserfahrungen in unterschiedlichen Bereichen. Jeder Einzelne bringt Vielfalt in die Agentur, die nicht durch starre Strukturen eingegrenzt werden sollte. Mauern schränken ein, doch Vielfalt ist grenzenlos.

  

(5) Die Potenzialentfaltung der Mitarbeiter ist wertvoller als normierte Prozesse

Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und bevorzugen unterschiedliche Arbeitsroutinen: Arbeiten am Morgen, nachmittags oder bis tief in die Nacht – jeder hat eigene Leistungshöhe- und -tiefpunkte während des Tages. In einem Arbeitsalltag von 8-17 Uhr ist die Entfaltung persönlicher Arbeitsroutinen praktisch unmöglich. Deshalb gibt Tourismuszukunft seinen Kollegen* alle Freiheiten, die sie benötigen, um sich selbst und innerhalb ihrer Projekten zu entfalten und produktiv zu sein. Das gilt nicht nur für die Arbeitszeit, sondern schließt den Arbeitsort mit ein. Das Netzwerkunternehmen hat zurzeit 12 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit Hilfe der Digitalisierung werden Hürden, die ohne Arbeitsbüro entstehen, wie große Entfernungen, Absprachen, Informationsaustausch oder alltägliche Witze überwunden. Whatsapp, Socialcast oder Hangout sind nur wenige Tools, die das Arbeitsmodell New Work möglich macht. Beispielsweise gibt es bei Tourismuszukunft jeden Montag ein Hangout Meeting und vier Mal im Jahr ein ganz reales Treffen, face-to-face, an einem schönen Ort.

 

(6) Scheitern ist unvermeidbar und Vertrauen erfolgskritisch

Scheitern ist die beste Art und Weise, zu lernen. Dabei sollte Scheitern kein gesellschaftliches Tabuthema sein, sondern man sollte aus diesen Erfahrungen lernen und wachsen. Außerdem ist Vertrauen das A und O in einer Arbeitswelt ohne lokales Büro. Jeder Netzwerkpartner* der Agentur Tourismuszukunft ist selbst verantwortlich, seine Deadlines pünktlich und gewissenhaft abzuliefern.

 

(7) Vor allem aber: Der Kundennutzen definiert die Strategie

Arbeiten ist mehr als als nur Geld verdienen. Tourismuszukunft steht mit seinen Kunden stetig im Dialog, um die Strategie auf ihre spezifischen Wünsche und Bedürfnisse aufzubauen.

 

Haben diese Arbeitsmodelle Zukunft?

Pauschal sind Freiheiten und Flexibilität bei der Arbeit nicht für alle Persönlichkeiten das richtige Modell. Dank der Digitalisierung ist es heute aber möglich, Menschen den Wunsch nach einem flexiblen Arbeitsplatz zu erfüllen. Ob dieses Modell nachhaltig oder tatsächlich zukunftsfähig ist, werden wir in den kommenden Jahren weiterhin selbst beobachten können.

 

 

*Nachdem es auf Twitter die Anregung gab, dass es sich bei einem Netzwerkunternehmen weniger um Mitarbeiter und eher um Netzwerkpartner oder Kollegen handelt, habe ich nachträglich meinen Blogbeitrag dementsprechend angepasst. Danke für den Hinweis.

Quellen:

Shitstorm – Fluch oder Segen | How to manage

Ein Semesterprojekt von Alina Drewitz und Elisabeth Riehle.

Wir alle sind ihnen schon einmal begegnet, denn vor allem in Zeiten von Social Media haben sie große Plattformen gefunden: Shitstorms. Aber wie entstehen sie überhaupt und kann man sie voraussehen und sogar für sich nutzen?

Wir haben mit zwei Profis über das Thema gesprochen: Prof. Dr. Lars Rademacher, Professor für Public Relations und Studiengangsleiter Onlinekommunikation und Prof. Dr. Philipp Rauschnabel, Marketing Researcher, Consultant, Speaker & Instructor und Experte in Branding, Social Media, Augmented Reality Smart Glasses / AR, haben ihre Eindrücke und Erfahrungen mit uns geteilt.

Herausgekommen ist eine Infografik, die als Guide Community Manager in Krisensituationen unterstützen soll.

Was ist ein Shitstorm?

Ab wann negative Kommentare als Shitstorm gelten, ist nicht klar abgrenzbar. Was einen Shitstorm allerdings ausmacht, sind viele negative, emotionale, beleidigende Kommentare, die die Stimmung gewollt in eine Richtung lenken und somit quasi eine Art “gleichgerichteten Strom” bilden, so Lars Rademacher.

Philipp Rauschnabel, der zusammen mit Nadine Kammerlander und Björn Ivens bereits die Studie “Collaborative Brand Attacks in Social Media: Exploring the Antecedents, Characteristics, and Consequences of a New Form of Brand Crises” veröffentlicht hat, beschreibt es als eine “kollaborative Attacke auf eine Marke” und erklärt so auch den Namen Collaborative Brand Attack.

Gerade außerhalb des deutschsprachigen Raumes ist es empfehlenswert nicht Shitstorm zu sagen, denn übersetzt bedeutet es das, was dort steht. Deshalb die Begriffe  “Collaborative Brand Attack”  oder “Online Firestorm” – beschreiben genau das gleiche Szenario mit passenderen Worten 😉

Kann man einen Shitstorm voraussehen?

“Voraussehen kann man das gar nicht, da es sehr schnell passiert”, so Philipp Rauschnabel, “man kann es aber bemerken”. Denn ob und wie die Community auf Beiträge reagiert ist von vielen Faktoren abhängig: So spielen aktuelle Geschehnisse, persönliches Befinden und auch soziale Einflüsse eine Rolle bei den Reaktionen auf Inhalte im Netz. Man kann jedoch aufmerksam verfolgen, ob die Stimmung innerhalb der Community oder unter einem bestimmten Beitrag kippt und sich ins Negative bewegt.

Auch wenn man einen Shitstorm nicht voraussehen kann, so sollte man ihn jedoch schon bei der Planung des Contents berücksichtigen. Dabei hilft es beispielsweise, verschiedene Rezipientenpositionen einzunehmen, sagt Lars Rademacher. Sich also in die Rolle der Community reindenken, aus den verschiedensten Positionen und alle Inhalte auch immer kritisch betrachten. Zudem gibt er zu bedenken: “Es gibt nicht selten die Situation, dass so etwas mit Absicht passiert. Also jemand verstößt gegen die political correctness und produziert dadurch einen Aufschrei. Es will gar nicht jeder einen Shitstorm vermeiden.“ Und auch das sollte man immer im Hinterkopf behalten und darauf eingestellt sein.

Hoch lebe der Community Manager!

Sollte ein Beitrag innerhalb einer Community in einen Shitstorm ausarten, liegt es am Community Manager die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Aber wie reagiert man angemessen in so einer Situation und was sollte man lieber sein lassen? Auch hier gibt es kein richtig und falsch, denn es ist ja nie genau absehbar, wie die Community worauf reagiert.

Philipp Rauschnabel empfiehlt dem Community Manager moderierend in das Geschehen einzugreifen und die Kontrolle über die Situation zu gewinnen. “Ruhe bewahren, transparent argumentieren und nicht löschen – Fehler gegebenenfalls sofort eingestehen und korrigieren, sofern das möglich ist”, rät der Experte.

Lars Rademacher ergänzt, dass das Löschen von vereinzelten Kommentaren mit klarer Ansage warum dann angebracht ist, wenn sie volksverhetzende oder rassistische Aussagen enthalten. Ansonsten sieht auch er die Chancen des Community Managers ganz klar im Dialog mit den Leuten.

Sollte man Shitstorms provozieren und diese positiv für das Unternehmen nutzen?

Kann man machen, muss man aber nicht 😉 Was bei einem Shitstorm passiert und welche Ausmaße Kommentare und Aktionen der Nutzer annehmen können, ist wie bereits erwähnt nie genau vorhersehbar. Einen Shitstorm bewusst zu provozieren, könnte also auch nach hinten losgehen. Ein provokantes Thema ansprechen, um einen Missstand aufzudecken und einen Shitstorm dabei in Kauf zu nehmen, ist allerdings sehr mutig und legitim.

Einen Shitstorm in etwas Positives zu wandeln, sollte zudem immer das Ziel sein – und das ist auch möglich, wie das Beispiele der Schengener Feuerwehr aus Luxemburg zeigt: Nachdem es viel Spott für einen Feuerwehrmann gab, der bei einem Einsatz in kurzen Hosen fotografiert wurde, startete die Feuerwehr mit #domengboxun (zu Deutsch zieh meine Hosen an) eine Offensive gegen Trolle und Hater. Um Urteilen zu können, sollte man den Hintergrund eines jeden Bildes erst einmal kennen. In diesem Fall war es so, dass der Feuerwehrmann in seiner Freizeit zufällig in der Nähe eines Brandes war, sich wenigstens seine Jacke und seinen Helm schnappen konnte und sofort zu Hilfe eilte.

Exakter Notfallplan vs. Flexibilität?

Die Mischung macht’s! Beide Profis sind sich einig: Man sollte einen Masterplan in der Hinterhand haben, aber auf jeden Shitstorm individuell und flexibel reagieren. Wichtig ist, dass Mitarbeiter gleichermaßen gebrieft werden und wissen, welchen Standpunkt sie vertreten und mit welchen Statements sie argumentieren können.

Es sollten also immer Guidelines parat stehen, die einen groben Weg vorgeben, aber eine flexible Handhabung zulassen. Klingt machbar, oder?

Und danach?

Das Wichtigste nach einem Shitstorm ist, wieder zum Normalzustand zurückzufinden – die Community für sich gewinnen, den Shitstorm aufarbeiten,  und für die Zukunft gewappnet sein. Die Angst, dass so etwas noch einmal passieren könnte sollte einem nicht im Weg stehen, sondern daran erinnern, auch in Zukunft auf Shitstorms vorbereitet zu sein.

Geheimtipps der Profis!

Ob ein Shitstorm nun zum Fluch oder Segen wird, hängt ganz von der Community, vom Unternehmen und dem Community Manager ab. Vorbereitung ist das A und O! Wer weiß, wie bei einem Shitstorm zu reagieren ist, kann ihn nicht verlieren 😉 Mit einem lustigen Spruch auf den Lippen, etwas Sympathie, Humor und der nötigen Ernsthaftigkeit können Unternehmen auch in Krisensituationen ihre Community für sich gewinnen, wenn sie nur richtig darauf vorbereitet sind.

Infografik Shitstorm

tl;dr

Shitstorms sind nicht immer vorhersehbar, aber bemerkbar und man sollte sie bei jeder Planung bedenken. Allerdings bedeutet ein Shitstorm nicht gleich Fluch, sondern kann auch ein Segen für ein Unternehmen oder eine Marke sein, wenn richtig damit umgegangen wird. Das Löschen oder Ignorieren ist dabei nicht die richtige Vorgehensweise – der Community Manager sollte stattdessen den Dialog mit der Community suchen und mit Hilfe von vorher zurecht gelegten Guidelines die Werte des Unternehmens oder der Marke präsentieren und so die Community wieder für sich gewinnen.

Many thx

Außerdem möchten wir uns an dieser Stelle noch herzlich bei Lars Rademacher und Philipp Rauschnabel für ihre Zeit und ihren Input bedanken: Durch Sie ist unser Projekt einzigartig geworden und durch den Kontakt mit Ihnen konnten auch wir persönlich viel mitnehmen – DANKE! 🙂

Kundenservice 2.0: Kommuniziere ich bald nur noch mit einem Roboter?

Ein Semesterprojekt von Linda Czolk und Kathrin Esser

Community Management war während dem #cosca17 ein heiß diskutiertes Thema. Passend dazu liefern Linda und Kathrin spannende Eindrücke aus ihrem Semesterprojekt.

Der Beruf Community Manager ist heutzutage ein Vollzeitjob


Während das Community Management in den vergangenen Jahren eher ein Teilbereich war, muss im Social Media Bereich neben redaktionellen Themen und zu planendem Content auch den steigenden Anfragen der Kunden nachgegangen werden.
Wie sieht das Community Management der Zukunft aus und welchen Einfluss wird es auf den Kundenservice haben?

Antworten hierfür hat Thomas Praus, einer der beiden Geschäftsführer von PANORAMA3000, den wir für unser Projekt befragen durften. Thomas ist schon seit vielen Jahren im Bereich Social Media tätig und gestaltet mit seiner Agentur die digitale Kommunikation für namhafte Auftraggeber.

Sowohl auf Kunden- als auch auf Dienstleistungsseite habe sich einiges verändert in den letzten Jahren, sagt Thomas. “Die Konsumenten werden immer ungeduldiger. Mittlerweile fragen sie ja schon nach drei Stunden nach, wenn sie keine Antwort auf ihre Anfrage bekommen haben”. Die Ansprüche an eine zufriedenstellende Antwort steigen. Damit einhergehend natürlich auch der Bedarf an professionellem Community Management.

Das liegt unter anderem auch an den Erfahrungen, die die Kunden machen. Anfragen in den sozialen Communities werden teilweise schneller beantwortet als über den klassischen Kundenservice. Die Wichtigkeit von einem gelungenen Community Management sei mittlerweile bei den Unternehmen angekommen.

Die Zeiten, in welchen man dafür noch Überzeugungsarbeit leisten musste, sind vorbei”

Idealerweise ist das Community Management hauptsächlich im Unternehmen verankert.  “Das ist ja eine Ressource, die man immer wieder braucht. Sobald ein Unternehmen dieses Verständnis hat, sollte es bereit sein, sich ein internes CM-Team aufzubauen”. Es bedarf hierfür nicht unbedingt nur an Fachkräften. Im Prinzip kann jeder, der empathisch und freundlich auf den Kunden eingeht, Anfragen beantworten.

Thomas ist sich dennoch sicher, dass es trotzdem auf die Komplexität der Anfragen ankommt. Recht simple Anfragen, die immer wieder kommen, können daher auch an einen Dienstleister wie eine Agentur ausgelagert werden. Auch die Technologie entwickelt sich immer weiter. Chatbots als Form der künstlichen Intelligenz nehmen Einfluss auf das Community Management und sind daher aktuell in aller Munde.

Doch inwieweit werden sie bereits für das Community Management eingesetzt und sind sie wirklich sinnvoll für den Einsatz in einem Unternehmen? Thomas findet, dass hier ein interessanter Paradigmenwechsel stattfindet: Die künstliche Intelligenz von Chatbots hat ein unglaubliches Potenzial, allerdings ist es auch nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Geht man von einer Unterhaltung zwischen zwei Menschen aus, so ist auch  nicht zwingend gewährleistet, dass eine strukturierte Kommunikation stattfindet. „Da liegt der Hase im Pfeffer begraben“, sagt Thomas. Betrachtet man einmal die Zusammenstellung eines Sandwiches, so kann man beim ersten Mal von der Menge an Auswahlmöglichkeiten und Entscheidungen überfordert sein. Chatbots könnten diese Systeme vereinfachen, indem sie eine Frage nach der anderen stellen. Für jeden einfach zu verstehen- und es muss nur eine Entscheidung auf einmal gefällt werden. Branchenunabhängig sollten Unternehmen also auf jeden Fall über solch eine Kommunikation nachdenken, welche die Vorgänge für den Nutzer vereinfacht. Doch ein Chatbot, der dich hundertprozentig versteht und dir individualisierte Antworten gibt, ist technisch noch zu schwierig.

Wir fragten Thomas, ob er denkt, dass Chatbots zukünftig vollständig das Community Management übernehmen werden. „Das wird schon passieren, früher oder später“, denkt Thomas. „Vorgänge, die momentan halb automatisiert sind, werden irgendwann vollständig automatisiert werden“. Jedoch ist er auch fest davon überzeugt, dass nicht alles durch Chatbots ersetzt wird bzw. werden kann. Denn neben simplen Standardfragen, wie bereits erwähnt, gibt es individuelle, schwierige Fälle, um die sich nur ein richtiger Mensch kümmern kann. „Vielleicht aber auch ein Vorteil, denn so sind 80% automatisiert und um die anderen 20% kann sich viel intensiver und spezifischer gekümmert werden“.

Außerdem haben wir uns gefragt: Besteht die Möglichkeit, dass Nutzer verlangen, dass die Verwendung von einem Chatbot kenntlich gemacht wird? Thomas findet das nicht zwingend nötig:

„Wenn ich Kunde wäre, wäre mir das egal. Hauptsache meine Anfrage wird zufriedenstellend beantwortet“

Schlussfolgernd bleibt also festzuhalten, dass die zukünftige Aufgabe eines Community Managers hauptsächlich eine Management-Aufgabe sein wird. Dieser hat eine Schnittstellen-Funktion, der Informationen aufbereitet und Dienstleister koordiniert. Fest steht: Egal ob durch einen Chatbot, einen Mensch oder gar eine Mischung aus beidem, Community Management ist und bleibt unabdingbar und essenziell. Das heißt, abgesehen von der Digitalisierung und Entwicklung von Technologien, muss dem Kunde stets das Gefühl gegeben werden, dass er wichtig ist und für das Unternehmen eine Bedeutung hat. Denn „der Kunde ist König“, und das wird immer so bleiben.

Abschließend möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei Thomas für seine Zeit und Mühe bedanken.

#cosca17 – Interessante Zahlen rund um das Content Strategy Camp

Die fünfte Auflage des Content Strategy Camps (#cosca17) am Mediencampus in Dieburg ist seit wenigen Tagen beendet. Was den vielen Teilnehmern bleibt, sind spannende Eindrücke aus den zahlreichen Vorträgen und Diskussionen. In den folgenden Wochen möchten die PR-Fundsachen einige spannende Sessions in die Berichterstattung aufnehmen und deren Inhalte reflektieren und konkretisieren. Bevor wir jedoch inhaltlich starten, haben wir interessante Zahlen und Statistiken parat. Mit freundlicher Unterstützung von Brandwatch war es uns möglich die Twitter-Aktivitäten der Community live einzusehen und perfekt zu visualisieren.

Dass Twitter der Hauptkanal der Community war, ist keine Überraschung. Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer twitterten sich teilweise in die deutschen Twitter-Trends (siehe Grafik). Am Ende des #cosca17 waren es mehr als 2600 Tweets, die den Hashtag #cosca17 beinhalteten. Den größten Peak gab es am Freitag, 23.06.17, mit 1820 Erwähnungen.

#cosca17 in den Twitter-Trends

Die spannendsten Statistiken

Statisiken zu Buzz

Top Tweets der Community

Top 3 Tweets

Hashtags und Top Tweeter

Hashtag und Top Tweeters

Top Autoren

Tl;dr – Zusammenfassung der #cosca17 Statistiken

Wichtigen Statistiken rund um das Cosca17

Das Team der PR-Fundsachen möchte nochmal einen besonderen Dank an Brandwatch ausrichten, die für die Statistiken verantwortlich waren. Ebenso möchten wir der Community für spannende Tage am Mediencampus danken. Gerne würden wir eure Meinungen über unsere Berichterstattung vor Ort erfahren. Wenn ihr Interesse habt, dann nehmt bitte an unserer kurzen Umfrage teil. Es dauert nur wenige Minuten und hilft uns sehr weiter. Vielen Dank.

#cosca17: Digitale Fanpost – Influencer und ihre Communities

Die Nutzung von sozialen Medien steigt zunehmend. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Unternehmen diese in ihre Strategie aufnehmen und ihre eigenen Kanäle aktiv bespielen. Auf sozialen Netzwerken vertreten zu sein reicht jedoch nicht aus – die Community, die sich um die Unternehmen herum bildet, muss auch betreut werden.

Das Bindeglied zwischen sozialen Netzwerken und den Nutzern stellt das Community Management dar. Ziel des Community Managements besteht darin, Communities nachhaltig aufzubauen, denn nicht nur aus Marketingperspektive, sondern auch aus der Sales- und der Customer Support-Perspektive bietet das Community Management ein hohes Potential. Loyalität zur Marke lässt sich aufbauen, womit ein höherer Umsatz generiert werden kann. Ebenso ist der Aufwand für die Bearbeitung von Verbraucherfragen vergleichsweise gering und somit kann durch Aktivität auf sozialen Netzwerken der Kundenservice entlastet werden.

Mittlerweile wird es jedoch immer schwieriger, mit der Community zu interagieren und sie mit Markenbotschafen zu erreichen. Über konventionelle Marketingmethoden wird es immer schwieriger, Generation Y und Z zu erreichen. Nutzer sozialer Medien werden immer jünger und deshalb setzen viele Unternehmen nun auf das  Influencer Marketing.

Communities bilden sich, wenn sich Personen zusammenfinden, die dieselben Interessen teilen. Bei Influencer Communities besteht das gemeinsame Interesse meist an der Person selbst – und genau das macht sie so interessant. Durch Influencer Marketing kann ein sehr hohes Engagement der Community erzielt werden, was konventionelle Marketingstrategien nur schwer erreichen.

Doch wie sieht es in den Communities der Influencer aus? Gibt es Unterschiede beim Community Management der neuen Superstars des Internets im Vergleich zum klassischen? Wie geht ein Influencer mit der Verantwortung um, gleichzeitig Content Creator und Community Manager zu sein? Und wenn wir schon dabei sind: welchen Einfluss hat die Community auf den Content?

Aufbau, Pflege und Weiterentwicklung der Community sind die Hauptbestandteile des Community Managements. Die genannten Punkte sind für Influencer besonders bedeutsam, denn der Influencer lebt quasi von seiner Community. Während viele Unternehmen mittlerweile Social Media– und Community Manager einstellen, ist es für Influencer schwer diese Aufgaben aus der Hand zu geben. Authentizität ist für die neuen Meinungsführer im Netz das A und O und ein Schlüssel zum Erfolg.

Durch gutes Community Management der Influencer entsteht im besten Fall Interaktion zwischen ihm und den Nutzern. Somit nimmt die Community starken Einfluss auf den Content des Influencers, denn viele Influencer berücksichtigen bei der Erstellung ihrer eigenen Inhalte User Generated Content. Doch wie nutzen Influencer eigentlich verschiedene Plattformen, um ihre Inhalte zu verbreiten? Und welche Rolle spielt die Lebenszeit des Contents auf den einzelnen Plattformen für Unternehmen, die mit den Meinungsführern kooperieren wollen?

Die Präsentationsfolien zur Session auf dem #cosca17 findet ihr ab sofort auf SlideShare:

Quellen zur Infografik

Snapchat:
http://www.futurebiz.de/artikel/snapchat-infografik-2016-statistiken-nutzerzahlen-werbung/
http://www.futurebiz.de/artikel/influencer-instagram-stories-snapchat-stories/
http://umww.de/wp-content/uploads/2017/04/Wave9_The_Meaning_of_Moments_Deutsche_Ergebnisse_DE.pdf

Facebook:
http://digiwis.de/blog/2011/05/09/ersetzen-facebook-seiten-in-zukunft-die-blogroll/
_ http://umww.de/wp-content/uploads/2017/04/Wave9_The_Meaning_of_Moments_Deutsche_Ergebnisse_DE.pdf
http://www.absatzwirtschaft.de/wer-nutzt-wirklich-facebook-snapchat-instagram-und-co-55345/

Instagram:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/instagram-aesthetik-die-neue-buehne-der-jugend-13374648.html
http://www.internetworld.de/onlinemarketing/influencer/einfluss-gewinnen-influencer-marketing-planen-umsetzen-
1114427.html


http://www.absatzwirtschaft.de/die-instagram-blogger-und-ihr-erfolgsrezept-gezieltes-content-marketing-lockt-die-werbeindustrie-94373/
http://umww.de/wp-content/uploads/2017/04/Wave9_The_Meaning_of_Moments_Deutsche_Ergebnisse_DE.pdf

YouTube:
Josef Maaßen
https://broadmark.de/allgemein/wo-die-interaktionshoelle-youtube-deutschland-hinfuehrt/15516/
http://www.taz.de/!5389562/
http://umww.de/wp-content/uploads/2017/04/Wave9_The_Meaning_of_Moments_Deutsche_Ergebnisse_DE.pdf
_ https://www.rockit-internet.de/youtube-stars-sind-die-influencer-von-heute/

Der Weg zur authentischen Kommunikation

Jeder Mensch spielt verschiedene Rollen – fast wie in einem Theaterstück. Doch wie ist authentische Kommunikation im Social Web dann überhaupt noch möglich?

Es gibt verlässliche Rollen, wie die Rolle der Mutter oder die Rolle des Freundes und bei jeder dieser Rollen gibt es eine gewisse Art und Weise, wie man ihr gegenübertritt. Stellt euch vor, ihr würdet mit eurer Mutter bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen und euch so verhalten, wie ihr es gegenüber euren Freunden bei einem abendlichen Bier tun würdet. Eine wie ich finde, eher unangenehme Vorstellung.

Doch wie ist das dann im Social Web, wenn wir im realen Leben schon mehrere Rollen einnehmen? Was empfinden wir dort als glaubwürdig und authentisch? Vor allem bei Personen, die uns eigentlich fremd sind?  Genau das hängt von der Kommunikation ab, die bereits stattgefunden hat. Beim Vortrag auf der re:publica von Konrad Langer und Oliver Brügmann von visumate GmbH erzählte Langer von seinem privaten Instagram-Account “konaction”. Sein Stil zeichnet sich aus durch  geometrische Formen, Stadtbilder und dem Spiel mit Farben und Kontrasten. Bevor er seinen Account zeigte, wurde ein Bild von ihm und dem Hund seiner Freundin in der Küche gezeigt (siehe Abbildung). Seine Frage dazu war, ob es authentisch wäre, dieses Bild auf seinem Account zu posten. Der erste Gedanke dabei war natürlich, dass nichts mehr Authentizität ausstrahlt als so ein Schnappschuss. Doch das ist nicht richtig. Dieses Bild würde nicht zu seiner Bildsprache und der sonstigen Kommunikation passen. Es würde die Erwartung seiner Follower nicht erfüllen. Dementsprechend wäre es nicht authentisch und nicht glaubwürdig. Es ist also wichtig, einem Stil treu zu bleiben und diesen wie einen roten Faden durchzuziehen.

Konrad Langer zusammen mit dem Hund seiner Freundin

Achtung: Stories können auch nach hinten los gehen

Mittlerweile gibt es nicht nur Snapchat- (siehe Mit den Followern im Bett – Storytelling auf Snapchat) und Instagram-Stories, sondern auch Facebook- und sogar Whatsapp-Stories. Wenn man diese richtig nutzt, kann es die authentische Kommunikation steigern und Neuigkeiten können damit schnell und effizient verbreitet werden. Durch diesen Firsthand Content kann zwar ein Blick hinter die Kulissen geworfen werden, jedoch sollte man gut aufpassen, denn manchmal ist weniger mehr. Wer hat schon Lust, ewig lange Stories von einer unbekannten Person oder einem Unternehmen durch zu klicken? Vor allem im Hinblick darauf, dass die Aufmerksamkeitsspanne im Social Web sehr gering ist. Wenn man zu viele Stories postet, kann das ins Belanglose abrutschen und vielleicht sogar zum Abspringen der Follower führen. Die Story sollte nicht einfach genutzt werden, nur weil es diese Funktion gibt. Vielmehr sollte sie einen Nutzwert haben und dem oben genannten roten Faden folgen. Konrad Langer dazu:

“Oft gibt es da eine klare Diskrepanz zwischen den auf Instagram gezeigten, durchgestylten, durchgeplanten Content und dem was dann in den Instagram-Storys gezeigt wird, wo dann auch so ein bisschen Luftleerer Raum gelassen wird, was mir das jetzt als Nutzwert bringt”

Die Zielgruppe hat die Hosen an

Es ist nichts Neues, wenn ich schreibe, dass die Zielgruppe das höchste Gut für ein Unternehmen ist. Sie ist letztendlich ja auch diejenige, die eine Leistung oder ein Produkt in Anspruch nimmt und dafür bezahlt. Deswegen sollte man sich immer vor Augen führen, was die Zielgruppe will und was sie anspricht. Damit das Unternehmen die Wünsche kennt und seiner Zielgruppe auch einen Mehrwert bieten kann, können Zielgruppen-Studien für Unternehmen sehr hilfreich sein. Zudem kann man durchaus auch über das Social Web die Follower fragen, was für sie relevant ist und was sie sich wünschen.

Doch auch Algorithmen können dabei helfen, zu zeigen, was relevant ist. In dem Artikel “Kommunikation im Netz – Recap von der republica 2017” von Cathrin Tusche, schreibt die Autorin, dass bei Facebook- und Instagram-Algorithmen bestimmen, was der Nutzer zu sehen bekommt und was nicht. Des Weiteren schreibt sie, dass nur der Content als relevant gilt, welcher in kürzester Zeit oft geliked, geteilt, kommentiert oder gespeichert wurde. Auch wichtig ist die Verweildauer auf Social Media-Posts. Wenn man sich also mit einem Post längere Zeit beschäftigt, bedeutet das im Umkehrschluss, dass es sich um relevanten Content handelt und es werden zukünftig ähnliche Inhalte gezeigt.

Wiedererkennbarkeit durch Alleinstellungsmerkmale

Wer sich von der Masse abheben möchte, sollte einen Unique Selling Point (USP) haben. Zuallererst sollte man sich Gedanken darüber machen, wofür man stehen will und für was nicht. Eine eigene Tonalität und eine einheitliche Visualisierung können eine Wiedererkennbarkeit schaffen. Wenn der Content dazu noch nachhaltig ist, ist man auf der sicheren Seite.

Edeka wurde in dem Vortag als ein best-practice Beispiel genannt: Das Unternehmen nutzt Instagram, um dort Essen, Getränke sowie Rezepte zu posten.

Die Macht der Influencer

In einem Zitat, welches Konrad Langer und Oliver Brügmann von Scott Cook mitgebracht hatten, heißt es:

“A brand is no longer what we tell the consumer it is – it is what consumers tell each other it is”

Man glaubt also nicht mehr der Werbung, sondern geht lieber online und liest sich Produktbewertungen durch oder sieht sich Videos an, in denen die besagten Produkte getestet werden. Man vertraut am meisten den Menschen, die so sind wie man selbst. Die meisten Social Media Influencer haben zu ihrer Community schon eine enge Beziehung. Sie können Botschaften meist glaubwürdiger vermitteln als die Unternehmen selbst. Auf Social Media ist es generell sinnvoll, immer erst eine Beziehung zu seinen Followern aufzubauen und danach Emotionen zu wecken. Denn man reagiert ganz anders auf Botschaften, wenn bereits eine Beziehung aufgebaut wurde, als wenn man sie von einer fremden Person mitgeteilt bekommt. Wenn sich ein Unternehmen dazu entscheidet, dass ein Influencer die eigene Marke repräsentieren soll , muss auch ein Influencer ausgewählt werden, der schon mit der Marke in Berührung kam und diese verkörpert. Er sollte an die Marke und deren Zielgruppe angepasst sein, ansonsten wäre es nicht authentisch.

Doch nicht nur Influencer bringen Glaubwürdigkeit rüber, sondern auch User Generated Content ist hierfür sehr gut geeignet. Wenn ein Kunde zufrieden mit einem Produkt ist und das mit der Welt teilt, ist das schon mal sehr positiv. Wenn man diesen Post dann als Unternehmen auf den eigenen Seiten publizieren kann, steigert das die Authentizität. Manchmal bekommt man dadurch auch eine tolle Geschichte zu dem Post mitgegeben und kann Erlebnisse miteinander teilen.

Das Wichtigste zum Schluss

Es gibt vieles, was man machen kann, um authentischer zu kommunizieren. Zum Abschluss hat Oliver Brügmann es nochmal auf den Punkt gebracht. Er sagte, dass an erster Stelle zwar immer eine Strategie stehen muss, jedoch im Mittelpunkt die Geschichte steht, welche von innen nach außen getragen wird. Man kann daraus Themen ableiten, wie auch die Protagonisten bestimmen und die Formate entwickeln. An letzter Stelle stehen die Kanäle und in dem Zusammenhang die Content-Formate, die dort adaptiert werden und letztendlich zielgruppenspezifisch verbreitet werden.

Die wichtigsten Punkte haben die Vortragenden nochmal in eine Visualisierung gepackt.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte für authentische Kommunikation

Netzwerkdurchsetzungsgesetz – unsere Rettung vor den Fake News?

Hate Speech, Fake News und die Rettung durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (im folgenden: NetzDG). Den aktuellen Hype um diese Themen hat Markus Reuter von https://netzpolitik.org/ auf der re:publica hinterleuchtet, die wir für Euch besucht haben.

Mit dem Wahlkampf von Hillary Clinton und Donald Trump kamen auch die Fake News als eine große Welle über den Atlantik zu uns herüber geschwappt. Viele der Berichte rund um die zwei amerikanischen Präsidentschaftskandidaten wurden im Nachhinein als Fake News enttarnt und deren Inhalte revidiert.

Spätestens als Donald Trump öffentlich auf Twitter alle großen amerikanischen Nachrichtensender als “Fake News Medien” bezeichnete, wurden Fake News in das Bewusstsein der Bevölkerung gerufen.

Fake News: Tweet von Donald Trump

Schon immer gab es Nachrichten, die sich als nicht wahrheitsgetreu entpuppten. Eine sehr bekannte ist zum Beispiel die Bielefeld-Verschwörung, die besagt Bielefeld existiert nicht. Leider – oder unter anderen Umständen zum Glück – ist das Vertrauen hier in Deutschland in Nachrichten online wie offline sehr hoch. Früher waren Nachrichten der einzige Weg, um etwas über das Geschehen in der Welt zu erfahren. Die Nachrichten waren gut recherchiert und weitestgehend vertrauenswürdig.

Durch die Online Medien verbreiten sich Neuigkeiten heutzutage rasanter. Das ist für den User sehr von Vorteil, da brandaktuelle Neuigkeiten direkt für alle zugänglich sind. Auf der anderen Seite ist es für Journalisten und Nachrichtensender ein immenser Druck dieser Geschwindigkeit gerecht zu werden, Inhalte detailliert zu recherchieren und in angemessener Zeit zu veröffentlichen.

Das Problem an Fake News ist, dass sie wahrgenommen werden wie wahrheitsgetreue Nachrichten und schneller geschaffen werden können. Sie setzten sich in den Köpfen der Leser fest, welche sich dadurch eine Meinung bilden. Fake News mit dem Ziel der bewussten Steuerung von Meinungsbildern in der Gesellschaft können somit sehr gefährlich werden.

Nun kommen zu den ohnehin schon sehr schnellen Online Medien auch noch Social Bots hinzu. Social Bots sind algorithmusbasierte Computerprogramme, die in Sozialen Netzwerken Beiträge verbreiten. Eine detailliertere Erklärung dazu ist hier zu finden: www.Gedankentojaner.de. Durch die Geschwindigkeit der Verbreitung durch diese Programme, entsteht eine sehr hohe Reichweite der News. Wenn also Social Bots Fake News verbreiten, erreichen diese sehr viele Leser.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass ein programmierter Algorithmus in Form eines Social Media Profils, als solcher auffallen sollte. Leider sind Social Bots nicht so leicht zu erkennen, wie zuerst gedacht. Durch die gut programmierten Algorithmen, sind die Social Bots lernfähig und täuschen ein menschliches User-Verhalten vor: Zum Beispiel die Verzögerung von Antworten, das Lernen neuer Wörter und das abwechslungsreiche Reagieren in Diskussionen.

Welchen Nachrichten und welchen Social Media Plattformen und Profilen können wir noch glauben?

Rettet uns das Netzwerkdurchsetzungsgesetz?

Durch das große Aufkommen von Fake News und der zunehmenden Hate Speech im Netz kam nun die spontane Idee auf, diese gesetzlich zu regulieren. Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Ich sage bewusst spontane Idee, da es sich als genau solche anfühlt. Undurchdacht, nicht ausgefeilt, lückenbehaftet.

Ziel des NetzDG ist es, in Zukunft strafbare Inhalte innerhalb kürzester Zeit zu eliminieren. Offensichtlich rechtswidrige Inhalte müssen dem Gesetzesentwurf zufolge innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden. Andere rechtswidrige Inhalte innerhalb von sieben Tagen.So weit, so gut. Doch was sind rechtswidrige Inhalte? Da beginnt die erste Lücke des Gesetzesentwurfs: Eine Definition über rechtswidrige Inhalte ist nicht zu finden. Darüber hinaus: Wie sollen diese Inhalte innerhalb von sieben Tagen überprüft werden?

Facebook bekommt mit diesem Gesetz die Entscheidungsgewalt übertragen, was rechtswidrig ist und was nicht. Ein von einem Nutzer als rechtswidrig gemeldeter Inhalt verpflichtet Facebook dazu diesen zu überprüfen. Findet das nicht statt, oder wird ein rechtswidriger Inhalt nicht gelöscht, drohen Facebook Geldstrafen von bis zu 50 Millionen Euro. Darf Facebook somit entscheiden was rechtswidrig ist und was nicht?

Die logische Handlung von Facebook mit Androhung dieser Strafe, ist bei fraglichen Inhalten „im Zweifelsfall löschen um sich selbst zu schützen“.Umgekehrt gibt es allerdings keine Bußgelder für das Löschen von einem rechtmäßigen Inhalt. Wenn Facebook alle Inhalte löscht, die als rechtswidrig gemeldet wurden, ist Facebook straffrei. Heißt das für uns, wir müssen ab jetzt aufpassen was wir sagen? Ist das nicht ein Eingriff in die Meinungsfreiheit, auf die wir hier in Deutschland so stolz sind?

Die Zweite Lücke verbirgt sich hinter der Definition, welche Sozialen Netzwerke von dem Gesetz betroffen sind. Im Gesetzesentwurf heißt es:

„Dieses Gesetz gilt für Telemediendiensteanbieter, die mit Gewinnerzielungsabsicht Plattformen im Internet betreiben, die es Nutzern ermöglichen, beliebige Inhalte mit anderen Nutzern auszutauschen, zu teilen oder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (soziale Netzwerke). Plattformen mit journalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten, die vom Dienstanbieter selbst verantwortet werden, gelten nicht als soziale Netzwerke im Sinne dieses Gesetzes.“

Mit dieser Definition könnten sogar Messenger Dienste wie WhatsApp oder Video Chat Dienste unter dieses Gesetz fallen. In der erweiterten Definition sind es laut Justizministerium ungefähr 10 Plattformen, die von dem Gesetz betroffen wären.

Ein weiterer Punkt des Gesetzes ist das Verhindern von wiederkehrenden rechtswidrigen Inhalten. Daten dürfen nicht wieder online gestellt werden, wenn sie einmal gelöscht wurden. Durch einen digitalen Fingerabdruck werden die Inhalt gekennzeichnet. Das würde bedeuten, dass eine digitale Zensur damit gefördert wird. Wenn das Löschen von Bildern damit automatisiert wird, weil sie gemeldet wurden, dann wird ein Bild auch in einem anderen Kontext als rechtswidrig bewertet und nicht veröffentlicht. Maschinen können diesen Job nicht übernehmen. Die Sozialen Netzwerkdienste müssten Geld in die Hand nehmen und Arbeitsstellen schaffen.

Der Widerstand gegen dieses Gesetz wurde vom ersten Vorlegen des Entwurfs an lauter. Auf der Sitzung des Bundesrats am 2.Juni wurde eine Empfehlung zur Änderung des Gesetzes abgegeben. Die Empfehlung fordert mehrere Änderungen und Verbesserungen des Gesetzesentwurfs. Der Wirtschaftsausschuss kritisiert zum Beispiel, dass der

„Gesetzentwurf [ist] in wichtigen Teilen durch unbestimmte und offene Formulierungen und Rechtsbegriffe gekennzeichnet“ sei.

Nichtsdestotrotz will Heiko Maas, nach aktuellem Stand, das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode umsetzen und sich eine Niederlage nicht eingestehen.

Können wir das Netz noch verbessern?

Was ist, wenn es nur ein kleiner Teil der Gesellschaft ist, der Hate Speech im Netz verbreitet, Social Bots programmiert oder/und Fake News veröffentlicht. Gibt es keinen anderen Weg an diese Sache heranzugehen? Wenn wir diese Störquellen ausrotten, statt das System im Großen und Ganzen neu zu schreiben, flacht der Hype dann nicht ab? Sollte nicht erst dem ganzen auf den Grund gegangen werden, bevor ein Gesetz verabschiedet wird, dass die Sache im Grunde nicht besser macht?

Unlängst seit dem Fall von Tuğçe Albayrak im Jahr 2014, die als sie helfen wollte ums Leben kam, ist Zivilcourage bewusst in unseren Köpfen verankert. Wieso nicht auch Zivilcourage in Sozialen Netzwerken beweisen? Hinschauen, statt wegschauen. Würde damit das Netz nicht auch zu einem “besseren Ort“ werden? So wie dadurch ebenso der Umgang mit unseren Mitmenschen besser werden würde.

Ein weiterer Ansatz zur Verbesserung der Netzkompetenz ist, als allererstes Artikel bis zum Ende zu lesen bevor sie geteilt, geliked oder kommentiert werden. Viele Nutzer geben an, genau das nicht zu machen. Fake News haben damit ein leichtes Spiel zu überzeugen und sich zu verbreiten. Sie können nur identifiziert werden, indem wir sie kritisch hinterfragen und nicht alles glauben was wir Online lesen. Wir sollten mehr Zeit damit verbringen Nachrichten kritisch zu hinterfragen, statt uns so viele Posts wie möglich auf der Timeline von Facebook anzuschauen.

Sowohl bei Fake News als auch beim NetzDG fehlt ein gesamtgesellschaftlicher Lösungsansatz. Der Gesetzesentwurf ist ein Schnellschuss, der leider bislang in der Umsetzung schief ging.

Für den Anfang würde “Love out Loud”, wie das Motto der re:publica lautete, helfen. Laut heraus lieben statt wegschauen. Für mehr Liebe und weniger Hass und somit auch weniger Hass und Fake im Netz. “Shout out Loud”: Aussprechen, statt klein machen. ♥

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