Über das Gewitter im Kopf: Depressionen als Mittel zum maximalen Geltungsdrang?

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Depressionen und Social Media – kann das zusammenpassen?

“Ich habe Depressionen.” Schulterzucken und ein leicht abwertendes “Jeder hat doch sein Päckchen zu tragen…” – das ist üblicherweise die Reaktion, die man im realen Leben erfährt, wenn man es endlich geschafft hat, über seine Krankheit zu sprechen. Und das obwohl immer mehr Menschen daran erkranken und die Weltgesundheitsorganisation prognostiziert, dass Depressionen 2020 die zweitmeist verbreitete Krankheit der Welt sein wird (Quelle).

Und jetzt stell dir vor, du hast Depressionen in einer Welt, in der alles nur noch online passiert. In einer Welt, in der du überwiegend über Whatsapp, Facebook und Snapchat mit deinen Freunden kommunizierst. Wie vereinst du diese mitteilungsbedürftige Gesellschaft, in der jeder am optimalen Selbstbild arbeitet, mit deiner Diagnose?

Online oder offline, das ist hier die Frage!

Diese Frage war Bestandteil der von den Organisatoren zusammengeworfenen Vorträge von Kati Krause (@katikrause; Autorin, Magazinmacherin und Medienberaterin) und Uwe Hauck (@bicyclist; Autor und Initiator des Twitter-Hashtags #AusDerKlapse) auf der Media Convention Berlin 2016, die unter dem Titel “Ziemlich schlechte Freunde? Social Media und Depression” liefen. Und die Ansichten der beiden Vortragenden zu dieser Fragestellung hätten unterschiedlicher nicht sein können. Während sich Kati im Zuge ihrer Depression komplett von den sozialen Kanälen losgelöst hat, hat Uwe eine gewisse Form der Therapie für seine Krankheit in der Nutzung von Facebook, Twitter und Co. gefunden – und zwar, indem er auf Twitter den Hashtag #AusDerKlapse ins Leben gerufen und seine Eindrücke aus der Psychiatrie auf dem Kurzmitteilungsdienst veröffentlicht hat.

Die sozialen Netzwerke als “Kommunikations-Einbahnstraße”

Kati hat es geholfen, nicht mehr die ganzen pseudo-glücklichen und “HEY, HALLO, HIER BIN ICH!”-Beiträge ihrer “Freunde” zu sehen. Ihr Leben hatte zuvor nur noch daraus bestanden, auf der Couch zu liegen, während sie die immergleichen Apps in einem Kreislauf geöffnet, aktualisiert und wieder geschlossen hat. Es hat sie angestrengt, dass Gespräche, die man über die sozialen Netzwerke führt, keine richtigen Gespräche sind, sondern auch immer eine Form der Selbstdarstellung. Bezeichnet hat sie das Ganze als “Kommunikations-Einbahnstraße”. Sie hatte keine Energie, keinen Elan, keinen Appetit, aber vor allen Dingen entwickelte sie eine Social Media-Unverträglichkeit. Ihre Therapeutin sagte ihr, das sei bei depressiven Menschen normal, aber nur eine Nichtigkeit in Anbetracht der sonstigen Symptome. Außerdem sei Stress nicht gut bei Depressionen und Social Media IST Stress. Also Benachrichtigungen aus, Apps deinstalliert, offline gegangen. Sie konsumiert Social Media mittlerweile sehr bewusst. Auf Facebook werden ihr nur Beiträge von einer Handvoll Leuten angezeigt, die sie gerne verfolgt. Gespräche werden nicht mehr via WhatsApp geführt, sondern im realen Leben. Und ihr geht es gut damit.

Und was ist, wenn man online bleiben will?

Uwe wiederum sah es gar nicht ein, sich von den sozialen Kanälen abzuwenden. Depressionen sind sowieso stigmatisiert genug, wieso also nicht das Netz nutzen, um darüber zu reden, Aufmerksamkeit zu schaffen? Also rief er direkt einen eigenen Hashtag ins Leben, unter dem er aus der Psychiatrie berichtet, in die er sich freiwillig hat einweisen lassen, nachdem er versucht hatte, sich umzubringen.

Die Reaktion aus den Sitzreihen bei der Media Convention war ein immer lauter werdendes “Krass, sehr mutig…”. Er konnte wertvolle Tipps geben, denn Social Media muss nicht unbedingt schlecht sein, wenn man Depressionen hat. Zum Beispiel betonte er, dass man, wenn man “online bleiben will”, unbedingt darauf achten sollte, sich und sein Leben nicht permanent mit dem der anderen zu vergleichen. Auch gab er wichtige Denkanstöße, die einen darüber grübeln ließen, ob ein Umdenken bei der psychologischen und psychiatrischen Behandlung stattfinden muss, denn Notebooks und Smartphones sind in einer solchen Einrichtung vollkommen normal – das muss aber nicht für jeden passen. Für ihn passte es und er fand eine ganz eigene Therapieform, um mit seinem Problem umzugehen – die Bestätigung tat ihm gut. Also entschied er sich dafür, online zu bleiben. Und ihm geht es gut damit.

Der schmale Grat zwischen Selbstdarstellung und Geltungsdrang

Ich kann mich leider immer noch nicht ganz festlegen, wie ich die Depression als Mittel zur Selbstdarstellung in den sozialen Kanälen bewerten will – und das, obwohl ich persönlich auch sehr offen mit meiner Krankheit umgehe. Es ist ein heikles Thema, das jedes Gespräch beendet, sobald unterschiedliche Ansichten vorherrschen. Ab einem gewissen Punkt kann diese Form der Selbstdarstellung sehr schnell in einen gewissen abhängigkeitsgetriebenen Geltungsdrang übergehen bzw. dass es von Außenstehenden so wahrgenommen wird. Uwe musste sich schon längst die Vorwürfe anhören, dass er alles nur noch auf die Depression schieben würde oder das nur tut, um Geld zu verdienen – nicht zuletzt, weil er auf Twitter gerne von seinem “Erfolg” spricht, den er durch die Depression hat. Vielleicht steckt aber auch nur der ganz naive und unschuldige Gedanke dahinter, Aufklärungsarbeit zu betreiben und vielleicht einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, das Stigma dieser Krankheit zu zerstören. Der Grat ist trotzdem schmal.

Und jetzt?

Auch wenn die beiden nur zufällig von den Veranstaltern in einen Vortrag gesteckt wurden und auch wenn das Thema dadurch nur sehr oberflächlich angerissen werden konnte, so hat genau das dabei geholfen, zu verstehen, wie die Frage danach, ob Social Media-Nutzung bei Depressionen gut oder schlecht ist, zu beantworten ist: nämlich nicht pauschal, sondern ganz individuell. Man muss selbst herausfinden (oder noch besser: es gemeinsam mit einem Therapeuten besprechen), was einem nicht gut tut. Es muss ganz bewusst darauf geachtet werden, dass man sich nicht durch die befürwortende Kommunikationsspirale, die durch das Verbreiten dieses Themas auf den sozialen Netzwerken, immer weiter reinsteigert – denn das ist dann eher ein Weg, der nach unten führt.

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Sascha Stoltenow über Terrorismus: „Du musst Voldemort sagen, um ihn irgendwann in den Bann zu zwingen“

Wir kennen sie alle: Die abscheulichen Terrorvideos des selbsternannten Islamischen Staates. Entweder aus der medialen Berichterstattung als verpixelte Illustrationsvideos oder von einschlägigen Internetseiten, die es sich zur Marke gemacht haben, Inhalte ungefiltert zu zeigen. Die Terroristen kontrollieren die Berichterstattung durch selbst produzierte Gewaltvideos, Medien und Publikum übernehmen diese bereitwillig.

Sascha Stoltenow ist Kommunikationsberater und bloggt zu sicherheitspolitischen Themen auf Bendler-Blog.de
Sascha Stoltenow ist Kommunikationsberater und bloggt zu sicherheitspolitischen Themen auf Bendler-Blog.de

Wie kann man diese Deutungshoheit des Terrorismus brechen? Sascha Stoltenow von SCRIPT Communications in Frankfurt ist der Meinung: Das gelingt nur mit einer Kombination aus Sachlichkeit und Humor. Wir haben mit ihm über seine Session auf der re:publica TEN sowie das Content Strategy Camp in Dieburg gesprochen.

PR-Fundsachen: Sascha, der Titel eurer Session lautet „Terror ernst nehmen, Terroristen auslachen”. Was kann man darunter verstehen? Und was kann jeder einzelne machen, der grundgesetzwidrige Inhalte in sozialen Netzwerken entdeckt?

Sascha: Wir haben absichtlich diesen zweiteiligen Titel gewählt, denn “Terror ernst nehmen, Terroristen auslachen” ist eng miteinander verbunden. Wir brauchen sowohl journalistische Aufklärung als auch eine humorvolle Auseinandersetzung mit dem Terrorismus.

Uns allen können auf Facebook oder anderenorts irgendwelche brutalen Videos über den Weg laufen. Der beste Tipp, den ich geben kann, lautet: Don’t do it at home! Guck’s dir nicht an, denn auch so kann man sich traumatisieren! Obwohl ich mich aus einer professionellen Perspektive heraus damit beschäftige, reichen auch mir bei manchen Videos bereits die Bildbeschreibungen.

Was können die Betreiber der sozialen Netzwerke dagegen tun?

Anfang diesen Jahres war die Digital Life Design-Conference in New York. Dort hat die oberste britische Internetberaterin ein “Propaganda Call to Arms” an die großen Plattformen losgelassen und von Facebook gefordert, alles zu sperren oder zu löschen. Da muss ich leider sagen: Wenn man mit dieser intellektuellen Tiefe Beraterin der britischen Regierung werden kann, dann hat man das Netz grundsätzlich nicht verstanden. Warum kommen diese Inhalte denn überhaupt zu uns? Wegen der dezentralen Struktur des Netzes! Und das kriegt man über zentrale Stellen nicht kontrolliert.

Die populären Plattformen wie Twitter und Facebook löschen bereits Accounts und Google exkludiert bestimmte Suchergebnisse. Wenn man aber bei der Google Bildersuche ISIS eingibt, findet man das reinste Blutbad vor – und es ist wichtig, dem Netz diese Offenheit zu lassen.

Doch diese Offenheit nutzen natürlich auch die Propaganda-Einheiten des IS und betreiben eine Art Swarm-Casting. Es gibt keine zentrale Stelle, von der aus Content gestreut wird, sondern 200-300 Outlets, die parallel den gleichen Inhalt ins Web pushen.

Unser Vortrag und dieses Interview sind nur die Metaebene – denn dadurch, dass wir über den Terrorismus berichten, dadurch, dass ich mich damit beschäftige, tragen wir auch zur Verbreitung der Inhalte bei. Das ist dann wie bei Harry Potter: Du musst Voldemort sagen, um ihn irgendwann in den Bann zu zwingen. Du kannst nicht immer nur von dem, dessen Name nicht genannt werden darf, sprechen. Darüber verleiht man ihm eigentlich erst die Macht.

Was hältst du denn von den Bestrebungen, solche Seiten wie Lifeleaks, die Dinge ungefiltert zeigen, gesetzlich zu verbieten?

Ich halte STOP-Schilder im Internet für äußerst wirkungslos. Die Plattformen, die ein großes Publikum erreichen, haben ihr eigenes kommerzielles Interesse, dass diese Inhalte nicht auftauchen.

Man könnte meinen, die Inhalte würden sich ins Dark Web verlagern, aber es gibt aktuelle Studien des King’s College, die untersucht haben, wie präsent der IS im Dark Web ist. Herausgekommen ist, dass dieser dort total unpräsent sind. Natürliche möchte der IS, dass gewisse Kommunikationskanäle verschlüsselt sind, aber gerade die ganzen Propaganda-Kanäle sind auf maximale Verbreitung ausgelegt. Das kann man in einem freien Netzwerk nicht unterdrücken und ich finde, das sollte man auch nicht. Vielmehr sollten wir Gegenerzählungen entwickeln.

Ganz objektiv betrachtet, macht der IS gute bzw. wirkungsvolle PR?

Es ist vor allen Dingen eine Kopie. Es ist nicht so, dass der IS ein innovatives Format erfunden hätte. Die Struktur ihrer Enthauptungsvideos entspricht der Struktur eines Pornofilms. Am Anfang stellt man die Protagonisten vor und am Ende ist bei dem einen der Kopf ab und bei dem anderen wissen wir ja, wie es ausgeht.

Eine Erzählung vom Terror ist viel einfacher im Vergleich zur Unternehmenskommunikation, die in erster Linie komplex ist. Denn der IS ist nihilistisch und verfügt über keine Zukunftsvision. Zwar gibt es eine Vision des Kalifats, aber der Auftrag des Einzelnen ist abgeschlossen, er soll sich für die Idee aufopfern. Sei es als Kämpfer oder als Frau, die dem Kämpfer dient. Die Geschichten, die erzählt werden, sind also sehr einfach: “Wir werden euch alle töten, wir werden siegen und wir sind stärker.”

Game of Thrones erzählt zum Beispiel eine sehr komplexe Geschichte, weil es hunderte verschiedene Charaktere gibt. So komplex die Geschichte auch ist, fragen sich die Menschen am Ende der sechsten Staffel: Lebt Jon Snow noch? Dabei geht es wieder konkret um eine Person! Wenn man jetzt überlegt, dass ein Unternehmen mit 5.000 MitarbeiternInnen auch 5.000 unterschiedliche Charaktere hat, ist das auch eine Form von komplexer Erzählung. Da kann man es sich systematisch nicht so einfach machen wie Terrorproganada.

Um eure Frage zu beantworten: Bis zu einem gewissen Grad ist die Vermarktung des IS wirkungsvoll. Es reichen ein Schnittprogramm und eine Digitalkamera, um ein Video zu produzieren. Das Muster der Filme ist so einfach, dass im Grunde jeder ein Terrorvideo drehen kann. Hinzu kommen Multiplikatoren, die in den virtuellen Dschihad ziehen und teilen, liken, sharen, runterladen, kopieren, hochladen.

Das Marketing des IS spekuliert außerdem auf unsere Mediennutzungsgewohnheiten und den Sensationalismus des Mediensystems. Sie bedienen gezielt Nachrichtenfaktoren und das führt teilweise dazu, dass Propaganda unkritisch verbreitet wird. Deswegen sagen wir: Den Terror ernst nehmen heißt auch, sich systematisch mit diesen Dingen auseinanderzusetzen und nicht nur Propaganda weiter zu kolportieren.

In Deinem Vortrag hast Du bereits gesagt, dass es um die Mischung aus investigativer journalistischer Arbeit und eben Humor geht, um Terroristen vorzuführen. Warum denkst du, dass faktenorientierte Berichterstattung nicht mehr so gut funktioniert? Sind wir durch die ganzen Terrormeldungen abgestumpft?

Die Frage hängt davon ab, wie man faktenorientiert definiert. Wir konsumieren Dinge am besten, wenn sie in irgendeiner Art von einer Story geprägt sind. Zusammenhänge werden vereinfacht dargestellt, um sie besser zu vermitteln. Dennoch denke ich, dass es immer noch eine Chance für faktenorientierte Berichterstattung gibt. Bei Themen wie den Panama Papers oder TTIP-Leaks denke ich allerdings, dass die Inszenierung teilweise über den Inhalt geht. In der grundsätzlichen Medienkritik könnte man behaupten, dabei handle es sich um hervorragendes Storytelling. Aber ich stelle mir die Frage, ob dabei auch die Nachrichtensubstanz stimmt. Ein systematisches Problem ist, dass Propaganda sehr stark fokussiert und sehr leicht nacherzählbar ist. Das Gegenmodell dazu ist Vielfalt. Storytelling bedeutet für mich, Dinge linear anzuordnen und im großen Fluss der Erzählungen Ankerpunkte zu setzen. Diesen schmalen Grat zwischen Storytelling und Substanz zu finden ist eine Herausforderung.

Letztlich gibt es immer noch genug Menschen, die an diesen Fakten interessiert sind und eine andere Form von Beteiligung wollen. Sie wollen nicht mehr Medien konsumieren, die von oben herab sagen, wie die Wirklichkeit ist. Stattdessen geht es viel mehr um den Prozess der Meinungsbildung. Das ist eine Aufgabe, auf die ich keine abschließende Antwort habe, aber mit der sowohl der Journalismus als auch die Unternehmenskommunikation umgehen muss.

Am ersten Juni-Wochenende findet in Dieburg das Content Strategy Camp statt, das du selbst mitveranstaltest. Werden wir eine Session zum Thema Terroristmus von dir sehen?
Das weiß ich jetzt noch gar nicht. Bei mir kommt das stark auf die Stimmung an. Mit den Themen Propaganda und Terrorismus bin ich auf ein hohes Interesse gestoßen, aber manchmal wirkt mir das zu maschig. Nach dem Motto: „Der Stoltenow erzählt den Leuten wieder was von Terrorismus.“ Ich hab am Montag einen Vortrag gehalten zum Thema der vergangenen re:publica und dabei habe ich gemerkt, dass ich in eine gewisse Routine gerate. Ich brauche Abstand, um sagen zu können: „Okay, jetzt machst du mal was Neues.“

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Das cosca mache ich allerdings für die Teilgeberinnen und Teilgeber, die nach Dieburg kommen. Natürlich auch, weil wir selber in diesem Thema als Agentur unterwegs sind. Aber es hat sich so etabliert, dass beim cosca alle willkommen sind. Anders als bei anderen Barcamps haben wir beispielsweise 50% Männlein und 50% Weiblein aus allen Ecken Europas. Immer mehr Freelancer, Agenturen und Unternehmen werden neugierig darauf. Das ist für mich ein schöner Erfolg. Wer nach Dieburg fährt, um sich über Content Strategie zu unterhalten, der muss sich wirklich für das Thema interessieren. Einen anderen Grund, nach Dieburg zu fahren, gibt es nicht. 😉

Warum sollte man das cosca16 auf keinen Fall verpassen?

Zweierlei: Auf jeden Fall kriegst du einen sehr offenen Input von vielen unterschiedlichen Verantwortlichen für Kommunikation, PR und Marketing im digitalen Umfeld. All das auf einer sehr praktisch-anfassbaren Ebene, weit entfernt von trockener Theorie aus der Vorlesung.

Den Menschen, die sich noch nicht sicher sind, ob sie hingehen wollen, sei gesagt: Wir haben zunehmend den Eindruck, dass sich in Unternehmen alternative Meetingformate etablieren. Seien es Großgruppenmoderationen wie ein Barcamp oder wie eine Fishbowl-Diskussion. Wäre ich Leiter einer Kommunikationsabteilung eines Unternehmens, dann würde ich meinen Mitarbeitern sagen: “Geht da hin, damit ihr nicht nur neue Impulse zum Thema Content mitnehmt, sondern auch alternative Lernformen kennenlernt.”

tl;dr

Lasst euch von Terrorpropaganda nicht instrumentalisieren. Und geht zum #cosca16!

 

Das Interview führten Tobias Lübke und Ilma Bojadzic.

Community Manager online – die Menschen am Hebel

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Besonders für junge Menschen ist der Beruf des Community Managers ein echter Traum. Den ganzen Tag im Web unterwegs sein, Beiträge posten, Follower glücklich machen und lästige Trolle ausschalten… Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Negativkommentare und Hetze können den Alltag ganz schnell zum Albtraum werden lassen. Was steckt hinter dem Beruf und wer entscheidet: Community on oder off? Auf der re:publica (#rpTEN) in Berlin habe ich den erfahrenen Community Manager Daniel Wüllner von der Süddeutschen Zeitung getroffen und mit ihm darüber gesprochen.   

Nachdem die Digitalisierung dafür gesorgt hat, dass jeder seine Meinung im Internet verbreiten kann, ist es für Bürger sehr einfach, das allgemeine Stimmungsbild nicht nur aktiv mitzugestalten, sondern auch zu lenken. Durch den hohen Einfluss der Onlinegemeinschaft spricht man immer häufiger auch von der „fünften Gewalt“. Besonders für Medienunternehmen ist es deshalb unerlässlich, mit den Usern im ständigen Dialog zu sein.

Community Manager veröffentlichen Beiträge in sozialen Netzwerken, filtern die dazugehörigen Reaktionen und sorgen für eine geregelte Kommunikation. Daniel Wüllner ist Leiter des Social-Media- und Community Managements bei der Süddeutschen Zeitung und kümmert sich mit seinem zehnköpfigen Team um den digitalen Leserdialog. Seiner Meinung nach ist es wichtig, dass man in diesem Job immer neutral bleibt und Beiträge moderiert anstatt Meinungen zu beurteilen.

Im Interview: Daniel Wüllner
Im Interview: Daniel Wüllner

#Arbeitsalltag

In Daniel Wüllners Abteilung sind täglich drei Mitarbeiter gleichzeitig mit der Moderation von Beiträgen beschäftigt. Von morgens um acht bis Mitternacht werden Artikel oder Bilder gepostet, Kommentare gelesen und Fragen beantwortet.

#Profil

Ohne Social Media Skills wird es schwierig, mit der Onlinegemeinschaft zu kommunizieren. Eine gute Allgemeinbildung sowie hohe Belastbarkeit gehören ebenfalls zum Handwerkszeug. “Man darf sich nicht leicht reizen lassen.” rät Daniel Wüllner. Für ihn ist es außerdem wichtig, dass Community Manager gepflegt auftreten – besonders im Netz. Wer sich für eine entsprechende Stelle bewerben will, sollte deshalb sicherstellen, dass die persönlichen Profile in den sozialen Netzwerken aktuell sind.

#Karriere

Der Beruf des Community Managers ist noch so neu, dass es keine Standards oder Zertifizierung dafür gibt. Viele steigen über ein Praktikum oder Volontariat in die Tätigkeit ein. Bei Daniel Wüllner hat alles mit einer Halbtagsstelle angefangen: “Damals habe ich für die Süddeutsche Zeitung Beiträge gelesen, freigeschaltet und kommentiert um mir mein Studium zu finanzieren. Irgendwann ist die Nebentätigkeit immer mehr zum Hauptberuf geworden.” Durch Workshops und Schulungen bildet er sein Team heute selbst aus.

Im schnelllebigen Social-Media-Business ist der ständige Austausch über geeignete Tools und Trends sehr wichtig. Seit 2008 bietet der Bundesverband für Community Manager (BVCM) deshalb eine Informations- und Netzwerkplattform für Fachkräfte aus der Branche und trägt zur Prägung des Berufsbilds in Deutschland bei.

#Strategie

“Man sollte sich zunächst überlegen, was man auf welchem Kanal kommunizieren will und wie man mit den Reaktionen der Leser umgeht.”, sagt Daniel Wüllner. Ziel der Social-Media-Beiträge ist es, Emotionen zu wecken und so eine Interaktion auf der eigenen Plattform zu generieren. Da es in einer Community nicht immer friedlich vor sich geht, sollte unbedingt eine Netiquette veröffentlicht werden. Die darin enthalten Richtlinien sorgen hoffentlich dafür, dass Diskussionen auf einem gewissen Niveau stattfinden.

Community on oder off?

Hunderte Likes, Shares und unzählige positive oder negative Kommentare… Ein einziger Social-Media-Beitrag kann die unterschiedlichsten Reaktionen mit sich bringen. Von Love bis Shitstorm – die Macht der Netzgemeinschaft ist grenzenlos.

Hetzkommentare und Beleidigung durch bestimmte Personen bleiben leider nicht aus und lassen sich selbst mit Kommunikationsregeln nicht immer vermeiden. Im schlimmsten Fall sollten Kommentare dann gelöscht und Nutzer blockiert werden. Strukturierte Diskussionen hingegen sind erlaubt und auch erwünscht. Die Leser sollen eine Plattform haben, um Meinungen auszutauschen und aufeinander eingehen zu können.

Trotz permanentem Stress und vielen negativen Kommentaren ist der Beruf des Community Managers für Daniel Wüllner daher sehr positiv: “Natürlich habe ich mir von den Lesern schon einiges gefallen lassen müssen. Wir können bei der SZ aber auch viele Erfolgsgeschichten vorweisen, die mit Rückfragen aus der Community begonnen haben.” Für ihn ist es besonders schön zu sehen, wie sich neue Themen entwickeln, wenn man seinen Followern nur richtig zuhört. Community on!

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Hier gibts mehr Infos zur Session „Community on oder off“ auf der media convention 2016.

Wider die Herrschaft der Algorithmen

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Wider die Herrschaft der Algorithmen! Oder, wie bekommen wir die Kontrolle zurück? – Eine Diskussionsrunde auf der Re:publica in Berlin

„Unser Denken ist gehackt. Suchmaschinen, Social Media und Big Data-Nudging: Algorithmen haben die Kontrolle über unseren Alltag übernommen“, lautet der provokative Teaser. Sind wir tatsächlich zunehmend fremdgesteuert? Und was können wir dagegen tun?

Durch selbstverstärkende Mechanismen versinken wir in der Einseitigkeit unserer Interessen und setzen uns freiwillig der Diktatur der Daten aus. Angeblich wissen zwei drittel der Facebook Nutzer nicht, dass der Facebook-Feed algorithmusgesteuert ist. Andererseits können Algorithmen auch hilfreich sein. Netflix beipielsweise empfiehlt Nutzern neue Serien auf Basis der bereits geschauten.  

Aber zuerst: Was ist eigentlich ein Algorithmus und was macht dieser mit dem Facebook Feed?

Ein Algorithmus ist eine mathematische Formel, die mit Variablen etwas schätzt. Wie er genau funktioniert, weiß man in der Regel nicht, da die Unternehmen, die einen Algorithmus nutzen, diesen nicht preisgeben. Mit einem Algorithmus ist die Analyse der Vergangenheit möglich. Das führt dazu, dass Inhalte auf die Posts zugeschnitten werden, die Facebook-Nutzer in der Vergangenheit angeschaut oder geliked haben. Eine Analyse, beziehungsweise Berechnung der Zukunft, ist mit Algorithmen nicht mehr möglich, sobald sich neue Variablen ergeben.

Was ist Big Data Nudging?

Big Data Nudging ist die Beeinflussung von Personen ohne Verbote oder Gebote. Infolgedessen wäre es technisch möglich, dass der Staat steuernd eingreift und zwar ohne gesetzgeberische Hebel in Bewegung zu setzen. Wer mehr wissen möchte, darf sich gerne das Video zur Diskussion hier anschauen.

Risiko der Algorithmen

Durch die Nutzeranalyse werden nur noch personalisierte Suchergebnisse ausgegeben, sei es bei Google oder Facebook. Des Weiteren rückt durch die Personalisierung der Suchanfragen die Wahrnehmung von Realitäten in den Hintergrund. Wir gewinnen zwar den Eindruck, alle Ergebnisse würden das gesamte Spektrum von Meinungen und Informationen objektiv abbilden, tatsächlich verengt sich aber unser Horizont.  

Trotz all der negativen Eigenschaften von Algorithmen gibt es auch Vorteile. Nehmen wir beispielsweise Netflix; das kennt jeder. Hier werden Serien- oder Filmempfehlungen anhand schon geschauter Inhalte geliefert. Auch dies, man mag es kaum glauben, macht ein Algorithmus.

Besteht die Möglichkeit die Filterfunktion, zumindest bei Facebook, auszuschalten?

Das ist die eigentliche Frage um die es hier geht: Wie schaffen wir es, uns aus den Fängen der Algorithmen zu befreien? Neben unseren Online- können wir auch Offline Medien konsumieren – möglichst nicht nur eine einzige, sondern gleich mehrere, (internationale) Zeitungen. Unsere Agenda sollten wir nicht auf die eigenen Interessen beschränken, sondern “open minded” arbeiten und uns zusätzliche Themen zu Gemüte führen.  

Aus Sicht der Entwickler wäre es sinnvoll, die Benutzer gleich in die Entwicklung der Algorithmen einzubeziehen, damit eine gewisse Offenheit entsteht. Facebook bietet mittlerweile mehrere Möglichkeiten den Nachrichtenfeed besser zu sortieren. Zum einen kann man den “Unfollow”-Button nutzen, der dafür sorgt, dass Beiträge von einer Person mit der man befreundet ist nicht mehr in den Feed gespült werden. Zum anderen besteht die Möglichkeit, sich über Posts benachrichtigen zu lassen. Die Dritte Möglichkeit ist, dass man sich Individuelle Nachrichtenfeeds erstellt und diese mit den Personen und Seiten befüllt die einen wirklich interessieren.

Inzwischen lassen sich Neuigkeiten so einstellen, dass man sich aussuchen kann, was zuerst auf der Timeline angezeigt werden soll. Für eine detailliertere Erklärung, kann man gerne hier weiterlesen.  Dem Ärgernis, uns selbst aktiv bemühen zu müssen, wieder Herr der Daten zu werden, können wir nicht entgehen. Bei vielen bleibt ein ungutes Gefühl zurück – eine Unsicherheit, ob die neuen Facebook-Funktionen wirklich ausreichen, um der Filterblase zu entkommen. Die drastischste und für den ein oder anderen vielleicht einzige Lösung ist einfach auch mal abzuschalten. Abschalten, und darüber reflektieren, was einen interessiert, was man wahrnimmt und wo man sich seine Informationen beschafft.

Serie Authentizität (IV): Snapchat zwingt authentisch zu sein

Foto von MCB/Uwe Völkner ©
Foto von MCB/Uwe Völkner ©

Wenn man sich in der Bahn, in der Stadt oder irgendwo anders umsieht, sieht man viele Menschen Grimassen ziehen. Sie nutzen Snapchat und wollen den Freunden ein lustiges Selfie schicken. Aber wie steht es um  die Authentizität der App? Duygu Gezen erklärte dies auf der re:publica.

Duygu Gezen (@duygugzn) ist Social Media Volontärin bei ARD: “Ich kümmer’ mich nur um Internet-Gedöns.” Bereits 2013, als Snapchat aufkam, hat sie sich die App heruntergeladen, aber auch kurze Zeit später wieder vergessen und gelöscht. Zu Beginn war die Plattform als Sexting-App  aus den USA “verschrien”, da viele Jugendliche darüber Dickpics und ähnliches verschickten. Vor anderthalb Jahren kam Snapchat erst richtig nach Deutschland und immer mehr Jugendliche fingen an, zu snappen. So lud sich auch Duygu die App ein zweites Mal auf das Smartphone. Da noch nicht viele Menschen einen Snapchat-Account hatten, snappte sie wenig mit Freunden und Familie und später auch in ihrer Story.

Was ist dieses Snapchat?

Über die App lassen sich einfach Bilder und Videos aufnehmen. Duygu hinterlegt gerne ihre Snaps mit ein bisschen Musik, um sie noch ein wenig aufzuwerten. Vorteil  dabei, der kurze Video-Clip ist gedreht und geschnitten in einem. Nachträglich lassen sich einfach Text und Emoticons hinzufügen. Je nach Nachbearbeitung kann dies auch relativ lange dauern. Ist der Snap fertig, hat man die Möglichkeit, ihn direkt an eine Person zu schicken oder in die eigene Story, die von allen Freunden gesehen werden kann, zu posten.

Duyguy, Krachten und das Publikum drehen ein kurzes Snapvideo zu Helene Fischer’s “Atemlos” und dem Titel “Total natürliche Stituation…”. Frage an Duygu: Ist das noch authentisch? “Für mich ist das total authetisch.”

Wie authentisch ist denn Snapchat?

Folgt man auf Snapchat Leuten, kann man deren Storys anschauen (soweit sie diese öffentlich haben). Aber warum schaut man sich das an? “Es fühlt sich an, als würde man abends zusammen auf dem Sofa sitzen und fragen: Hey, wie war dein Tag?” Schaut man sich die Story an, weiß man, was die Person gemacht hat und hat eine Verbindung zu ihr. Dabei spielt die Echtheit eine große Rolle. “Snapchat zwingt einen quasi dazu, authentisch zu sein. Bilder und Videos kann ich nur verschicken, wenn ich sie in der App aufgenommen habe. Auch die Zeit lässt sich nicht manipulieren. “ Wurde etwas vor beispielsweise drei Stunden gepostet, steht dies dort auch deutlich und lässt sich im Nachhinein nicht ändern. Jedoch ist es möglich, gewisse Dinge den Abonnenten vorzuspielen. Ein “Snapper” kann den Anschein erwecken, bei seiner Aufnahme handelt es sich um einen Schnappschuss, dabei hat man 30 Anläufe benötigt, bis das Bild perfekt war. “Insgesamt  ist es im Vergleich zu YouTube und Instagram deutlich authentischer.”, so Duygu. Für die Zukunft sieht sie Snapchat auch mit wachsender Reichweite. Dennoch sollte das Problem der Auffindbarkeit behoben werden. Besonders als privater Account ist es schwer, neue Abonnenten zu generieren.

Snapchat in der Unternehmenskommunikation

Dies ist auch immer noch ein Punkt, weshalb Unternehmen auch teilweise noch mit der Plattform hadern. Aber dennoch ist Snapchat ein Netzwerk, welches in eine Content-Strategie-Planung miteinbezogen werden sollte. Die Zahlen sprechen hierbei für sich: Pro Tag gibt es 2.500.000 aktive “Snapper” in Deutschland, schreibt Philipp Steuer in seinem Buch. Besonders die Altergruppe 18 bis 24 ist dort vertreten. REWE hat sich dies zu nutzen gemacht und spricht über die Plattform potentielle neue Auszubildende an. Die Verantwortliche für die Arbeitnehmerkommunikation, Melanie Berthold, sagte in einem Interview mit Sachar Klein, dass ihnen wichtig sei, dass sie bei Snapchat noch authentischer kommunizieren können. Sie zeigen dort Mitarbeitermeinungen und snappen live von Events. Eben dies ermöglicht tiefere Einblicke in ein Unternehmen. Um sich auf der Plattform etablieren zu können, muss eine Geschichte erzählt werden. “Je stärker die „Personality Brand“ des Accounts, umso höher die Anteilnahme und das Interesse an ihren „Stories“.”, so Daniel Rehn auf seinem Blog.

Wie sich Snapchat in der Unternehmenskommunikation weiterhin entwickelt, bleibt spannend zu beobachten. Da es zur Zeit ein sehr aktives und sich stetig änderndes Netzwerk ist, wird dort in nächster Zeit auch sehr viel passieren.

tl;dr

Im letzten Jahr hat sich in Deutschland Snapchat als soziales Netzwerk immer mehr verbreitet – ein Netzwerk in welchem Bilder und Videos maximal 24 Stunden überleben. Dadurch, dass Aufnahmen nur direkt in der App aufgenommen werden, ist Snapchat wesentlich authentischer gegenüber anderen Apps. Durch das Schauen der Storys von anderen “Snapchattern” hat man einen Einblick in deren Leben.

 

Hier findet Ihr die weiteren Artikel der Serie:

YouTube, Instagram, Snapchat: Wie authentisch sind Soziale Netzwerke?

Serie Authentizität (II): YouTube funktioniert nicht ohne Authentizität

Serie Authentizität (III): Weniger Selfies, mehr Qualität – Authentizität bei Instagram

Content Marketing – Gefahr oder Chance?

Foto: © Johannes Untch
Foto: © Johannes Untch

Dass Content Marketing bereits seit ein paar  Jahren fester Bestandteil der Kommunikation von Unternehmen geworden ist, ist sicherlich kein Geheimnis mehr. So etablierten gerade große Unternehmen in den vergangenen Jahren magazinartige Plattformen und damit verbundene Inhalte, die manchmal mehr, meist jedoch  weniger mit den eigentlichen Produkten oder Dienstleistungen der Marke zu tun haben.

Ganz getreu dem Motto „Don’t talk about products, talk around“ präsentiert sich Content Marketing als redaktionelles Mittel und stellt somit eine teilweise brauchbarere Alternative zu der klassischen Werbung dar. Nicht selten wird das unter dem Deckmantel des Journalismus gehandhabt, denn es geht hauptsächlich um inhaltsgetriebene wie aber auch Nutzen schaffende Kommunikation. Darüber hinaus ist Content Marketing mit seinen Hintergrund-Reportagen wie auch Ratgeberbeiträgen in den meisten Fällen rein informierend und wahrt natürlich den Schein der gründlichen Recherchearbeit.

Marketing ist niemals selbstlos

Doch trügt der Schein? Es wäre ja nicht Marketing, wenn nicht damit auch übergeordnete Ziele des jeweiligen Unternehmen eine Rolle spielen würden. Der Frage, welche Auswirkungen das wiederum für den klassischen Journalismus hat, hat sich der Medienkritiker und Publizist Prof. Dr. Lutz Frühbrodt auf der re:publica TEN gestellt: „Content Marketing – der Vormarsch der Pseudo-Journalisten.“

Transparenz fordern – Bewusstsein stärken?

Daimler, Lufthansa, Coca Cola und Co. – sie alle haben das Potenzial von redaktionellen Inhalten erkannt und damit Leser und Kunden in vielen Fällen begeistert. Frühbrodt geht aber davon aus, dass das häufig am mangelnden Einblick der Adressaten liegt und Nutzer im schlimmsten Fall nicht erkennen, dass hinter einem vermeintlich journalistischen Format eine Marke mit Interessen steht. Er beruft sich dabei auf Curved, die davon ausgeht das lediglich ein Drittel der Leser einen Blick ins Impressum werfen. Besonders undurchsichtig kann das bei denjenigen Unternehmen werden, die die Marke bewusst versteckt halten.

Was Frühbrodt besonders aufstößt: Für Content Marketing würden oft Journalisten eingekauft, die sich auch im Unternehmensauftrag noch als solche verstehen. Auch im Interview mit der t3n beschreibt er diese Sorge anhand einiger Fallbespiele, in denen die Einflussnahme von Content Marketing, nicht nur auf den Berufsstand der Journalisten, sondern auch in die öffentlichen Debatten, nicht wegzudiskutieren ist.

An dieser Stelle rät Frühbrodt zu mehr Transparenz seitens der verantwortlichen Kommunikationsverantworlichen , stellt aber außer der Idee eines „Content Marketing Kodex“ leider keine wirklichen Lösungsansätze vor. Eines ist doch hoffentlich klar: Content Marketing gestaltet die Unternehmenskommunikation maßgeblich mit und hat in vielen Fällen schon für neue, frische Marken-Inhalte gesorgt. Natürlich sollte aber trotzdem über mögliche Konsequenzen für fahrlässige Unternehmen nachgedacht werden. Doch wird sich das nicht von ganz allein regulieren? Ich bin trotz der Kritik an Curved der Meinung, dass die meisten Leser sehr wohl ein Bewusstsein für die Herkunft ihrer Inhalte haben und darüber hinaus transparenten, gut gemachten Content schließlich doch mit mehr Aufmerksamkeit belohnen werden.

tl;dr

Content Marketing ist eine der beliebtesten Kommunikationsmethoden – Marken wie Daimler oder Lufthansa machen es erfolgreich vor! Dabei geht es um redaktionelle Maßnahmen, die rund um die Marke publiziert werden. Abseits von Produkten und Dienstleistungen können Unternehmen mit ihren Inhalten somit zu Einflussnehmern werden. Was das für den klassischen Journalismus bedeutet, hat sich Medienkritiker und Publizist Prof. Dr. Lutz Frühbrodt auf der re:publica TEN zum Thema gemacht.

Serie Authentizität (III): Weniger Selfies, mehr Qualität – Authentizität bei Instagram

media convention berlin 2016 2.-3. Mai 2016, STATION-Berlin ------------------------------------------------ [ © (c) Uwe Voelkner / FOX F o t o a g e n t u r F O X info@fotoagentur-fox.de Tel: 02266 - 9019 210 Vanitiy: 0800-FotoFoto Mobil: 0171 - 5483 127 Koelner Strasse 60 D-51789 Lindlar / Koeln B a n k v e r b i n d u n g Kto 7004 78 102 P o s t b a n k B e r l i n BLZ 100 100 10 IBAN DE86 1001 0010 0700 4781 02 BIC PBNKDEFF Steuernummer: 221/5125/0967 Finanzamt: Wipperfuerth USt-IdNr. : DE182602653 Nutzung honorarpflichtig gem. gueltiger MFM-Liste]

Foto von MCB/Uwe Völkner ©

Beim Scrollen durch Instagram fällt auf: Es gibt immer weniger Selfies. Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus. Fast jedes Bild sah aus, als ob es im eigenen Wohnzimmer aufgenommen wurde. Aber warum ist das so? Manniac gibt auf der re:publica Antworten.

Seit 2006 dreht Manniac YouTube-Videos und ist auch seit einigen Jahren als manniacmind auf Instagram aktiv. Dort hat er mittlerweile über 31.000 Follower. Manniac veröffentlicht auf der Plattform viele Eindrücke von seinen Reisen in  Länder wie Südafrika oder Thailand. Er zeigt dort Orte, spricht aber auch ernste Themen wie Fukushima an. Zu Beginn hat er seinen Instagram-Account genutzt, um persönliche Bilder zu posten, hat aber nun die Strategie gewechselt. “Ich hatte einfach das Gefühl, dass die persönlichen Dinge woanders besser aufgehoben sind, zum Beispiel auf Snapchat.” Instagram sei eine Plattform die sich gut für hochwertige Fotos eignet. So verbringt Manniac auch mal zwei bis drei Stunden damit, ein Bild zu bearbeiten, bevor er es dort veröffentlicht. Seine Erfahrung: Nutzer sind eher dazu bereit, mit qualitativ hochwertigen Bildern zu interagieren. Fotos in schlechter Qualität werden in der Timeline schnell übersehen und einfach weitergescrollt.

Ein Leben zwischen Selfie und Webinterface

Auch wenn  sich die Instagram-Nutzung verändert hat und weniger Selfies dort gepostet werden, ist dort noch Personality  vorhanden. Anfangs konnte man auf der Plattform lediglich Bilder posten, die in der App aufgenommen wurden. Mit zahlreichen Updates haben sich die Funktionen des Netzwerkes verändert. Nun lassen sich auch ohne großen Aufwand Bilder, die “extern” aufgenommen und bearbeitet wurden,  hochladen. “Da war ein Lernprozess bei den Nutzern und Entwicklern zu sehen, dass hochqualitative Bilder besser funktionieren.”, so Manniac. Für eine noch einfachere Nutzung wäre seiner Meinung jedoch ein Webinterface zum Veröffentlichen von Bildern nützlich.

Während der re:publica Session zum Thema nahmen Manniac und sein Gesprächspartner Christoph Krachten ein Selfie auf und erklärten anhand dessen die Funktionsweise der App ein wenig: Man sucht sich einen Filter aus, spielt ein bisschen an der Helligkeit rum, verändert die Schatten, verwischt den Hintergrund, setzt passende Hashtags und markiert vielelicht andere Personen. Die große Frage: Ist das noch authentisch? Auch Manniac ist sich da nicht so ganz sicher: “Es kommt darauf an, was Du sonst so auf deinem Kanal postest. Wenn Du immer so viele Filter verwendest, vielleicht. Wenn es Deiner Persönlichkeit entspricht schon, aber ansonsten eher nicht.”

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Screenshot Instagram

Was heißt das?

Man kann auf Instagram immer noch authentisch sein, aber immer weniger sind es. “Viele glauben, dass Instagram authentisch ist, auch, wenn es gar nicht mehr so ist”, so Manniac. Die Plattform werde immer mehr als Medienplattform genutzt.  Die Nutzer planten intentsiver, was sie posten möchten und wie: Sie entwickeln eine eigene Content Strategie.

tl;dr

In den letzten Jahren hat Instagram einen intensiven Wandel durchlaufen. Anfangs wurden in dem sozialen Netzwerk viele  Selfies hochgeladen – mit der Smartphone-App aufgenommen und direkt veröffentlicht. Durch Updates und sich ändernde Ansprüche der Nutzer lassen sich nun auch außerhalb der App aufgenommene Bilder posten. Der Fokus liegt daher mittlerweile auf qualitativ hochwertigen Fotos anstelle von persönlichen Eindrücken. Dafür gibt es ja jetzt Snapchat.

 

Hier findet Ihr die weiteren Artikel der Serie:

YouTube, Instagram, Snapchat: Wie authentisch sind Soziale Netzwerke?

Serie Authentizität (II): YouTube funktioniert nicht ohne Authentizität

Content Marketing – Gefahr oder Chance?

Foto: © Johannes Untch
Foto: © Johannes Untch

Dass Content Marketing bereits seit ein paar  Jahren fester Bestandteil der Kommunikation von Unternehmen geworden ist, ist sicherlich kein Geheimnis mehr. So etablierten gerade große Unternehmen in den vergangenen Jahren magazinartige Plattformen und damit verbundene Inhalte, die manchmal mehr, meist jedoch  weniger mit den eigentlichen Produkten oder Dienstleistungen der Marke zu tun haben.

Ganz getreu dem Motto „Don’t talk about products, talk around“ präsentiert sich Content Marketing als redaktionelles Mittel und stellt somit eine teilweise brauchbarere Alternative zu der klassischen Werbung dar. Nicht selten wird das unter dem Deckmantel des Journalismus gehandhabt, denn es geht hauptsächlich um inhaltsgetriebene wie aber auch Nutzen schaffende Kommunikation. Darüber hinaus ist Content Marketing mit seinen Hintergrund-Reportagen wie auch Ratgeberbeiträgen in den meisten Fällen rein informierend und wahrt natürlich den Schein der gründlichen Recherchearbeit.

Marketing ist niemals selbstlos

Doch trügt der Schein? Es wäre ja nicht Marketing, wenn nicht damit auch übergeordnete Ziele des jeweiligen Unternehmen eine Rolle spielen würden. Der Frage, welche Auswirkungen das wiederum für den klassischen Journalismus hat, hat sich der Medienkritiker und Publizist Prof. Dr. Lutz Frühbrodt auf der re:publica TEN gestellt: „Content Marketing – der Vormarsch der Pseudo-Journalisten.“

Transparenz fordern – Bewusstsein stärken?

Daimler, Lufthansa, Coca Cola und Co. – sie alle haben das Potenzial von redaktionellen Inhalten erkannt und damit Leser und Kunden in vielen Fällen begeistert. Frühbrodt geht aber davon aus, dass das häufig am mangelnden Einblick der Adressaten liegt und Nutzer im schlimmsten Fall nicht erkennen, dass hinter einem vermeintlich journalistischen Format eine Marke mit Interessen steht. Er beruft sich dabei auf Curved, die davon ausgeht das lediglich ein Drittel der Leser einen Blick ins Impressum werfen. Besonders undurchsichtig kann das bei denjenigen Unternehmen werden, die die Marke bewusst versteckt halten.

Was Frühbrodt besonders aufstößt: Für Content Marketing würden oft Journalisten eingekauft, die sich auch im Unternehmensauftrag noch als solche verstehen. Auch im Interview mit der t3n beschreibt er diese Sorge anhand einiger Fallbespiele, in denen die Einflussnahme von Content Marketing, nicht nur auf den Berufsstand der Journalisten, sondern auch in die öffentlichen Debatten, nicht wegzudiskutieren ist.

An dieser Stelle rät Frühbrodt zu mehr Transparenz seitens der verantwortlichen Kommunikationsverantworlichen , stellt aber außer der Idee eines „Content Marketing Kodex“ leider keine wirklichen Lösungsansätze vor. Eines ist doch hoffentlich klar: Content Marketing gestaltet die Unternehmenskommunikation maßgeblich mit und hat in vielen Fällen schon für neue, frische Marken-Inhalte gesorgt. Natürlich sollte aber trotzdem über mögliche Konsequenzen für fahrlässige Unternehmen nachgedacht werden. Doch wird sich das nicht von ganz allein regulieren? Ich bin trotz der Kritik an Curved der Meinung, dass die meisten Leser sehr wohl ein Bewusstsein für die Herkunft ihrer Inhalte haben und darüber hinaus transparenten, gut gemachten Content schließlich doch mit mehr Aufmerksamkeit belohnen werden.

tl;dr

Content Marketing ist eine der beliebtesten Kommunikationsmethoden – Marken wie Daimler oder Lufthansa machen es erfolgreich vor! Dabei geht es um redaktionelle Maßnahmen, die rund um die Marke publiziert werden. Abseits von Produkten und Dienstleistungen können Unternehmen mit ihren Inhalten somit zu Einflussnehmern werden. Was das für den klassischen Journalismus bedeutet, hat sich Medienkritiker und Publizist Prof. Dr. Lutz Frühbrodt auf der re:publica TEN zum Thema gemacht.

Serie Authentizität (III): Weniger Selfies, mehr Qualität – Authentizität bei Instagram

media convention berlin 2016 2.-3. Mai 2016, STATION-Berlin ------------------------------------------------ [ © (c) Uwe Voelkner / FOX F o t o a g e n t u r F O X info@fotoagentur-fox.de Tel: 02266 - 9019 210 Vanitiy: 0800-FotoFoto Mobil: 0171 - 5483 127 Koelner Strasse 60 D-51789 Lindlar / Koeln B a n k v e r b i n d u n g Kto 7004 78 102 P o s t b a n k B e r l i n BLZ 100 100 10 IBAN DE86 1001 0010 0700 4781 02 BIC PBNKDEFF Steuernummer: 221/5125/0967 Finanzamt: Wipperfuerth USt-IdNr. : DE182602653 Nutzung honorarpflichtig gem. gueltiger MFM-Liste]

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Beim Scrollen durch Instagram fällt auf: Es gibt immer weniger Selfies. Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus. Fast jedes Bild sah aus, als ob es im eigenen Wohnzimmer aufgenommen wurde. Aber warum ist das so? Manniac gibt auf der re:publica Antworten.

Seit 2006 dreht Manniac YouTube-Videos und ist auch seit einigen Jahren als manniacmind auf Instagram aktiv. Dort hat er mittlerweile über 31.000 Follower. Manniac veröffentlicht auf der Plattform viele Eindrücke von seinen Reisen in  Länder wie Südafrika oder Thailand. Er zeigt dort Orte, spricht aber auch ernste Themen wie Fukushima an. Zu Beginn hat er seinen Instagram-Account genutzt, um persönliche Bilder zu posten, hat aber nun die Strategie gewechselt. “Ich hatte einfach das Gefühl, dass die persönlichen Dinge woanders besser aufgehoben sind, zum Beispiel auf Snapchat.” Instagram sei eine Plattform die sich gut für hochwertige Fotos eignet. So verbringt Manniac auch mal zwei bis drei Stunden damit, ein Bild zu bearbeiten, bevor er es dort veröffentlicht. Seine Erfahrung: Nutzer sind eher dazu bereit, mit qualitativ hochwertigen Bildern zu interagieren. Fotos in schlechter Qualität werden in der Timeline schnell übersehen und einfach weitergescrollt.

Ein Leben zwischen Selfie und Webinterface

Auch wenn  sich die Instagram-Nutzung verändert hat und weniger Selfies dort gepostet werden, ist dort noch Personality  vorhanden. Anfangs konnte man auf der Plattform lediglich Bilder posten, die in der App aufgenommen wurden. Mit zahlreichen Updates haben sich die Funktionen des Netzwerkes verändert. Nun lassen sich auch ohne großen Aufwand Bilder, die “extern” aufgenommen und bearbeitet wurden,  hochladen. “Da war ein Lernprozess bei den Nutzern und Entwicklern zu sehen, dass hochqualitative Bilder besser funktionieren.”, so Manniac. Für eine noch einfachere Nutzung wäre seiner Meinung jedoch ein Webinterface zum Veröffentlichen von Bildern nützlich.

Während der re:publica Session zum Thema nahmen Manniac und sein Gesprächspartner Christoph Krachten ein Selfie auf und erklärten anhand dessen die Funktionsweise der App ein wenig: Man sucht sich einen Filter aus, spielt ein bisschen an der Helligkeit rum, verändert die Schatten, verwischt den Hintergrund, setzt passende Hashtags und markiert vielelicht andere Personen. Die große Frage: Ist das noch authentisch? Auch Manniac ist sich da nicht so ganz sicher: “Es kommt darauf an, was Du sonst so auf deinem Kanal postest. Wenn Du immer so viele Filter verwendest, vielleicht. Wenn es Deiner Persönlichkeit entspricht schon, aber ansonsten eher nicht.”

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Screenshot Instagram

Was heißt das?

Man kann auf Instagram immer noch authentisch sein, aber immer weniger sind es. “Viele glauben, dass Instagram authentisch ist, auch, wenn es gar nicht mehr so ist”, so Manniac. Die Plattform werde immer mehr als Medienplattform genutzt.  Die Nutzer planten intentsiver, was sie posten möchten und wie: Sie entwickeln eine eigene Content Strategie.

tl;dr

In den letzten Jahren hat Instagram einen intensiven Wandel durchlaufen. Anfangs wurden in dem sozialen Netzwerk viele  Selfies hochgeladen – mit der Smartphone-App aufgenommen und direkt veröffentlicht. Durch Updates und sich ändernde Ansprüche der Nutzer lassen sich nun auch außerhalb der App aufgenommene Bilder posten. Der Fokus liegt daher mittlerweile auf qualitativ hochwertigen Fotos anstelle von persönlichen Eindrücken. Dafür gibt es ja jetzt Snapchat.

 

Hier findet Ihr die weiteren Artikel der Serie:

YouTube, Instagram, Snapchat: Wie authentisch sind Soziale Netzwerke?

Serie Authentizität (II): YouTube funktioniert nicht ohne Authentizität

Visual Storytelling als Gedächtnisstütze

Man muss hierfür nicht zeichnen können. Man muss auch nicht schön schreiben können. Man muss nur wissen, wie man seine Notizen schöner und kreativer gestalten kann. Frei nach dem Motto: “Ideen. Nicht Kunst.” – Das sind sogenannte Sketchnotes. Sie sind eine Art von Visual Storytelling, bei der man mithilfe weniger Striche, ein paar Pfeilen oder kleinen Zeichnungen seinem Gehirn dabei hilft, sich Inhalte besser zu merken und zu erschließen.

Dies wurde uns auf der re:publica beim Workshop „Sketchnotes für Einsteiger“ näher gebracht. Ralf Appelt (Twitter: @ralfa) und Britta Ullrich (Twitter: @sabrittas) schwören auf Sketchnotes als eine Form von persönlichem Wissensmanagement. Besonders geeignet ist diese Methode für Menschen, die visuell effektiver lernen. Ullrich arbeitet als Visual Trainer und ist bei XING beschäftigt. Ralf Appelt ist ursprünglich studierter Diplompädagoge und dem Masterstudiengang „ePedagogy Design – Visual Knowledge Building“ nachgegangen.

„Beim Schreiben und Zeichnen geht es direkt von der Hand in den Kopf.“ Ralf Appelt

Anhand vieler kleiner Beispiele zeigen uns die beiden, wie man Texte, Bullets, Linien, Pfeile, Container, Menschen, deren Gesichter und Gefühle und schlussendlich die Struktur seiner Notizen visualisiert.

Sketchnotes1

Kleine Kniffe, große Wirkung.

Dank gesponserter Stifte und Tipps und Tricks der beiden Speaker habe ich mich prompt dazu entschlossen, meine eigenen Sketchnotes zu weiteren Vorträgen anzufertigen.

Meine Erkenntnis: Das ist genau das Richtige für mich! Man muss sich zwar bewusst sein, dass man es nicht schaffen wird, einen ganzen Vortrag “mitzuzeichnen”. Aber man ist zu hundert Prozent konzentriert dabei und filtert so das Wichtigste heraus, um es aufs Papier zu bringen. Und so bleibt meiner Meinung nach effektiv sehr viel an Content hängen.

Hier gibts das kostenlose eBook „Lehren und Lernen mit Sketchnotes“ von Ralf Appelt zum Download.

Grauzonen der Werbekennzeichnung: Auf Kosten der jugendlichen Naivität

republica-prf-logo

Im Vorfeld habe ich mir überlegt, über meine Eindrücke auf der re:publica zu Influencer Marketing zu schreiben. Schon alleine durch das Programm der rpTEN habe ich mich bestätigt gefühlt. Aber nachdem die re:publica vorbei ist und ich die Vorträge reflektiert habe, muss ich mein Vorhaben ändern. Ich möchte nicht darüber schreiben, wie Influencer Marketing sich auf das Unternehmen auswirkt, welche Chancen es hat und wohin es uns führen wird. Aber wieso der Sinneswandel? Schuld ist der Vortrag von Thomas Schwenke und Rama Malawi zum Thema „Schleichwerbung – Alles ist erlaubt…, oder?“

Die Zielgruppe 10-16 Jahre

Auf einmal kommt für mich ein neuer Aspekt hinzu, den ich so noch nie betrachtet habe. Die Zielgruppe, die vor allem durch die Mainstream-YouTuber angesprochen wird, sind grob gesagt zehn bis 16  Jahre alt, Tendenz sinkend. Kennt ein Jugendlicher den Unterschied zwischen Product Placement und Werbung? Nicht mal mir war die Grenze wirklich klar.

Wie Thomas Schwenke, Inhaber der Rechtsanwaltskanzlei Schwenke, sagt, kommt es bei Entscheidungen, ob es Schleichwerbung ist oder eben nicht, immer auf die Begebenheit und die Sichtweise an.  Bei Product Placement muss nicht gekennzeichnet werden; bewirbt der Influencer aktiv das Produkt, dann natürlich schon.  Niemals „Sponsored by“ benutzen, sondern den Beitrag deutlich mit „Werbung“ versehen. Aber Achtung! Was ist denn jetzt, wenn in  einem Kochtutorial der Zucker von Südzucker ist, der Influencer aber gar nicht von Südzucker bezahlt wird? Es kommt immer drauf an. Tipp ist: Am besten alles als Werbung bezeichnen, dann sind  sowohl Influencer als auch Unternehmen auf der sicheren Seite, schon alleine, um einen Vertrauensbruch vorzubeugen.

Apropos Vertrauensbruch

Hat der Influencer dann doch nicht richtig gekennzeichnet, wie Y-Titty damals mit den Samsung-Handys oder andere Prominente, hat das jedoch meist  nur eine Abmahnung zur Konsequenz. Also muss der Influencer abwägen, ob er  eine Abmahnung in Kauf nimmt und dafür  einen vielleicht finanziell lukrativeren Deal eingeht. Umgekehrt gilt: Die Angst ist wohl groß, dass werblich gekennzeichneter Content ignoriert wird und das dann Auswirkungen auf die Klickzahlen hat. Für Influencer mit großer Reichweite ist Schleichwerbung also ein interessantes Geschäftsmodell.

Wo ist der Anspruch?

Mir als Ottonormalverbraucherin ist es nicht wichtig, ob Werbung regelkonform gekennzeichnet wird, solange ich nicht selbst diejenige bin, die kennzeichnen muss. Aber ist es mir moralisch nicht wichtig? Die Kids werden hinters Licht geführt, ihnen wird eine große erfundene Geschichte erzählt, welche in einem Kauf von Bibis Schaum, einem Glätteisen oder einer App endet. Klar, gibt es einen großen Teil der Zielgruppe, die sich über die Werbung im Klaren sind und das Produkt aus Überzeugung kaufen aber sind wir nicht verpflichtet, aufzuklären? Die Nutzer des Internets werden immer jünger, aber die Medienkompetenz vielleicht noch nicht ganz ausgereift. Aber wer soll sie denn auch vermitteln? Die Eltern? Digital Immigrants? Nein, danke. Wir, die Menschen, die über eine Medienkompetenz verfügen, sollten es uns  zur Aufgabe machen , aufzuklären. Und damit meine ich nicht nur das Aufklären der Zielgruppe, sondern auch wie Vermarkter durch Schleichwerbung das große Geld machen. Und hier könnte sich der Kreis wieder schließen. Kann eine solche Aufgabe nicht am Besten von Influencern übernommen werden? Influencer können direkt in den Progress eingreifen, ob jede Form der Kooperation sinnvoll ist bzw. Kooperationen von vorneherein ausgeschlossen werden müssen.

Serie Authentizität (II): YouTube funktioniert nicht ohne Authentizität

media convention berlin 2016 2.-3. Mai 2016, STATION-Berlin ------------------------------------------------ [ © (c) Uwe Voelkner / FOX F o t o a g e n t u r F O X info@fotoagentur-fox.de Tel: 02266 - 9019 210 Vanitiy: 0800-FotoFoto Mobil: 0171 - 5483 127 Koelner Strasse 60 D-51789 Lindlar / Koeln B a n k v e r b i n d u n g Kto 7004 78 102 P o s t b a n k B e r l i n BLZ 100 100 10 IBAN DE86 1001 0010 0700 4781 02 BIC PBNKDEFF Steuernummer: 221/5125/0967 Finanzamt: Wipperfuerth USt-IdNr. : DE182602653 Nutzung honorarpflichtig gem. gueltiger MFM-Liste]

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Jeden Mittwoch lädt Mirko alias MrWissen2Go ein Video zu einem neuen Thema hoch – letzte Woche ging es um Depressionen, diese Woche um Geldwäsche. Warum macht der das eigentlich? Und was ist ihm dabei wichtig? Christoph Krachten fragte ihn bei der re:publica  darüber aus.

Mirko Drotschmann ist auf YouTube unter dem Namen MrWissen2Go bekannt und veröffentlicht dort seit 2012 Videos zu verschiedenen Wissensbereichen. Angefangen hat er mit einfachen Nachhilfe-Videos für Geschichte; heute liefert er seinen mittlerweile über 350.000 Abonnenten einmal wöchentlich ein Video.

Zum Einstieg in die Session, erklärt er zunächst die Plattform YouTube. Über seinen Account kann er vieles über seine Zielgruppe bzw. Viewer erfahren. Größtenteils schauen sich Personen zwischen 20 und 30 Jahren sein Videos an. Insgesamt hat sein Kanal im Monat etwa 2 bis 3 Millionen Abrufe.

Um zu sehen, wie gut ein Video bei den Zuschauern ankommt, kann er die Interaktionen zum  jeweiligen Video messen. Die Anzahl der Abonnenten spielen hierbei überhaupt keine Rolle. Allein die Zahl und die „Watchtime“ der Zuschauer ist wichtig – wie viele Personen haben sich das Video angeschaut und wie lange? Auf dessen Basis wird das Video letztendlich auch besser gerankt und wird eher in der Suche angezeigt oder auf der Startseite und als Empfehlung für Nutzern angezeigt.

Aber, wie wichtig ist Authentizität auf YouTube eigentlich?

Mirko sagt: „Authentizität ist sehr wichtig! Das ist generell einer der Gründe, warum YouTube und einzelne Personen dort so gut funktionieren. YouTube macht es aus, dass man echt ist und sich nicht verstellt. Inszeniertes merkt der Zuschauer sofort.” Er selbst möchte als MrWissen2Go wie der gute Kumpel rüberkommen, der ein Thema erklärt. Bei dem Zuschauer komme so etwas teilweise als unprofessionell, aber gut an. Er ist so direkt auf der Wellenlänge mit der Person vor der Kamera. Selbst wenn ein YouTuber in einem als Schlafzimmer eingerichtetem Studio stehe, müsse dies nicht gleich verwerflich sein, solange er dem Zuschauer nicht erzähle, er stehe in seinem alten Kinderzimmer, sagt Mirko.

Aber auch die Sprache spielt bei der Echtheit eine wichtige Rolle. Mirkos Erfahrung: Es muss eine Sprache verwendet werden, die zu einem selbst passt und die man auch im alltäglichen Leben verwendet. Dabei ist das Ablesen vom Promter ein absolutes NoGo. Klar, schreibe er sich immer sein Skript vorher, doch lese er während dem Dreh nicht ab, das störe die Atmosphäre, so Mirko. Dadurch kann einem auch mal ein Fehler passieren. Wie sollte man am besten damit umgehen? Sollten diese drin bleiben nach dem Motto: Fehler sind menschlich (Authentizität)? Oder lieber nochmal neu drehen, Stichwort Seriosität? Wenn Mirko während des Video-Drehs Fehler passieren, wiederholt er die Aufnahme so lange, bis er sie fehlerfrei aufgenommen ist. Kleine, lustige Fehler lässt er aber manchmal noch im Video. Das ist aber doch nicht mehr authentisch? Könnte man sagen, sagt Mirko. Jedoch stehen für ihn die Themen im Vordergrund: „Wenn ich während einem Video nur lache oder mich verspreche, kann man mich auch nicht ernstnehmen. Das ist besonders bei ernsten Themen wie bei dem letzten Video über Depressionen, nicht passend.“

Authentizität durch Livestream?

Ganz neu auf YouTube gibt es jetzt auch den Livestream – ähnlich wie auch bei Facebook. Ob es wohl eine gute Idee wäre, während des Vortrags einen Livestream für seinen Kanal zu drehen? Mirko sieht es jedoch eher skeptisch, ob sich seine Zuschauer dafür interessieren. Ein Livestream von der Media Convention wäre zwar spannend, aber für die eigentliche Zielgruppe eher störend. Auch bei seiner Themenauswahl auf seinem Kanal ist er mittlerweile sehr kritisch. “Je mehr Zuschauer man hat, desto schwieriger ist es mit Special Interest-Themen.” Daher sollten Themen nicht zu speziell sein. Ein großes Thema, das bei YouTube immer wieder aufkommt, ist die Bezahlung: Ist ein YouTuber immer noch authentisch, wenn er Geld für seinen Content bekommt? Mirko bekommt einen Anteil für die Werbung, die vor seinen Videos geschaltet wird. Diese habe jedoch keinen Einfluss auf die Inhalte. Werbung die ihm nicht passt, kann er manuell ausblenden lassen. Auch weiß er, dass bei manchen Themen seiner Videos keine Werbung geschaltet wird. Für ihn ist das nicht wichtig. Einzig und allein der Inhalt ist für ihn wichtig, so der Youtuber

tl;dr

Authentizität spielt bei YouTube von Anfang an eine wichtige Rolle. Ein YouTuber muss sich vor der Kamera genauso geben, wie er auch mit anderen Menschen im alltäglichen Leben umgeht, sonst merkt das der Zuschauer und schließt möglicherweise das Video. Dennoch muss die Art des Videos zum Thema passen; lacht MrWissen2Go in seinem Video über Depressionen, wären die Zuschauer sicherlich genervt. Für ihn steht das Thema im Vordergrund.

 

Hier findet Ihr die weiteren Artikel der Serie:

YouTube, Instagram, Snapchat: Wie authentisch sind Soziale Netzwerke?

Der Catcontent ist tot, lang lebe der Dogcontent!

bobby-media-logo-neu

Jüngst hat der ADC für seinen Wettbewerb mit Katzenbildern geworben und das richtig gut. Sogar auf das Titelblatt der Horizont haben sie es geschafft. Catcontent ist der Hype im Internet. Schon immer eigentlich. Katzen sind süß und die perfekten Hauptdarsteller für noch süßere Videos. Aber das Internet durchläuft kontinuierlich einen Prozess, das heißt, es muss sich weiterentwickeln. Einen winzigen Beitrag wollen auch wir dazu leisten.

Von Content zu Inhalten

Wir finden: Die User brauchen Dogcontent. Und damit meine ich nicht nur Hundebabies, die mit Menschenbabies kuscheln, nein damit meine ich Inhalte. Richtig gute Inhalte. Und diese kommen aus Darmstadt. Bobbymedia, die Agentur gegründet von aufstrebenden Studierenden, bricht die traditionellen Wege einer Social-Media-Strategie auf. Denn genau betrachtet gibt es für Unternehmen nicht mehr nur die eine Strategie, sie setzt sich aus vielen kleinen Strategien zusammen. Die Anzahl von Kanälen steigt, Influenzermarketing bekommt eine völlig neue Bedeutung und dann gibt’s da auch noch Virtual Reality und so vieles anderes mehr. Da müssen die Kompetenzen der Agenturen immer breiter sein und vor allem für den Kunden eingesetzt werden können.

 

Wer hat also bessere Kompetenzen als Studierende, die direkt die Theorie in die Praxis umsetzen, erste Berufserfahrungen mit sich bringen und sich darüber hinaus zu den Digital Natives zählen? Nicht viele. Und on top dazu: Hinter Bobbymedia steht ein echter Hund, unschwer zu erraten, mit dem Namen Bobby. Wir möchten in diesem Semester unseren Kunden helfen, ihre Social-Media-Strategie als Erlebnis zu sehen, mit den vielen Möglichkeiten, die die Kommunikation vor allem die Onlinekommunikation  zu bieten hat.

Lernen, Verstehen, Umsetzen

Die Agentur ist im Lernprozess, so wie es auch die Studierenden in der Lernagentur sind. Strukturen und Möglichkeiten in der Onlinekommunikation müssen nicht nur erlernt und verstanden, sondern müssen auch umgesetzt werden. Natürlich können wir hier auf die “Schnauze” fliegen, jedoch müssen wir lernen, auch wieder aufzustehen. Und das macht die Lernagentur aus: Das Ausprobieren von Möglichkeiten. Profis sind wir und Bobbymedia noch nicht, können jedoch mit frischen Ideen und jugendlichem Optimismus punkten. Besonders in dieser Lernagentur probieren wir uns dieses Semester mit Low Budget-Social Media Strategien aus: Mit einer Aufmerksamkeitskampagne zum Thema Bewertungsgesellschaft im Auftrag der  Evangelischen Frauen, einem Festival rund um den Science Fiction-Autoren Stanislaw Lem in Darmstadt oder der Markteinführung von so genannter 3D-Puzzles. Wir werden berichten, wie sich die Social Media-Strategien entwickelt haben; und sollten diese nicht fruchten, haben wir immer noch Bobby, der uns aufmuntert!


Update vom 10.05.2016

In den Kommentaren kam der Vorwurf, das Logo mit dem süßen Hund wäre nicht von uns.

Leider müssen wir eingestehen, dass ein Mitglied des Teams hier nicht genug Zeit investiert hat und das Logo tatsächlich einer bereits bestehenden CI entstammt. Wir möchten uns in aller Form für diesen Fehler entschuldigen und gleichzeitig klarstellen, dass uns Ethik im Web eines der höchsten Güter ist. Daher ist uns dieser Fauxpas höchstgradig peinlich und wird uns sicherlich eine Lehre sein.
Übrigens: Das Ganze wird außer hier bei der Projektvorstellung intern bei uns im Studiengang verwendet, und zwar im Rahmen der Lehrveranstaltung “Lernagentur” – eine echte Agentur “Bobbymedia” ist im Moment nicht vorgesehen.

YouTube, Instagram, Snapchat: Wie authentisch sind soziale Netzwerke?

media convention berlin 2016 2.-3. Mai 2016, STATION-Berlin ------------------------------------------------ [ © (c) Uwe Voelkner / FOX F o t o a g e n t u r F O X info@fotoagentur-fox.de Tel: 02266 - 9019 210 Vanitiy: 0800-FotoFoto Mobil: 0171 - 5483 127 Koelner Strasse 60 D-51789 Lindlar / Koeln B a n k v e r b i n d u n g Kto 7004 78 102 P o s t b a n k B e r l i n BLZ 100 100 10 IBAN DE86 1001 0010 0700 4781 02 BIC PBNKDEFF Steuernummer: 221/5125/0967 Finanzamt: Wipperfuerth USt-IdNr. : DE182602653 Nutzung honorarpflichtig gem. gueltiger MFM-Liste]

Foto von MCB/Uwe Völkner ©

Alles, das im Internet steht, ist echt! Wenn MrWissen2Go im YouTube-Video über Depressionen redet, steht er in seinem Wohnzimmer. Manniac zeigt uns auf Instagram, dass er einen Tag in Neuseeland und am nächsten in Thailand ist. Duygu malt ihren Avocados Gesichter und schneidet sie zu Star Wars-Musik auf – so ihre Snapchat-Story. Ist das alles so? Oder ist es inszeniert?

Seit vielen Jahren wird im Internet und besonders in den Sozialen Medien über das Thema der Athentizität diskutiert. Vor allem von Unternehmen wird erwartet, dass sie sich dort transparent darstellen. Zugleich spielt immer mehr der Begriff des “Influencer Marketing” als Schlüssel zu Erfolg eine wichtige Rolle. Aber wer oder was steckt eigentlich hinter einem Online Influencer? An sich kann jeder, der eine gewisse Reichweite, sprich Fans oder Follower, hat, ein Influencer sein, beispielsweise YouTuber oder Blogger. Er kann dadurch Menschen in ihrem Verhalten oder Handeln beeinflussen.

Auf der re:publica hat Christoph Krachten (@krachten) solche Personen gefragt, wie sie zum Thema der Authentizität auf ihren Kanälen stehen und damit umgehen.

Zum einen hat er Mirko Drotschmann gefragt. Dieser ist auf YouTube besser bekannt als MrWissen2Go (@MrWissen2Go). Seine Reichweite besteht aus mehr als 350.000 Abonnenten und monatlich über 2 Millionen Video-Abrufen. Dort werden einmal die Woche Themen aus verschiedenen Wissensbereichen behandelt.

Auch Manniac (@manniac) ist YouTuber mit über 270.00 Followern. Doch mittlerweile ist er auch immer mehr auf Instagram aktiv und erreicht dort unter seinem Nutzernamen manniacmind seine mehr als 31.000 Abonennten. Er postet viele Bilder von seinen Reisen quer durch die Welt, beispielsweise aus Südafrika oder Thailand.

Duygu Gezen (@duygugzn) beschäftigt sich bei Radio Bremen mit dem ganzen „Internet-Gedöns“. Unter anderem ist sie privat auch sehr aktiv auf Snapchat und postet dort verschiedene Einblicke in ihren Alltag.

Die Frage nach der Authentizität

Durch ihre intensive  Nutzung und Reichweite auf den verschiedenen Kanälen konnten die drei in der einstündigen Session das jeweilige Medium erklären: Die Funktionsweise der Plattform und die Art und Weise, wie ich dort richtig poste. Jeder erzählte, wie er es auf seinem Kanal handhabt und was ihm dabei wichtig ist: Wie authentisch will ich rüberkommen? Ist für mich der Kanal oder der Content wichtiger?

Um die Fragen, Antworten und Einblicke aus dem Vortrag wiederzugeben, gestalte ich daraus eine kleine Blogpost-Serie. Jedes Soziale Netzwerk bekommt einen eigenen Artikel gewidmet.

In den nächsten Tagen findet Ihr hier die weiteren Artikel.

Beim Storytelling auf Twitter ist jeder Teil der Geschichte

Mark Little, Vice President of Media für Europa & Afrika bei Twitter, spricht auf der #rpTEN über die Besonderheit des Storytelling auf Twitter

Twitter ist aus unserem Studiengang Onlinekommunikation an der h_da nicht mehr wegzudenken. Das Anlegen eines Accounts ist Pflicht und der Hashtag #onkomm hat sich in den letzten anderthalb Jahren auf der blauen Plattform etabliert. Deshalb war die  Session „What’s next on Twitter and News?“, gehalten von Twitter Vice President of Media für Europa und Afrika, Mark Little, fest für Tag 01 der re:publica TEN eingeplant.

Storytelling. Das Content-Buzzword 2016.

Schnell wird klar: Mark ist mit ganzem Herzen dabei. Gefühlt jeder zweite Satz von ihm lautete „I fell in love with Twitter“, again and again – und ich kann’s verstehen. Es lässt sich zwar nicht leugnen, dass die Nutzerzahlen der Plattform in den letzten Jahren wieder etwas stagniert sind, aber die Plattform ist eben auch nicht was für Jedermann. Deshalb hat sich Mark Little darauf fokussiert, wofür sich Twitter besonders gut eignet: Geschichten schreiben und erzählen. Moderner ausgedrückt: Storytelling. Das Content-Buzzword 2016.

Aber wie soll das funktionieren?
Storytelling OHNE chronologische Anzeige der Tweets?

Kritisiert wurde, dass Twitter nun auch Werbe-Tweets eingeführt hat und darüber nachdenkt, sich von der chronologischen Anzeige der Tweets in der Timeline zu verabschieden. Aber wie passt das mit Storytelling zusammen? Mark ist der Meinung, dass beim Erzählen einer Geschichte auf Twitter nicht die chronologische Reihenfolge wichtig ist, sondern das große Ganze, wo sich der Nutzer darin positioniert und die persönliche Betroffenheit. Die Nähe zum Nutzer durch Tools wie Periscope sorgen außerdem nicht nur dafür, dass sie Teil der „story of now“ werden – sie haben „Beweise“. Außerdem können sie sich bei Twitter, mehr als auf anderen Netzwerken, viel selbstbestimmter bewegen und haben die Möglichkeit auf direkte Interaktion. Sie sind Teil eines Movements, das nur durch die Community existieren kann. Und das macht Twitter zu dem, was es ist.

So, Twitter – genug selbstbeweihräuchert oder…?

Sein abschließendes Zitat „In the next ten years, Twitter will become more… Twitter“ bringt den Grundtenor seines Vortrags auf den Punkt: Twitter muss wieder das werden, was es mal war, aber mit den Neuerungen, die es noch besser machen sollen. Wir können auf Twitter alle Storyteller UND Teil einer Geschichte sein. Und auch wenn Mark Little etwas selbstbeweihräuchernd daher gesprochen hat, habe ich ihm seine Begeisterung komplett abgekauft – weil sie einen mitgerissen hat und weil ich sie SO gut nachvollziehen kann.

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